Konkurrenz auf den Dächern

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Seit 1. Januar können Hausbesitzer selbst entscheiden, wer ihnen aufs Dach steigt.

Landkreis - Am 1. Januar ist das Kaminkehrer-Monopol gefallen. Ein Kaminkehrer aus der Region berichtet, wie sehr sich die Arbeit für den Berufsstand geändert hat.

Seit dem 1. Januar dürfen sich Hausbesitzer selbst aussuchen, wer ihnen aufs Dach steigt. Das Kaminkehrer-Monopol ist gefallen. Doch für Eigentümer bedeutet das auch mehr Verantwortung. Sie müssen sich selbst darum kümmern, dass notwendige Arbeiten erledigt werden. Ob die auf Druck der EU erfolgte Liberalisierung tatsächlich zu niedrigeren Preisen führt, ist noch offen. Für viele Hausbesitzer wird es wohl eher teurer werden.

Was sich seit dem 1. Januar für ihn geändert hat? Bei dieser Frage muss Georg Bachhuber nicht lange überlegen. "Der Verwaltungsaufwand ist gewaltig gestiegen", sagt der Kaminkehrermeister aus Stephanskirchen. Er ist einer von 33 Bezirkskaminkehrermeistern in Stadt und Landkreis Rosenheim - oder besser gesagt, bevollmächtigter Bezirksschornsteinfegermeister, wie es seit Beginn 2013 amtlich heißt. Denn das neue Jahr hat die bisher strikt geregelte Welt der Kaminkehrer auf den Kopf gestellt: Bislang gab es in jedem Kehrbezirk einen Kaminkehrermeister, der allein dazu berechtigt war, Arbeiten auszuführen und nach einer gesetzlich vorgegebenen Gebührenordnung abzurechnen.

Hausbesitzer können wählen

Die Bezirke bleiben und auch die amtlich bestellten Bezirkskaminkehrermeister. Doch schon seit 2009 werden frei werdende Bezirke nicht mehr lebenslang vergeben, sondern Kaminkehrermeister müssen sich um sie bewerben - und das alle sieben Jahren neu. Seit 1. Januar 2013 wird nun auch unterschieden zwischen den hoheitlichen Aufgaben eines Kaminkehrers und reinen Service-Tätigkeiten. Die hoheitlichen Aufgaben - wie das Ausstellen eines Feuerstättenbescheids, die Feuerstättenschau und die Abnahme neuer Heizanlagen, Öfen und Kamine - bleiben dem jeweiligen Bezirkskaminkehrermeister vorbehalten und werden nach wie vor laut Gebührenordnung abgerechnet. Für die Feuerstättenschau wurden sogar die Intervalle verkürzt: Statt bislang alle fünf Jahre schauen die Kaminkehrer nun alle dreieinhalb Jahre vorbei.

Andere Arbeiten wie das Kaminkehren oder die Abgasuntersuchung können Hausbesitzer nun an einen Schornsteinfeger ihrer Wahl vergeben. Natürlich kann man auch weiter bei "seinem" Kaminkehrer bleiben, mit dem man bislang zufrieden war. In jedem Fall muss man mit dem beauftragten Kaminkehrer einen Vertrag abschließen. Neu ist auch: Die Kosten für solche Arbeiten sind frei verhandelbar.

Die Bezirkskaminkehrer schreiben derzeit jeden ihrer Kunden an und verschicken den amtlichen Feuerstättenbescheid mit den vorgeschriebenen Arbeiten. Doch für Immobilienbesitzer hat sich noch mehr geändert: Sie stehen nun auch in der Verantwortung, dass die angemahnten Arbeiten fristgerecht erledigt werden und das entsprechende Formblatt beim zuständigen Bezirkskaminkehrermeister eingeht. Ansonsten drohen empfindliche Bußgelder.

Preise kalkulieren, Angebote abgeben

Für die Kaminkehrer bedeutet die Reform eine enorme Umstellung. Aufträge müssen eingeholt und vertraglich fixiert, Preise kalkuliert werden - alles Tätigkeiten, die früher nicht angefallen sind. Auch konnten Kaminkehrer ihre Arbeit bislang effektiv organisieren und etwa in einer Straße von Haus zu Haus gehen. Jetzt bitten sich Hausbesitzer Bedenkzeit aus, fordern Angebote an und wollen Preise vergleichen. Auch dadurch steigt der Arbeitsaufwand kräftig.

Ob in seinem Kehrbezirk schon "fremde" Kaminkehrer tätig sind, weiß Georg Bachhuber nicht. Er selbst hat schon Anfragen aus anderen Bereichen vorliegen. "Aber für mich sind schon aufgrund der langen Anfahrt Aufträge in Kiefersfelden oder Großkarolinenfeld uninteressant. Das kann ich nie so günstig anbieten wie der Kollege vor Ort." Für manche Hausbesitzer wird sich sein Service deutlich verteuern: "Ich betreue auch Wochenendhütten am Simssee, für die man immer Einzeltermine mit den Eigentümern vereinbaren muss. Die Sätze der Gebührenordnung waren da nie kostendeckend." Andere Häuser, die sich schnell und unkompliziert betreuen lassen, könnten seiner Einschätzung nach dagegen günstiger wegkommen.

Den großen Wettbewerb scheint die Liberalisierung nicht in Gang zu bringen. Das könnte sich ändern, wenn die Heizungsbaufirmen auf den Zug aufspringen. Sie können sich in speziellen Kursen für Kaminkehreraufgaben qualifizieren. Doch wer Messungen vornimmt, darf nicht gleichzeitig die Wartung einer Heizung vornehmen. Nur wenn dies erlaubt wäre, würden teure Doppelmessungen - erst durch die Wartungsfirma und anschließend durch den Kaminkehrer - unnötig.

Klaus Kuhn (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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