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Kritiker zweifeln Industriecharakter an

Biodünger statt Beton: Vorhaben führt zu Grundsatzdiskussion um Industriegebiet in Aschau am Inn

Das Betonwerk in der Liebigstraße ist schon lange nicht mehr in Betrieb. Jetzt wollen die neuen Eigentümer in der Bestandshalle Biodüngemittel produzieren.
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Das Betonwerk in der Liebigstraße ist schon lange nicht mehr in Betrieb. Jetzt wollen die neuen Eigentümer in der Bestandshalle Biodüngemittel produzieren.

Im ehemaligen Betonwerk in Aschau-Werk wollen die neuen Eigentümer künftig Biodünger produzieren. Eigentlich geht es also um eine Nutzungsänderung. Doch im Streit zwischen einigen Bürgern und der Gemeinde geht es um viel mehr, um die Zukunft des Industriegebiets..

Aschau am Inn – Das Betonwerk in der Liebigstraße in Aschau-Werk ist schon seit vielen Jahren nicht mehr in Betrieb. Jetzt wollen neue Eigentümer das 15.500 Quadratmeter große Areal entwickeln. Zu ihrem Konzept gehört eine Biodüngemittelproduktion, die in der bestehenden Halle realisiert werden soll. Eine Nutzungsänderung, die die Gemeinde gutheißt, die allerdings Anlieger aufschreckte.

Kritiker zweifeln Industriecharakter an

Johann Lehnert und Harald Weiß, die in Aschau-Werk wohnen, kündigten in der Bürgerfragerunde vor der Gemeinderatssitzung Widerstand an. Sie kritisierten die Kommune dafür, dass sie auf eine industriellen Nutzung des Geländes bestehe und damit Beeinträchtigungen von Anwohnern in Kauf nehme. Von massiven Lärmbelästigungen durch die Rüttler des ehemaligen Betonwerks berichtet Lehnert auf Anfrage. So etwas wolle er nicht noch einmal erleben.

Lehnert und Weiß äußerten deshalb Unverständnis darüber, dass der Gemeinderat in einer vorangegangenen Sitzung einen Antrag der Eigentümer um Robert Söll abgelehnt hatte, auf dem Gelände eine umfeldverträgliche Garagenanlage mit Lagerboxen und Nebenräumen zu errichten.

Bürgermeister verteidigt Beschluss

Bürgermeister Christian Weyrich (CSU) verteidigte den Beschluss. Das Grundstück sei Teil des im Flächennutzungsplan ausgewiesenen Industriegebiets in Aschau-Werk. Ein Garagen- und Lagerpark allein widerspreche diesem Gebietscharakter und sei deshalb abgelehnt worden. Als gewerbliche Nebennutzung sei der Garagenpark aber möglich.

In diesem Sinne hatte sich auch das Landratsamt geäußert. Die industrielle Nutzung zu 80 Prozent durch die Produktions- und Aufbereitungsanlage für Biodüngemittel und die gewerbliche Nutzung zu 20 Prozent mit dem Garagenpark ist nach Einschätzung der Behörde nicht schädlich für das ausgewiesene Industriegebiet. „Ein Kippen des Gebietscharakters durch die angedachten Nutzungen ist nicht zu befürchten“, so das Landratsamt in einem Schreiben an die Gemeinde.

Im Gemeinderat einstimmig gebilligt

In dieser Kombination hat der Gemeinderat das Vorhaben einstimmig gebilligt.

Was macht den Charakter eines Industriegebiets aus?

Der Charakter eines Industriegebiets ist aus Sicht der Beschwerdeführer schon jetzt nicht mehr gegeben. Ein Industriegebiet sei nicht nur deshalb Industriegebiet, weil es im Flächennutzungsplan so ausgewiesen ist, sondern auch wegen der faktischen Nutzung als solches. Und da meldet Weiß Zweifel. Schon jetzt gebe es Handwerksbetriebe, deren Inhaber dort wohnen.

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Das sei im Industriegebiet untersagt, so der Bürgermeister. Da seien aus Teeküchen Küchen geworden, und aus Besprechungsräumen Wohnzimmer. Die Tatsache, dass illegal jemand dort wohne, verändere den Gebietscharakter nicht. Dagegen seien bereits Maßnahmen eingeleitet.

