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Nicht zuständig für die Forderung von AfD-Fraktion

Weg mit der Maskenpflicht an allen Schulen im Kreis Mühldorf? Landratsamt lehnt ab

In weiterführenden Schulen wie das Ruperti-Gymnasium (Bild) herrscht auf den Gängen und in den Klassenzimmern Maskenpflicht. Nur zur Pause oder beim Lüften darf die FFP2-Maske abgenommen werden. 
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In weiterführenden Schulen wie dem Ruperti-Gymnasium (Foto) herrscht auf den Gängen und in den Klassenzimmern Maskenpflicht. Nur zur Pause oder beim Lüften darf die FFP2-Maske abgenommen werden. 

Die Grundschüler dürfen die Maske ablegen, andere Schüler nicht. Und das bei seit einigen Tagen konstant einstelligen Corona-Inzidenzwerten. Das erhitzt die Gemüter der Eltern in Mühldorf. Im Kreistag soll es ein Antrag auf Ende der Maskenpflicht geben. Doch das Landratsamt sieht sich nicht zuständig.

Update 29. Juni, 12.50 Uhr

Kreistag kann gar keine Entscheidung treffen

Zum AfD-Antrag, der am 16. Juli im Kreistag behandelt werden soll, schreibt die Pressestelle des Landratsamtes Mühldorf, dass beim Thema Maskenpflicht an Schulen der Landkreis keine Entscheidung treffen könne, da dies nicht in seiner Zuständigkeit liegt. „Die Regelungen zum Schulbetrieb sind Ländersache und somit in der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung durch den Freistaat Bayern festgelegt.“

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Und auch den Grünen kann Landrat Max Heimerl keine Hoffnung geben. Die Delta-Variante sei leichter übertragbar, die meisten Schüler sind nicht geimpft, sie seien deshalb besonders schützenswert. „Wir müssen deshalb bereits jetzt und insbesondere zu Beginn des kommenden Schuljahres weiterhin mit Vorsicht und Bedacht vorgehen“, heißt es im Antwortschreiben an die Grünen-Fraktion.

Stärkere Ausbreitung der Delta-Variante erwartet

Heimerl beruft sich auf Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und RKI-Chef Professor Lothar Wieler, welche die Mobilität als Treiber der Pandemie ausgemacht hätten. Es sei zu befürchten, „dass sich die Delta-Variante durch Reisen in den Sommerferien schneller verbreitet“. Bereits Ende Juli werde sich der Delta-Anteil auf circa 70 Prozent belaufen, verweist Heimerl auf die Einschätzung des Bayerischen Innenministers Joachim Herrmann.

Um die Zusammenkünfte in Schulen sicher zu machen und ein Offenhalten der Schulen dauerhaft zu gewährleisten, seien von Wieler konkrete Empfehlungen ausgesprochen. So sollen auch weiterhin die Basisschutzmaßnahmen wie die Einhaltung der AHA-Regeln, Tests, das Lüften von Klassenräumen oder Co2-Messgeräte in den Schulalltag integriert werden.

Schüler werden wahrscheinlich noch länger mit Maskenpflicht leben müssen

Es bleibe nun abzuwarten, wie die Bayerische Staatsregierung und das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus diese Empfehlungen in den nächsten Wochen und insbesondere für das kommende Schuljahr umsetzen werden. Die Tendenz scheint jedoch nach Ansicht Heimerls auf der Hand zu liegen: Ein kompletter Verzicht auf Masken in Schulen ist eher unwahrscheinlich. Man müsse die Pandemieentwicklung bei der Delta-Variante nun sehr genau beobachten.

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„Von einem Appell meinerseits an die Bayerische Staatsregierung und an das Bayerische Kultusministerium, die Maskenpflicht aufzuheben, möchte ich deshalb derzeit Abstand nehmen!“

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Der ursprüngliche Artikel:

Mühldorf – In der Lehrerschaft wird dies kontrovers diskutiert, berichtet Sabine Kliem, Mühldorfs Kreisvorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands. Die Diskussion in der Lehrerschaft sei stark davon abhängig, inwieweit die Impfungen fortgeschritten seien. „Grundschullehrer waren in der Priorisierung für einen Impfstoff bessergestellt als zum Beispiel Mittelschullehrer. Sie haben zumindest alle ein Impfangebot erhalten, weil es hieß, dass sie in der Grundschule ja engeren Kontakt zu den Schülern hätten.“

Jetzt den Präsenzunterricht nicht gefährden

Bei den Mittelschullehrern hingegen sei das Impf-Angebot erst später gekommen, vielen fehle eine zweite Impfung. Und so sei es nachvollziehbar, wenn man aus Sorge vor einer möglichen Covid-Infektion zur Sicherheit aller an der Maskenpflicht festhalten wolle.

Auf der anderen Seite gebe es Lehrer, die lieber heute als morgen auf die Maske verzichten wollten. Es sei schwierig, es allen Recht zu machen, betont Kliem. Sie verstehe die Leute, die der Corona-Pandemie mit Respekt begegnen und vor allem einer Ausbreitung der Delta-Variante keinen Raum geben wollen. „Niemand ist erpicht darauf, in den letzten Schulwochen ein größeres Ausbruchsgeschehen an der Schule zu provozieren“, sagt Kliem. Man dürfe jetzt nicht leichtsinnig sein und den Präsenzunterricht gefährden.

