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Max Aicher Stiftung fördert Bildungschancen

Ein Schulabschluss für finanzielle Unabhängigkeit - 14 Zuwanderer bestehen Quali mit Bestnoten

Bei der kleinen Feierlichkeit, strahlten die Augen der aus 9 Herkunftsländern stammenden TeilnehmerInnen.
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Bei der kleinen Feierlichkeit, strahlten die Augen der aus 9 Herkunftsländern stammenden TeilnehmerInnen.

Alle 14 Prüflinge des externen Mittelschulprogramms der Max Aicher Stiftung erhalten ihre Zeugnisse mit Bestnoten. Das Programm ermöglicht erwachsenen Zuwanderern die ab 21 aus dem deutschen Schulsystem herausfallen eine Chance zu Mittelschulabschluss und mittlerer Reife.

Pressemitteilung im Wortlaut:

Bad Reichenhall - Trotz zwei extrem herausfordernder Schuljahre erhielten heuer alle 14 Prüflinge im externen Mittelschulprogramm der Max Aicher Stiftung ihre Zeugnisse mit besten Noten für den staatlichen bzw. qualifizierenden Mittelschulabschluss. Erstmals seit Bestehen des Programmes (Sept. 2015) absolvierten zwei der Teilnehmer auch die Mittlere Reife - mit einem Notendurchschnitt von 1, 5 war die junge Ukrainerin die beste des Jahrganges an der Mittelschule Bad Reichenhall.

Auch die Anschlussklasse erhielt ihre Leistungsberichte für das Schuljahr 2020/2021 aus der Hand von Angela Aicher und Ehrengästen. Bei der kleinen Feierlichkeit in einer Halle in der Zollhäuslstr. 3, entsprechend der Corona Vorgaben, strahlten die Augen der aus 9 Herkunftsländern stammenden TeilnehmerInnen.

Trotz sieben Monaten Distanzunterricht in den beiden Schuljahren, in denen sie nicht nur Deutsch, sondern auch Mathematik, Englisch, Geschichte, Soziales, Geographie, Deutsch für Beruf und Ausbildung, Grundkenntnisse in EDV für den Schulabschluss büffelten, bestanden alle ihre Abschlüsse mit Bestnoten seit Bestehen des Max Aicher Mittelschulprogrammes: Zwischen 1,8 bis 2,6 lag der Notendurchschnitt für sie in den Quali-Prüfungen.

Die anwesenden Ehrengäste wie der Dritte Bürgermeister von Freilassing Wolfgang Hartmann, die 2. Bürgermeisterin von Ainring Rosemarie Bernauer, der Berufsschuldirektor Hermann Kunkel, der Direktor der Mittelschule Mitterfelden Markus Döllerer, die Integrationslotsin des Landratsamtes BGL Astrid Kaeswurm, der Fachdienstleiter der Caritas für Migration und Asyl Matthias Burgard, der 1. Vorsitzende des Katholischen Bildungswerkes BGL Peter Wörnle sowie Asim Aydin der AWO Migrationsberatung zeigten sich beeindruckt von der grandiosen Leistung der jungen Migrantinnen und Migranten und der Lehrkräfte.

Spannend, mit Bildern und Kommentaren präsentierten die Lernenden den Rückblick auf ein sehr besonderes Schuljahr. Fest steht: Gute Schulbildung und ein deutscher Schulabschluss sind existenziell für ein geregeltes Leben und einen Grunderwerb für zumindest teil-finanzielle Unabhängigkeit. Es entsteht ein soziales und friedvolles Miteinander, das für den Landkreis BGL durch dieses Integrationsprojekt gut spürbar ist.

Erstmals: Mit Hybrid Unterricht zum Mittelschulabschluss

Mit Schulbeginn im September 2019 starteten die Verantwortlichen mit frischem Schwung für dieses einzigartige Lernprojekt durch. Ein Fachlehrerteam rund um Julia Hänsch als Schulkoordinatorin kümmert sich um die Umsetzung des Lehrplanes, der sich nach den Vorgaben des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus sowie nach den Standards des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) richtet.

Bedingt durch die Corona Pandemie unterrichteten die Lehrkräfte Lena Kaiser, Ramona Becker, Lisa Widlroither, Natalia Frolova und Florian Gamstatter nicht nur im Gruppen- und Wechselunterricht - sie trainierten die Lerngruppen unter anderem in den Fächern Deutsch, Mathe und Englisch bereits seit April 2020 auch im Wechsel Distanz- und Präsenzunterricht.

Ein zusätzliches spezielles Sprachtraining führte die Lerngruppen bis zur TELC B1 Prüfung am 3. Juli 2021 mit der VHS Bad Reichenhall. Julia Hänsch als Koordinatorin der beiden externen Mittelschulklassen fasst das vergangene Schuljahr so zusammen: „Es war auch für uns ein sehr herausforderndes Jahr, aber auch ein gewinnbringendes Jahr. Wir alle sind über uns hinausgewachsen, suchten nach Lösungen und Wegen, um dieses Schuljahr mit Erfolg für die SchülerInnen zu Ende zu bringen.

