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OB Lung und Manfred Hofmeister im Gespräch

„Logistikdrehscheibe“ oder Mischgebiet? Ein Ausblick in die Zukunft von „Marzoll Türk-West“

Manfred Hofmeister Oberbürgermeister Dr. Christoph Lung Stadtrat Bad Reichenhall
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Ein Archivbild zeigt Manfred Hofmeister (Bürgerliste Reichenhall) und Oberbürgermeister Dr. Christoph Lung (CSU) im Sommer sitzend vor dem Bismarck-Brunnen in Bad Reichenhall. Derzeit diskutieren die beiden über das Gewerbegebiet „Marzoll Türk-West“.

Die Angst vor der „Logistikdrehscheibe“ - Sie lässt den Konflikt rund um die Erweiterung des Gewerbegebiets Marzoll Türk-West wieder aufflammen. Oberbürgermeister Dr. Christoph Lung und Stadtratsmitglied Manfred Hofmeister im Gespräch mit BGLand24.de über den Disput um die Zukunft des umstrittenen Geländes.

Bad Reichenhall - Um das Gewerbegebiet Marzoll Türk-West flammt ein jahrelanger Konflikt zwischen Befürwortern und Gegnern eines reinen Gewerbegebiets wieder auf. Zuletzt führte die Angst vor einer „Logistikdrehscheibe“ in dem äußeren Bad Reichenhaller Ortsteil zu einer Demonstration betroffener Anwohner vor einer Stadtratssitzung.

Denn der Stadtrat hat im Dezember beschlossen, den derzeit komplizierten und kaum verständlichen Bebauungsplan der betroffenen Grundstücke zusammenzufassen und gleichzeitig das Gewerbegebiet zu erweitern - um der Firma Maier Früchtegroßhandel eine Ansiedlung zu ermöglichen.

Bad Reichenhall streitet um Gewerbegebiet „Marzoll Türk-West“

Einigen Anwohnern und dem Verein „Lebenswertes Bad Reichenhall“ stößt dies sauer auf. Vor ein paar Jahren war noch ein Mischgebiet im Gespräch. Man ging also davon aus, dass in einem Übergangsbereich zwischen dem reinen Gewerbegebiet und dem Wohngebiet eine Art Pufferzone mit Kleingewerbe entstehen würde, die sich besser mit dem Wohngebiet vereinbaren lasse und heimischen Betrieben eine Ansiedlungsmöglichkeit bieten könnte.

Mit den derzeitigen Plänen der Stadt ist ein Mischgebiet jedoch vorerst vom Tisch. Oberbürgermeister Dr. Christoph Lung (CSU) erklärt auf Nachfrage von BGLand24.de, dass ein Mischgebiet zwar zwischenzeitlich eine Überlegung gewesen sei, aber nie beschlossen und deswegen auch nie umgesetzt wurde.

Auch damals gab es schon erheblichen Widerstand, wie Dr. Lung erklärt. Jetzt schiebe man die Entscheidung bereits seit Jahren vor sich her. Außerdem merkt Lung an: Ein Mischgebiet klinge zwar netter, sei aber deswegen nicht besser oder schlechter als ein reines Gewerbegebiet. Nur die Nutzung sei anders.

Widerstand gegen Gewerbe - Geht es uns zu gut?

Lung betrachtet den Widerstand gegen Obst Maier und das Gewerbegebiet in Türk-West kritisch und mit Sorge. Als Gesellschaft müsse man sich die Grundsatzfrage stellen: „Wenn wir es nicht schaffen, einen Betrieb, der seit den 30er Jahren bei uns ansässig ist, gute Arbeit macht und ein seriöses Unternehmen ist, nicht in der Region zu halten, sondern dass er abwandert nach Österreich, dann müssen wir uns fragen, ob unser Wirtschaftsstandort Deutschland noch eine Zukunft hat.“ Lung wird noch konkreter: „Dann muss man sich fragen, ob es uns nicht sogar zu gut geht.“

„Jede Lösung wäre besser, als ein weiterer Logistikstandort“

Manfred Hofmeister (Bürgerliste Reichenhall) hat als Vorstand des Vereins „Lebenswertes Bad Reichenhall“ die Demonstration initiiert und macht auch in den Stadtratssitzungen immer wieder deutlich, dass er sich keine Erweiterung des Gewerbegebiets mit der Ansiedlung der Firma Obst Maier wünscht, sondern ein Mischgebiet bevorzugt.

Konkret sagt Hofmeister im Gespräch mit BGLand24.de: „Jede Lösung wäre besser, als so ein weiterer Logistikstandort, der hunderte Lkw hinzieht und wenige hochwertige Arbeitsplätze mitbringt.“

Hofmeister, der Verein und die Anwohner nennen dafür mehrere Argumente. Für die Erweiterung werde Grünland geopfert, das wiederum Auswirkungen auf den Tierbestand der Bauern hätte. Hier ist offenbar konkret ein Bauer betroffen, der die Grünflächen zur Futtererzeugung für seine Tiere gepachtet hat. Neben dem konkreten Beispiel eines direkt Betroffenen machen sich die Demonstranten Sorgen um Lärmbelästigung und erhöhten Lkw-Verkehr. Insbesondere die Bedenken vor zahlreichen Lkw-Fahrten in den Nachtstunden sind groß.

