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Vor dem Tod bewahrt

Mühldorf: Rehmutter von Auto überfahren - Kitz in letzter Sekunde von Kraiburgern gerettet

Die perfekten Ersatzeltern für Kitz Susi: Hans und Margit Gottbrecht aus Kraiburg.
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Die perfekten Ersatzeltern für Kitz Susi: Hans und Margit Gottbrecht aus Kraiburg.

Weil ein Autofahrer eine Rehmutter im Landkreis Mühldorf überfahren hat, stand auch das Leben eines Rehkitzes auf dem Spiel. Jäger und Gnadenhofbesitzer in Kraiburg retteten das verwaistete Tierbaby.

Kraiburg – Eine kalte Aprilnacht. Die Temperaturen liegen bei etwa null Grad. Die Kreisstraße zwischen Taufkirchen und Engelsberg ist fast leer. Eine Rehmutter hat kurz zuvor im hohen Gras zwei Rehkitze geboren. Ihre neugeborenen Jungen müssen nun ihre ersten Schritte gehen. Während die Rehmutter mit den Kleinen über die Straße geht, kommt ein Auto. Es erfasst die Mutter und tötet sie.

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Ein vorbeifahrender Autofahrer sieht das tote Reh am Fahrbahnrand liegen und verständigt den zuständigen Jäger. Peter Ehling (38) aus Kraiburg fährt an die Unfallstelle. „Wildunfälle passieren oft. Das hier gehört zu einem der traurigsten und grausamsten Dinge, die ich in meiner Laufbahn als Jäger je erleben musste“, sagt er. „Zuerst sah man das kleine Rehkitz gar nicht. Es lag neben seiner toten Mutter und war völlig geschwächt. Die Nabelschnur hing noch an ihm.“ Das andere Rehkitz habe etwas weiter tot im Weizenfeld gelegen. „Ich packte das noch lebende Rehkitz ein und fuhr direkt zu den Gottbrechts nach Taufkirchen.“

Spezialisten für Wildtiere

Ehling und seine Frau Marianne (45) sind beide Jäger. Sie haben selbst schon verwaiste Wildtierbabys großgezogen. Aber im Falle dieses Rehkitzes brauchten sie dringend spezielle Hilfe. Neugeborene Säugetiere seien auf die Erstmilch der Mutter angewiesen. „Bekommt es diese sogenannte Biestmilch nicht, stirbt es innerhalb kürzester Zeit. Wir wussten, dass wenn jemand das Rehkitz retten kann, dann sind das die Gottbrechts“, sagt Margit Ehling.

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Hans und Margit Gottbrecht sind die perfekte Anlaufstelle für solche Notfälle. Sie haben die Ersatzerstmilch für neugeborene Tierbabys immer vorrätig. Marianne und Peter Ebling geht die Geschichte sehr nahe. „Das Schlimme war, dass der Unfallverursacher nicht einmal anhielt und den Unfall auch nicht meldete. Er fuhr einfach weiter und ließ die Tiere zum Sterben zurück“, sagt Ehling. „Diese Rücksichtslosigkeit einem Lebewesen gegenüber macht einen fassungslos, wütend und traurig.“

Marianne und Peter Ehling.

Kaum so groß wie eine Fernbedienung

Das kleine Rehkitz ist inzwischen etwa zwei Wochen alt. Hans Gottbrecht erinnert sich an die frühen Morgenstunden Ende April, als Jäger Ehling vor seiner Tür stand: „Das Rehkitz war völlig unterkühlt und geschwächt. Als das Kitz zu uns kam, wog es gerade mal 600 Gramm und war so groß wie die Fernbedienung unseres Fernsehers“.

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Das Taufkirchner Ehepaar gab dem verwaisten Rehkitz den Namen Susi. Hans Gottbrecht und seine Ehefrau Margit konnten ihren kleinen Schützling retten. Susi entwickelt sich sehr gut. Inzwischen wiegt sie 2500 Gramm. „Das Rehkitz braucht sehr viel Ruhe und ist sehr geräuschempfindlich. Es schläft viel und ist natürlich sehr scheu und ängstlich“, sagt Ziehmama Margit.

Marder, Krähen, Hasen und Amseln

Die Gottbrechts sind erfahren, was die Tierrettung angeht. Seit 17 Jahren kümmern sie sich um verwaiste, verletzte, verlassene, alte und kranke Tiere. Aktuell ist ihre Wildtierkinderstube wieder kunterbunt. Rehkitz Susi, Marder, Krähen, Feldhasen und Amseln müssen rund um die Uhr versorgt werden. „Täglich kommen neue Tierwaisenbabys zu uns“, sagt Ziehpapa Hans. „Die Jungtierzeit hat im April begonnen und geht bis etwa Juli. Unser Ziel ist es die Tiere aufzupäppeln und wenn sie gesund, groß und stark sind lassen wir sie wieder zurück in die Freiheit, wenn es möglich ist.“

Rehkitz lebt im Wohnzimmer

Aktuell lebt Rehkitz Susi mit noch anderen verwaisten Tierbabys im Wohnzimmer der Gottbrechts. Sobald sie groß genug sind, dürfen sie ihre ersten Schritte auf dem Gnadenhof machen. Letztes Jahr hat das Taufkirchner Ehepaar erfolgreich drei Rehe ausgewildert, die sie von Hand großgezogen haben.

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