Wir haben nie aufgegeben und umso stolzer sind wir heute, dass alle 14 der Prüfungsklasse ihren Abschluss erreicht haben – und das mit besten Notendurchschnitten.“ Fast alle in Ausbildung oder Arbeit Die Betreuung und Unterstützung in Bewerbungsschreiben und Arbeitsplatzsuche mit geeigneten Maßnahmen durch die Lehrer ist in eigenen Projektstunden und im Fach Deutsch für Ausbildung und Beruf gewährleistet.

Es gipfelt in nicht-Covid-Zeiten in der Beteiligung an Berufsinfotagen in der Berufsschule BGL und auch in der Mittelschule Mitterfelden. In diesem vergangenen Schuljahr unterstützte hier mehrfach in beratender Funktion auch die IHK in virtuellen Konferenzen.

Gabriele Bauer-Stadler, Koordinatorin des Max Aicher Bildungszentrum für Integration freut sich „Trotz fehlender Berufsinformationstage und Praktika ist es gelungen, 10 der 14 Absolventen aus Afghanistan, Syrien, Nigeria, Myanmar, Pakistan und der Ukraine auf ihrem weiteren Weg unterzubringen: in Ausbildungs-und Arbeitsstellen als Busfahrer, Koch, Maurer, im Baugewerbe, als Zahntechniker oder IT-Assistent. Lena und Dimitri, unsere beiden ersten Mittlere Reife-Absolventen, besuchen ab September die FOS.“

Aung Than Htwe aus Myanmar erzählt mit leuchtenden Augen: „Vor 2 1⁄2 Jahren begann ich bei Max Aicher Deutsch zu lernen. Nun habe ich als Bester den Quali bestanden – ich kann es noch gar nicht glauben. Schon im August darf ich nun eine Ausbildung beginnen, in meinem Traumberuf Zahntechniker. Ich bin so glücklich, für meine Familie ein gutes Leben zu erreichen.“

Digitale Kompetenz weiter fördern mit hybridem Unterrichtskonzept

Das Bildungszentrum nutzt/e die Krise als Chance und den Schwung des Neustarts genauso wie seine Erfahrungen mit Onlineunterricht seit April 2020. Das Unterrichtskonzept wird mit digitalen Methoden verzahnt. Etwa zwei Drittel der Lernzeit entfallen auf den Unterricht vor Ort, während sich das andere Drittel aus synchronem Videounterricht und asynchronen Übungen zusammensetzt.

Diese hybride Organisation ermöglicht ein flexibleres Lernen im Alltag und stärkt weiter die digitale Kompetenz, die die insgesamt 150 Lernenden seit April 2020 erwerben konnten. Neben gemischten Kursen wird es Kurse und Unterrichtseinheiten geben, die komplett im online Modus angeboten werden.

Mehrwert durch Zusammenarbeit

Bilder aus der Klasse im Unterricht vor Ort.

Nach den zwei Jahren externem Mittelschultrainings erhalten die Schüler nicht nur ein staatliches Zeugnis, sind fit für einen Berufsweg oder weiterführende Schulen, sie haben viel über das Leben in Deutschland gelernt: Werte, Kommunikation, Konfliktvermeidung- und Konfliktbewältigung, Rechte und Pflichten im demokratischen Deutschland.

Spezieller Dank geht hierbei an die Partner: das Landratsamt BGL, die Caritas BGL, das katholische Bildungswerk, die Erzdiözese München-Freising, Startklar Soziale Arbeit, die Gemeinde Tittmoning, AWO, Malteser, die unterstützenden Schulen sowie weitere Firmen. In der sehr speziellen Kooperation mit der Caritas BGL und der Ippenstiftung im KIA- Frauenprojekt ist es gelungen, im Sept. 2020 erstmals Mütter mit Kleinkindern in das Max Aicher Mittelschulprogramm aufzunehmen.

Die Kosten der Kinder-Betreuung übernimmt hier die Ippenstiftung, so können die Mütter die Herausforderung „in 2 Jahren zum Mittelschulabschluss“ annehmen. Marie aus dem Kongo (DRC) sagt hierzu: „Deutsch lernen war am Anfang ziemlich schwer. Im ersten Schuljahr des Mittelschulprogrammes wurde es rasch besser – auch mit der online Schule. Ich will nach dem Schulabschluss eine Ausbildung machen – für ein gutes Leben hier in Deutschland.“

Erfolg durch Freiwilligkeit

In zwei Jahren werden die Schüler gezielt auf den Mittelschulabschluss vorbereitet. Besonderheit ist, so Gabriele Bauer-Stadler „Der Besuch der Schule ist freiwillig, es gibt keinen staatlichen Anspruch, dennoch klare Vorgaben: es findet ein Auswahlverfahren zur Aufnahme statt. Es herrscht Anwesenheitspflicht, Hausaufgaben und Tests sichern die Qualitätsentwicklung im Unterricht. Die Schüler werden von den Lehrern auf den Arbeitsmarkt /auf eine Ausbildung vorbereitet.“ Und ergänzt: „Wir bedanken uns ausdrücklich bei der Mittelschule in Mitterfelden. Sie nimmt in enger Abstimmung mit den Lehrern die Prüfungen ab und stellt die staatlichen Mittelschulzeugnisse für unsere Schüler aus.“

Ausblick Internationale Studien

Viele internationale Studien belegen, dass der Zugang zu Bildung für Zuwanderer, im Besonderen Sprachförderung (vom ersten Tag an) weiter Priorität haben muss, um Integration zu gewährleisten. Lernen darf nicht mit dem Spracherwerb der deutschen Sprache enden.

