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Ein Jahrhundert nach dem Bau

Kuriose Diskussion um Namensgebung: Innkanal-Stauwehr „Jettenbach“ steht auf Aschauer Grund

Hier erweitert der Verbund das Kraftwerk Töging-Jettenbach. Das Stauwehr trägt seit seinem Bau vor einem Jahrhundert den Namen „Jettenbach“, liegt aber seit fast 45 Jahren auf Aschauer Gemeindegebiet. Das macht die Frage der richtigen Benennung ein bisschen kompliziert.
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Hier erweitert der Verbund das Kraftwerk Töging-Jettenbach. Das Stauwehr trägt seit seinem Bau vor einem Jahrhundert den Namen „Jettenbach“, liegt aber seit fast 45 Jahren auf Aschauer Gemeindegebiet. Das macht die Frage der richtigen Benennung ein bisschen kompliziert.

Das Innkanal-Stauwehr trägt seit seinem Bau vor einem Jahrhundert den Namen „Jettenbach“, liegt aber seit fast 45 Jahren auf Aschauer Gemeindegebiet. Das macht die Frage der richtigen Benennung ein bisschen kompliziert und hat jetzt einen kuriosen Disput ausgelöst.

Jettenbach/Aschau – Wem gehört eigentlich das Stauwehr? Diese Frage sorgt in der Landkreismitte, rechts und links des Inn, für eine kuriose Diskussion. In Aschau können einige nicht mehr verstehen, warum immer vom Jettenbacher Wehr die Rede ist, wo doch die ganze Anlage, die derzeit umgebaut und erweitert wird, auf Aschauer Gemeindegebiet liegt. Und in Jettenbach versteht man die Welt nicht mehr. Schließlich trägt das Wehr seinen Namen, seit es vor einem Jahrhundert gebaut wurde.

Ja, er sei zuletzt von mehreren Bürgern auf den Namen des Wehrs angesprochen worden, bestätigt Aschaus Bürgermeister Christian Weyrich (CSU). Er erinnert sich etwa an eine Feuerwehrübung, wo sich einer geärgert habe: „Warum, Zefix, heißt das noch nicht Stauwehr Aschau?“

Aschauer Bürgermeister: Ein Teil der Identität der Gemeinde

Weyrich versteht solche Fragen. Schließlich liege die gesamte Wehranlage, von einigen Betriebsgebäuden abgesehen, im Ortsteil Reit und damit auf Aschauer Gemeindegebiet. Wenn der laufende Umbau abgeschlossen werde, stehe das neue Betriebsgebäude auch auf Reiter Seite. Und: Das Wehr sei „ein Teil der Aschauer Identität“. Doch im Namen schlage sich das bisher gar nicht nieder. „Uns ärgert das“, so Weyrich, der bestätigt, dass die Gemeinde mit dem Verbund, der das Kraftwerk betreibt, deshalb Kontakt aufgenommen habe.

Jettenbacher Bürgermeisterin: Anlage heißt seit Urzeiten so

Maria Maier (JWG), seine Bürgermeisterkollegin auf der anderen Seite des Flusses, wundert sich über die Anfrage der OVB-Heimatzeitungen zur korrekten Bezeichnung des Wehrs. „So heißt es halt: Stauwehr Jettenbach“, sagt sie und lacht. „Seit Urzeiten ist das so.“ Jettenbach habe sich immer für das Stauwehr eingesetzt, so Maier. Im Übrigen: „Mit uns hat noch niemand ein Gespräch über Namensänderungen geführt. Ich erwarte schon, dass man da auf uns zukommt.“

Noch führen alle Wegweiser den Namen „Wehranlage Jettenbach“ im Schilde. Doch das soll sich ändern.

Kulturkreis-Vorsitzende: Diskussion nicht nachvollziehbar

Elvira Schreiner, die Vorsitzende des Heimat- und Kulturkreises Jettenbach, springt der Bürgermeisterin bei. In sämtlichen Dokumentationen, auf allen alten Ansichten und Postkarten sei vom Stauwehr Jettenbach die Rede. „Nicht nachvollziehbar“ findet es Schreiner, dass man „nach 100 Jahren plötzlich drauf kommt“, einen anderen Namen einführen zu wollen. Sie hat den neuen Aschauer Bürgermeister im Verdacht, diese Angelegenheit zu forcieren.

Verbund kündigt neue Bezeichnungen an

Der wiegelt ab. Er wolle keine große Affäre draus machen, sagt Weyrich. „Das ist ja kein Weltuntergang.“ Auch er wisse, dass die Namensgebung historische Gründe habe. Das sei aber kein Hindernis für Korrekturen. Hoffnung macht Weyrich ein Brief der Geschäftsführung der Verbund Innkraftwerk GmbH in Töging.

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Darin heißt es, das Unternehmen habe sich „im Rahmen der laufenden Arbeiten an der Erneuerung des Kraftwerk Töging und Wehr Jettenbach auch mit der Anlagenbezeichnung auseinander gesetzt“. Und die Firma kündigt neue Bezeichnungen an. Demnach soll das Wehrbauwerk nach Abschluss der Arbeiten „Wehr Jettenbach-Aschau“ heißen. Die Wasserkraftschnecke am linken Innufer, die derzeit im Bau ist, erhalte die Bezeichnung „Kraftwerk Reit“. „Das bestehende und verbleibende Triebwerk auf der rechten Uferseite wird auch weiterhin als Triebwerk Jettenbach geführt.“ Damit wolle das Unternehmen „dem guten Miteinander in der Nachbarschaft auch in der Kraftwerksbezeichnung Ausdruck verleihen“.

Wie das Jettenbacher Wehr zu seinem Namen kam

Als vor einem Jahrhundert das Kraftwerk Töging-Jettenbach und das Stauwehr Jettenbach gebaut wurden, stand eine Bezeichnung der Anlage nach der Gemeinde Aschau überhaupt nicht zur Debatte. Denn: Der Standort Reit, der damals aus einem einzigen Bauernhof bestand, habe zur Gemeinde Fraham gehört, so der Waldkraiburger Stadtarchivar Konrad Kern.

Als Namensgeber sei jedoch auch Fraham nicht in Frage gekommen. Ganz praktische Gründe sprachen dagegen. „Jettenbach war damals ein Ort mit größerer Bedeutung. Die Grafenfamilie war bekannt, auch die Brauerei. Und das Jettenbacher Schloss lag in Sichtweite des Wehrs.“ Fraham, das nur aus wenigen Häusern bestand, sei viel weiter entfernt, so Kern, der sich intensiv mit der Geschichte des Innkanals beschäftigt und vor zwei Jahren eine große Ausstellung dazu organisiert hat.

Der Archivar kennt kein Dokument, in dem der Name Fraham bemüht wird, um das Werk zu lokalisieren. „In der Regel hieß es Stauwehr Jettenbach. Auch in den Unterlagen der damaligen Innwerk AG. Wenn man es mit der Ortsangabe genau nehmen wollte, dann wurde noch der Name Reit dazu gesetzt.“

Zur Gemeinde Aschau gehört das Wehr erst seit 1976, als ein Teil der Gemeinde Fraham zu Aschau, ein anderer zu Waldkraiburg kam. Fraham sei im Gegensatz zu anderen Kleingemeinden damals nicht aus finanziellen Gründen aufgelöst worden, dank des guten Gewerbesteuerzahlers Innwerk AG.

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