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Rodel-Legende Georg Hackl über seine erste Saison als Trainer in Österreich

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Von: Kilian Pfeiffer

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Schorsch Hackl bei der Arbeit als Schlittentechniker.
Schorsch Hackl bei der Arbeit als Schlittentechniker. © kp

„Der Königssee fehlt mir”, sagt Schorsch Hackl. Er meint die Kunsteisbahn zum Trainieren, nicht die Arbeit in Deutschland. Hackl wirkt zufrieden. Seine Premierensaison in Österreich als Trainer für Fahr- und Schlittentechnik hat der Ex-Rodler aus dem Berchtesgadener Land erfolgreich absolviert. 

Berchtesgaden/Schönau am Königssee – Die Bahn am Königssee war mal sein Wohnzimmer, sein Zuhause für Jahrzehnte: Die Kunsteisbahn ist sozusagen Schorsch Hackls Heimat gewesen. Hier hat er große Erfolge gefeiert – damals, als er noch aktiver Rodler war, später auch als Mentor, Trainer, Schlittentüftler.

Die Bahn am Königssee wird von Rodlern schmerzlich vermisst, nachdem diese im vorvergangenen Jahr bei einem Unwetter teilweise zerstört wurde: ein Multi-Millionenschaden. Sie soll in Teilen neu gebaut werden. „Natürlich würden wir dort auch gerne mit unserer Mannschaft trainieren wollen”, sagt der 56-jährige berufliche Wahl-Österreicher. 

Nach knapp 40 Jahren in Deutschland der Wechsel nach Österreich

Hackl war fast 40 Jahre im Rodelgeschäft tätig, immer auf deutscher Seite. Er hat drei Weltmeister-Titel abgeräumt, stand ebenso oft ganz oben auf dem Treppchen bei Olympischen Spielen. Knapp drei Dutzend Weltcup-Rennen gehen auf sein Konto. Als Schlittentrainer machte er Felix Loch groß und Natalie Geisenberger schnell. Er verkörperte den Rodelsport in Deutschland wie kein anderer. 

Umso überraschender kam im vergangenen Jahr die Nachricht, dass er ins andere Lager wechselt, zur österreichischen Konkurrenz. Dabei hatte er zwischenzeitlich sogar Überlegungen angestellt, ganz aufzuhören, sagt er. „Die Österreicher waren damals Konkurrenz und Freunde zugleich”, betont Hackl. Der Österreicher Markus Prock raste mit Hackl bereits um die Bestzeit im Eiskanal. Heute ist Prock Präsident des Österreichischen Rodelverbandes (ÖRV) und Chef des Bischofswiesers. Hackl sagt: „Die Rodler weltweit sind wie eine große Familie.” 

„Ich habe alles erreicht, was mir in Deutschland möglich war“

Georg Hackl, den jeder nur „Schorsch” nennt, war für eine neue Herausforderung bereit. „Ich habe alles erreicht und getan, was mir in Deutschland möglich war”, sagt er. Das Angebot aus Österreich sei ein gutes gewesen, daraus macht er keinen Hehl. Er hat jetzt mehr Freizeit als früher, das ist ihm wichtig. Neue Herausforderungen wollte er. Er hat sie bekommen. „Ich habe in meiner ersten Saison interessante Arbeitsweisen kennengelernt”, sagt er. Und auch die Schlittentechnik sei eine andere als in Deutschland – selbst die „Menschenführung” unterscheide sich. 

Hackl steht weiterhin „in gutem Kontakt” zu seinen ehemaligen deutschen Teamkollegen. Erst kürzlich habe er mit Alexander Resch telefoniert. Felix Loch bezeichnet er noch immer als seinen „Freund”. Bei manchen Sportlern sei eine gewisse Enttäuschung zu spüren gewesen, als er ging, sagt Hackl. Loch und er arbeiteten einst eng zusammen. Natürlich ist das Verhältnis nicht mehr so wie früher, als man gemeinsam am Rodelschlitten bastelte und im Team zu den Wettkämpfen fuhr. 