Die bildungswilligen Schüler müssen die Möglichkeit haben, mit Folge-Angeboten wie Fachkursen und einem Schulabschluss, einem Praktikum etc. weiter an ein Leben in Deutschland herangeführt zu werden. Gabriele Bauer-Stadler erklärt dazu: „Es braucht vor allem eine weitere Diversifizierung der Kurse, um den vielen unterschiedlichen Lernbedürfnissen der Asylbewerber gerecht zu werden. Die Neubürger müssen rasch und ohne lange Wartezeiten Deutsch, soziale Kompetenzen und Werte erlernen.

Noch immer warten (berechtigte) Asylbewerber mindestens 6-8 Monate auf einen (ersten) staatlichen Deutschkurs. Die Möglichkeit für alle, zusätzlich einen Schulabschluss als Start in ihr Leben in Deutschland zu erwerben, ist einzigartig in der Region und muss weiter auch aus öffentlicher Hand unterstützt werden. Gerade auch Frauen mit Kindern muss die Möglichkeit zur Integration gegeben werden.“

Neue Klasse im Mittelschulprogramm beginnt am 6. Sept 21

Für einen neuen Jahrgang 2021 – 2023 liegen dem Bildungszentrum 29 Vor-Anmeldungen vor. Die wichtigsten Voraussetzungen zur Teilnahme sind folgende:

• älter als 21 Jahre

• Sprachniveau mind. A1

• für Teilnahme von Frauen mit Kindern: Kinderbetreuung muss für die Vollzeit-Schule gesichert sein

Der Einstufungstest findet am 4. August um 9 Uhr in der Zollhäuslstr. 3 in Freilassing statt. Nur angemeldete Interessenten können teilnehmen unter Beachtung aller Corona-Schutzmaßnahmen: 3 G plus AHA.

Daten und Fakten zum externen Mittelschulschulprogramm im Bildungszentrum für Integration Bildung ist unser höchstes Gut und die Wirtschaft von morgen“, getreu diesem Motto hatte Max Aicher im September 2015 eine externe Mittelschulklasse ins Leben gerufen. Das Angebot richtet sich gezielt an Personen über 21 Jahre, die in Deutschland keine Möglichkeit mehr haben, eine Schule zu besuchen. Es ist seit 2018 eine Säule im Max Aicher Bildungszentrum für Integration.

Die Motivation dazu beschreibt Angela Aicher so: „Viele unserer Neubürger haben abgeschlossene Studien oder waren in ihren Herkunftsländern Facharbeiter, IT-Experten oder Ähnliches. Ohne deutschen Abschluss ist dies oft wertlos. Ein deutscher Schulabschluss ist meist Grund- Voraussetzung für den Eintritt in den deutschen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt.

Damit dies auch für Zuwanderer und Neubürger möglich wird, die aus dem deutschen Schulsystem herausfallen also z.B. älter als 21 Jahre sind oder deren Abschlüsse hier nicht anerkannt werden, riefen wir dieses externe Mittelschulprogramm ins Leben - eine wichtige Ergänzung zum bestehenden staatlichen Angebot der Mittel – und Berufsschulen.

Es ist eine einzigartige Einrichtung weit über die Region hinaus, offen für ALLE Zuwanderer, unabhängig von Nationalität, Alter, Geschlecht oder Religion - privat finanziert. Sie bietet eine gute Grundlage für die berufliche und soziale Einbindung von Zugewanderten in unsere Gesellschaft.“

Fazit

Angela Aicher resümiert: „Gemeinschaftliche Modellprojekte wie diese müssen weitergeführt werden, eine Ausweitung auf zusätzliche Partner ist wünschenswert, denn professioneller Deutschunterricht mit der Möglichkeit zum Schulabschluss muss weiter verstärkt koordiniert mit allen relevanten Institutionen angeboten werden.

Er ist einheitlich für alle Zuwanderer, Flüchtlinge und Asylbewerber zu erweitern und in der Grundstruktur aus öffentlichen Mitteln zu finanzieren. Hier sind gemeinsames Vorgehen und gemeinsame Finanzierungsmodelle zu planen und umzusetzen. Die Max Aicher Stiftung wird dieses einzigartige Integrationsprojekt in der Region und darüber hinausweiter fördern.“

Pressemitteilung Max Aicher Stiftung

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