Biodüngemittelproduktion ist für die Kritiker nicht mehr das Problem

In Sachen Biodüngemittelproduktion wurden die Vorbehalte der Anlieger nach einem Gespräch mit den Eigentümern auf dem Gelände weitgehend zerstreut. „Bei einer solchen Anlage denkt man sonst was“, sagt Lehnert, „aber das ist geruchlos. Wenn es so bleibt, dann brauchen wir keine Befürchtungen haben.“

Kritik äußern sie am Gemeinderat, der das Ganze durchgewunken habe, ohne kritische Fragen zu stellen. Dagegen erklärt Bürgermeister Weyrich, sein Gesprächsangebot sei von den Bürgern nicht wahrgenommen worden.

Laufendes Gerichtsverfahren

Differenzen zwischen Anwohnern und Gemeinde gibt es nicht nur im Hinblick auf das Industriegebiet im Werk Aschau, sondern auch auf jenen Teil des Werksgeländes, der als Gewerbegebiet mit Einschränkungen im Flächennutzungsplan deklariert ist.

Dort ist Wohnen erlaubt. Lehnert und Weiß fordern von der Gemeinde, einen Bebauungsplan über dieses Gebiet zu legen, was bisher nicht geschehen ist, wie auch der Bürgermeister einräumt. Die Gemeinde müsse endlich ihre bauordnungsrechtliche Kompetenz wahrnehmen, so Lehnert.

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Aus Sicht Weyrichs macht dies zum jetzigen Zeitpunkt keinen Sinn. Er verweist auf ein laufendes Gerichtsverfahren zwischen Anwohnern und einem Unternehmen bezüglich Immissionen.

Da gehe es um eine juristische Bewertung des Verhältnisses zwischen Wohnen und Gewerbe. „Das Ergebnis werden wir abwarten und darauf aufbauend in eine Bauleitplanung gehen.“

Und das läuft in der Produktions- und Aufbereitungsanlage für Biodüngemittel

Eine Produktions- und Aufbereitungsanlage soll in der Bestandshalle des ehemaligen Betonwerks in Aschau-Werk entstehen. Laut Bau- und Betriebsbeschreibung sollen auf rund 700 Quadratmetern Nutzfläche Wurmkompostierer installiert werden. Die Restfläche der Halle ist für Fahrtgassen, Aufbereitung und Verpackung vorgesehen.

Ein Bunker würde als Lager und Versandgebäude für den Biodünger dienen, sowie als Lager für die Pflanzenkohleprodukte, die nicht auf dem Areal hergestellt, sondern bezogen und umverpackt werden.

Auf einer überdachten Freifläche wird das Grundsubstrat wie Grünschnitt, Frischkompost oder Mist zwischengelagert, auf zwei je 500 Quadratmeter großen Zwischenlagern.

Pro Jahr 370 bis 400 Kubikmeter Wurmhumus

Etwa 370 bis 400 Kubikmeter Wurmhumus, beziehungsweise Biodünger, wollen die Eigentümer pro Jahr produzieren und in Größen zwischen 500 Gramm und 25 Kilo verpacken. Dafür werden rund 2500 Kubikmeter Grundsubstrat über das Jahr verteilt gebraucht. Die große Differenz der beiden Mengenangaben liegt daran, dass die Würmer ganze Arbeit leisten und das Volumen erheblich reduzieren.

Parkplätze für Kunden, Mitarbeiter und Lieferanten sind auf dem Gelände vorhanden. Im Anbau des Erdgeschosses werden Büroräume untergebracht. Zufahrten zur Halle sollen über die Ost- und Südseite entstehen.

Sobald das Vorhaben genehmigt ist, wollen die Besitzer um Robert Söll die ersten Kompostieranlagen einbauen. Bis die Zwischenlager fertig sind, wird nur das Substrat angeliefert, das nötig ist, um die Kompostieranlagen zu befüllen.

Am Bestandsgebäude werden Türen- und Fensteröffnungen verschlossen und einige Anbauten abgerissen.

hg

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