Facebook-Post sorgte zuletzt für Aufsehen

Als Felix Loch im vergangenen Februar auf seinem Facebook-Kanal seinem deutschen Trainer Patric Leitner großes Lob aussprach und schrieb: „Unseren Leiti geben wir für kein Geld der Welt her, liebe Österreicher”, wurde der Beitrag von manchem Medium als „Abrechnung mit Georg Hackl” bewertet.

Hackl attestiert Leitner, einer der besten Starttrainer weltweit zu sein. Die Österreicher hatten in der Vergangenheit Interesse an ihm bekundet – ohne Erfolg. „Man muss solche Posts wertfrei betrachten.” Hackl hat mit den sozialen Medien nicht viel am Hut. „Das ist nicht meine Welt”, sagt er. 

Seine Welt ist jetzt das österreichische Team. Auch wenn die Deutschen in der vergangenen Wintersaison insgesamt dominierten, blickt er auf eine „sehr erfolgreiche Saison” zurück: „Mit unseren Herren-Einsitzern waren wir sehr weit vorne”, freut sich Georg Hackl. Lehrreich seien die vergangenen Monate gewesen, er habe sich in dieser Zeit eine andere Sichtweise auf die Dinge zugelegt. Es gab Baustellen, an denen man ansetzen musste, sagt er, ohne ins Detail zu gehen. „Wir sehen aber bereits Verbesserungen.” Das macht den ehemaligen Dominator des Rodelsports durchaus stolz. 

Hackl auch abseits des Rodelsports erfolgreich

34 Jahre liegt sein erster Weltmeistertitel zurück, damals war er Anfang 20. Selbst nach seinem Karriereende als Profisportler verschwand Hackl nicht von der Bildfläche. Der Mittfünfziger wusste sich von Anfang gut zu vermarkten. Mit Stefan Raab raste er im Wok den Königssee hinunter, kreierte seine eigene Modelinie mit einem Münchner Herrenausstatter, war Werbegesicht großer Unternehmen. Mit seiner aktuellen Lebensgefährtin landete er auf Seite 1 der größten deutschen Boulevard-Zeitung. Für Hackl lief es.

Vorfreude auf den Urlaub nach arbeitsreicher Saison

Mit der Brechstange in „ein laufendes System” zu gehen, das sei nicht seine Art, sagt Hackl heute über seine Arbeit für das österreichische Team. Man kennt sich ja schon recht lange, „die Welt des Rodelsports ist sehr überschaubar”, sagt Hackl. Er habe von Anfang an Verbesserungspotenziale identifiziert, nur behutsam Hand angelegt. Manchmal überlegt Hackl ein paar Sekunden, ehe er die passende Formulierung wählt. 

Nachdem die Saison nun vorbei ist, freut er sich auf seinen Urlaub, etwas freie Zeit. Hin und wieder wird er ins benachbarte Österreich müssen. „Wir werden die Köpfe zusammenstecken und überlegen, welche Wege wir in der kommenden Saison mit unserer Mannschaft beschreiten”, sagt er. Hackl verfolgt einen Plan. „Das Ziel über allem sind immer die Olympischen Spiele”, sagt der ehemalige Rodler. Die nächsten Wintespiele finden 2026 in Italien statt, in Mailand und Cortina D’Ampezzo. Hackl wird dann 59 Jahre alt sein und spätestens danach einen weiteren Gang zurückschalten.

Zerstörte Kunsteisbahn am Königssee noch immer ein Thema für Hackl

Einen Gang zulegen, sagt er, sollte das Millionenprojekt am Königssee, seine ehemalige Hausbahn. „Der Königssee fehlt dem Kufensport, sie fehlt als Wettkampf-Schauplatz und als herausfordernde Trainingsbahn.” Die Schikanen, die Druckkurven, der Kreisel. Hackl wirkt jetzt wie ein aktiver Rodler. Er weiß: Die Bahn stellt an Sportler hohe Anforderungen, „das ist gut”.

Vor allem fehlt die Königssee-Bahn den Nachwuchssportlern aus Berchtesgaden. Sie müssen für das Kufentraining nun weite Strecken bis ins österreichische Innsbruck in Kauf nehmen. Noch ein paar Jahre wird der Wiederaufbau seiner Hausbahn dauern. Hackl hofft, dann noch dabei zu sein.

kp

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