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Klinik trifft Entscheidung

Das Ende für „gebürtige“ Mühldorfer: Entbindungsstation des Innklinikums bleibt geschlossen

Eine glückliche Familie mit dem vor einem Monat spektakulär geborenen Ben Noah Enzinger auf dem Arm von Mama Isabell Enzinger und mit Papa Steve Heymann.
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Eine glückliche Familie mit dem vor einem Monat spektakulär geborenen Ben Noah Enzinger auf dem Arm von Mama Isabell Enzinger und mit Papa Steve Heymann.

Der ein Monat alte Ben Noah Enzinger ist derzeit wohl einzigartig: Er hat dem Schicksal, als Mühldorfer nicht im heimischen Krankenhaus das Licht der Welt erblicken zu können, ein Schnippchen geschlagen. Die Leitung des „InnKlinikums“ beeindruckt das wenig. Sie verkündet einen drastischen Einschnitt.

Mühldorf – Ben Noah Enzinger ist im Auto auf dem Weg zur Notaufnahme des „InnKlinikums“ zur Welt gekommen. Ganz spektakulär, mit den Füßen voran. Eine Lösung für das grundsätzliche Problem der fehlenden Mühldorfer Geburtsstation ist das natürlich nicht. Eine andere, das ist seit gestern klar, wird es vorerst aber nicht geben.

Plötzlich ging es ganz schnell

„Ich wollte eigentlich im Krankenhaus Vilsbiburg gebären“, erzählt Isabell Enzinger. Ihr Ben liegt gemütlich in eine Decke gewickelt im Arm. Dass sich ihr Söhnchen drei Wochen zu früh vor dem angesetzten Kaiserschnitt auf den Weg machte, kam für sie völlig ohne Ankündigung. Nur leichtes Bauchweh habe sie am Morgen verspürt, bis die Fruchtblase platzte.

Der Weg nach Vilsbiburg ist zu weit

Dann ging es rasant: Die Großeltern wurden verständigt, damit sich jemand um die vierjährige Lena kümmert. Mit Papa Steve Heymann ging es dann ab ins Auto. Es musste schnell gehen, da die 28-Jährige bereits auf dem Weg zum Auto Bens Füße erspüren konnte.

Aber in welches Krankenhaus? „Unser erster Gedanke war natürlich Mühldorf. Da es bei Isabell wieder etwas ruhiger aussah, hofften wir, Vilsbiburg rechtzeitig zu erreichen“, erzählt der 36-jährige Bürokaufmann.

Ein Bein war schon zu sehen

Für Vilsbiburg blieb keine Zeit mehr. Ein Beinchen von Ben war bereits zu sehen, während sich Isabell Enzinger auf dem Beifahrersitz in die Knie spreizte und sich mit den Händen irgendwo festhielt. „Man denkt nicht mehr, man macht einfach“, sagt Steve Heymann. „Ich rief in der Notaufnahme in Mühldorf an, wo man mich allerdings zunächst nach Altötting lotsen wollte.“

Isabell habe ihn beruhigt, während sie Ben sozusagen nebenbei geboren habe, fasst der Vater die skurrile Situation zusammen. Angekommen in der Notaufnahme, musste nur noch die Nabelschnur durchtrennt werden.

Entbindungsstation öffnet nicht mehr

Etwas unterkühlt wurde dem „Neumühldorfer“ kurz auf den Rücken geklopft; dann war er auch schon mit kräftiger Stimme zu hören. Eine Erleichterung für die Eltern, dass alles gut gelaufen ist – bei einer Steißgeburt mit vier Presswehen in rund einer Viertelstunde. „Wir haben wirklich viel Glück gehabt“, sagt Isabell Enzinger, die sich zwar an keine Schmerzen erinnern kann, jedoch in der Nacht drauf kein Auge zutun konnte. „Ich habe das Ganze immer wieder im Geist durchgespielt. Es hätte so viel schief gehen können.“ Isabelle Enzinger schüttelt den Kopf.

In der Klinik gut aufgenommen

Dass die Kreisstadt Mühldorf selbst keine Geburtsstation mehr hat, können sie und ihr Lebenspartner nicht nachvollziehen. Bei Lena habe sie sich im Krankenhaus Mühldorf noch sehr gut aufgehoben gefühlt, erinnert sich die junge Mutter.

Das wird aber auf nicht absehbare Zeit nicht mehr möglich sein. Denn die Klinikleitung hat entgegen allen früheren Versprechungen die Wiedereröffnung der Mühldorfer Entbindungsstation abgesagt und auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben.

Als Grund nennt das Unternehmen einmal mehr die Schwierigkeit, Ärzte und Hebammen zu finden. „Als Konsequenz dieser Entwicklungen müssen wir akzeptieren, dass wir die vollständige Reaktivierung der Geburtshilfe in Mühldorf bis zu einer Verbesserung der Situation am Arbeitsmarkt ruhen lassen müssen“, schreiben Vorstandsvorsitzender Thomas Ewald, Medizinischer Vorstand Dr. Wolfgang Richter und der Chef der Geburtshilfe, Dr. Peer Hantschmann, in einer schriftlichen Stellungnahme auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen.

Auch keine Kaiserschnitte mehr

Doch damit nicht genug: Mit der Stellungnahme streicht die Klinikleitung auch das Angebot, Kaiserschnitte in Mühldorf durchführen zu lassen.

Die rechtlichen und medizinischen Anforderungen für den Betrieb einer Geburtshilfe seien sehr stark gestiegen. Erschwerend komme hinzu, dass die personelle Unterstützung durch niedergelassene Frauenärzte nicht mehr im bisherigen Umfang möglich sei.

Landrat Heimerl akzeptiert Entscheidung

Mühldorfs Landrat Max Heimerl fügt sich in die Klinikentscheidung: „Leider müssen wir feststellen, dass es vor allem die personelle Situation und die zusätzlichen qualitativen Vorgaben aktuell unmöglich machen. Das müssen wir zur Kenntnis nehmen.“ Jetzt gehe es darum, auch in Mühldorf geburtsvorbereitende und gynäkologische Angebote für Frauen zur Verfügung zu stellen.

Ein echter Mühldorfer

Dem kleine Ben dürfte das egal sein. Er ist einer der wenigen ganz echten Mühldorfer. „Die Hebamme hat uns gesagt, dass die Nachgeburt mit der Plazenta ausschlaggebend war, um als Mühldorfer zu gelten“, erzählt Enzinger. Und die habe ihr im „InnKlinikum“ ein Chirurg herausgenommen. Ansonsten hätte als Geburtsort „Auto“ gegolten.

Das Babyist putzmunter

Allen Grund zum Grinsen also für Ben, der offenbar weder per Kaiserschnitt noch in Niederbayern zur Welt kommen wollte. „Mehr schocken kann er uns nicht mehr“, schmunzelt der Papa über sein „ganz besonderes Baby“, das putzmunter und kerngesund ist. Da fällt der Ärger über den Geburts-Autositz, der gleich am folgenden Tag in die Reinigung ging, überhaupt nicht ins Gewicht.

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