„Jetzt heißt es, alles zu tun, um die Kinder zu schützen“

Dass sich Unmut regt, wenn die Maskenpflicht in der Grundschule fällt, in weiterführenden Schulen aber bestehenbleibt, könne sie verstehen. Noch dazu, wenn man Bilder von der Fußball-Europameisterschaft sehe, bei der tausende Zuschauer die Spiele ohne Maske im Stadion verfolgten. „Dafür fehlt mir das Verständnis.“

Kliem fordert umso mehr Solidarität und verantwortungsvolles Verhalten von den Erwachsenen. Und sie denkt dabei schon ans neue Schuljahr: „Die Kinder haben in der Pandemie alles getan, um die Erwachsenen, vor allem die Älteren zu schützen. Jetzt heißt es, alles zu tun, um die Kinder zu schützen und ihnen den Präsenzunterricht zu erhalten.“

Forderung: Schüler sollen am Platz die Maske ablegen dürfen

Es wäre verheerend für die Bildung, wenn der Herbst aufgrund hoher Inzidenzwerte wieder in Homeschooling münden würde. Cathrin Henke, Vorsitzende des Kreisverbandes des Kinderschutzbunds, kann das Festhalten an der Maskenpflicht nicht mehr nachvollziehen. „Man muss nur schauen, was alles im Zuge der Fußball-EM möglich ist, um zu erkennen, wie klein die Lobby für die Kinder ist.“

Es sei wichtig und richtig, dass Schüler nach wie vor in den Schulgängen und in öffentlichen Verkehrsmitteln Maske tragen. Doch niedrige Inzidenzwerte, verbunden mit einer konsequenten Testung in der Schule, sollten ausreichen, damit die Schüler zumindest an ihrem Platz die Maske ablegen dürfen. Gerade bei der Hitze.

Landrat Heimerl reagiert zurückhalten auf Lockerungen bei Maskenpflicht

Sie selbst habe Enkelkinder, die die fünfte und sechste Klasse besuchen. „Sie jammern nicht, haben bislang alles mitgetragen.“ Doch man müsse niedrige Infektionsraten jetzt nutzen, um den Kindern ein normales Leben in einem sozialen Umfeld zu ermöglichen. „Wir wissen schließlich nicht, was uns im Herbst erwartet“, sagt Henke.

Landrat Max Heimerl (CSU) bleibt zurückhaltend, was die Forderungen nach einer weiteren Lockerung der Maskenpflicht betrifft: Angesichts der aktuell niedrigen Infektionszahlen hält er die Lockerung in den Grundschulen für vertretbar. Allerdings gibt er zu bedenken, dass er in den vergangenen Wochen schon einen Infektionsfall an einer weiterführenden Schule gegeben habe. Man müsse die weitere Entwicklung der Zahlen genau beobachten. „Ich bitte auch zu bedenken, dass beim Wegfall der Maskenpflicht im Klassenzimmer bei Infektionsfällen die Wahrscheinlichkeit steigt, dass wieder alle Schüler einer Klasse oder Gruppe in Quarantäne geschickt werden müssen.“

Positive Coronatests in der Schule die absolute Ausnahme

Die Diskussion zur Maskenpflicht hat auch die Kreistagsgremien erreicht. Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen sind in der vergangenen Woche mit einer Anfrage an Landrat Max Heimerl herangetreten. In den Schulen werde mit großem zeitlichem Aufwand zweimal pro Woche getestet. Positive Testergebnisse seien die Ausnahme. Trotzdem bleibe die Maskenpflicht während des Unterrichts Pflicht. Das sei bei den aktuellen Temperaturen „eine Qual“. Schüler kämen mit Kopfschmerzen und Schwindel aus der Schule. „Früher gab es bei diesen Verhältnissen ab Mittag hitzefrei.“

Die Grünen-Führung im Landkreis orientiere sich am bayerischen Landtag, wo sich CSU, Grüne, FW und FDP für die Abschaffung der Maskenpflicht im Unterricht ausgesprochen hätten, so wie der bayerische Elternverband. Baden-Württemberg habe die Maskenpflicht im Unterricht aufgehoben, sobald die Sieben-Tage-Inzidenz stabil unter 35 gelegen und es zwei Wochen keinen Corona-Ausbruch an einer Schule gegeben habe. Heimerl, so die Forderung der Grünen, soll zugunsten einer Aufhebung der Maskenpflicht im Unterricht bei der Staatskanzlei und im Kultusministerium vorstellig werden.

AfD fordert den Kreistag in Sachen Masketragen zum Handeln auf

Eine Woche zuvor hatte bereits die AfD im Mühldorfer Kreistag einen Antrag eingereicht, die „Maskenpflicht in den Schulen, Kindergärten und Schulen des Landkreises, sowohl in den Gebäuden als auch auf dem Gelände der jeweiligen Einrichtung sofort auszusetzen“. Die Rate positiver Coronatests sei weiterhin fallend. „Politisches Handeln muss immer und überall dem Grundsatz der Nachvollziehbarkeit und der Verhältnismäßigkeit folgen. Schon deshalb ergibt sich die logische Schlussfolgerung, die Maskenpflicht für Schul- und Kindergartenkinder ab sofort aufzuheben“, argumentiert AfD-Kreisrat Dr. Klaus Lang in seinem Schreiben.

Dass die Schüler an den weiterführenden Schulen von einer positiven Entscheidung diesbezüglich noch etwas haben könnten, darf bezweifelt werden: Wenn der Kreistag sich gemäß Zuständigkeit überhaupt mit dem Antrag beschäftigt, dann erst zur nächsten Sitzung, die auf den 16. Juli terminiert ist. Die Sommerferien beginnen zwei Wochen später am 30. Juli.

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