Hofmeister stellt dabei klar: „Wir sind nicht gegen Gewerbe, sondern gegen die Erweiterung und dem Opfern von Grünland. Und dann sollten lokale Gewerbe Berücksichtigung finden und nicht nur Lkw-Logistik.“ Lokale Gewerbetreibende würden seit Jahren händeringend nach Flächen suchen. Die Hoffnung, im Mischgebiet Türk-West Flächen anzumieten, ist scheinbar groß gewesen. Dabei geht es um „nachbarschaftsverträgliche Unternehmen“ wie es Hofmeister formuliert. „Wir wollen keine grüne Wiese, sondern etwas Vernünftiges daraus machen!“

„Logistikdrehscheibe“ - Angst schüren und Panikmache im Vorhinein?

Oberbürgermeister Lung sieht das Engagement des Ratsmitglieds Hofmeister als eher „ungewöhnlich“ an. Versuche - durch etwa die Demonstrationen - auf die Stadtrats-Kollegen Druck auszuüben, hält Lung „für nicht ganz optimal“. Auch mit Worten wie „Logistikdrehscheibe“ im Vorhinein Ängste in der Bevölkerung zu erwecken, sieht Lung als „nicht wirklich zielführend“. Lung fände es besser und mehr im Interesse der Anwohner, „wenn man sich konstruktiv beteiligen würde und im Rahmen des Verfahrens seine Anliegen - Stichwort Lärm und Verkehr - einbringen würde“.

Hofmeister sieht in den Demonstrationen einen „demokratischen Widerstand“. Er verweist auf den Unterschied zwischen dem, was sich der Oberbürgermeister wünscht und dem was demokratisch möglich ist. Das Stadtratsmitglied kritisiert dabei auch, dass der damalige Tagesordnungspunkt zur Erweiterung des Gewerbegebiets im Dezember nur wenige Tage vor der Sitzung veröffentlicht wurde. Es sei eine „Eilaktion“ gewesen. „Es hat nie eine vertiefte Debatte stattgefunden. Deswegen fühlen sich viele Leute überrumpelt, dass jetzt statt einem Mischgebiet wieder eine Logistikdrehscheibe hinkommt.“

Hofmeister ist es wichtig, „von Anfang an eine vernünftige Planung“ zu machen. Außerdem habe die Bevölkerung ein Recht auf Transparenz. „So ein Thema kann man nicht fünf Tage vorher auf die Tagesordnung setzen und beschließen, dass das eingeleitet wird.“

Wohin mit der Firma Obst Maier?

Aller Diskussionen zum Trotz - die Standort-Zukunft des Früchtegroßhandels Maier steht derzeit noch in den Sternen. Selbst wenn ein Bauplan für ein erweitertes Gewerbegebiet Marzoll Türk-West erfolgreich beschlossen wird, kann danach erst mittels Gutachten geklärt werden, ob ein Bau der Firma dort auch Sinn macht.

Hofmeister sieht die Zukunft großer Logistik-Unternehmen wie Obst Maier nicht in Marzoll. Und wo dann? „Mit Sicherheit nicht 80 Meter neben einem Wohngebiet. Und nicht in einer Zone, wo schon ein intensiver Verkehr herrscht“, so Hofmeister. Der Standort müsse weiter weg liegen von Wohngebieten und eine gute Anbindung an eine Bundesstraße haben.

Gewerbegebiet „Marzoll Türk-West“: Wie geht es weiter?

Hofmeister plant bereits die nächsten Schritte im Kampf gegen die Erweiterung des Gewerbegebiets. „Das Ziel ist, 13 Stimmen, also die Mehrheit“ im Stadtrat zu bekommen. Dies sei natürlich nicht so leicht. Doch im Moment läuft eine Unterschriftenaktion, die zeigen soll, „dass eine breite Basis mit derartigen Planungen nicht einverstanden ist und dann wird man schauen, wie das weiter läuft“.

Auch Oberbürgermeister Dr. Lung gibt einen Ausblick auf die Zukunft des Gewerbegebiets: „Mein Ziel ist, solche guten Betriebe zu halten und es so zu machen, dass auch die Anwohner zu ihren Interessen kommen.“ Das Bauleitplanverfahren werde „so seriös und so schnell wie möglich“ ablaufen. Lung, selbst Marzoller, möchte nicht, das dabei der „Blick auf das große Ganze“ verloren geht. „Wenn wir Wohlstand erhalten wollen, dann erfordert das gewisse Zugeständnisse.“

ce

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