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Geschlossene Gastronomie und Exportprobleme

Rückläufiger Fleischkonsum und Supermarktketten setzen Nutztierhalter in Region Mühldorf unter Druck

In der Diskussion brachten Vorstandsvorsitzender Hubert Mayer (am Rednerpult) und Bezirksbäuerin Christine Singer (im pinken Dirndl) unterschiedliche Gesichtspunkte zum Thema Tierwohl in kleinbäuerlichen Strukturen.
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In der Diskussion brachten Vorstandsvorsitzender Hubert Mayer (am Rednerpult) und Bezirksbäuerin Christine Singer (im pinken Dirndl) unterschiedliche Gesichtspunkte zum Thema Tierwohl in kleinbäuerlichen Strukturen.

Verhältnismäßig glimpflich überstanden habe die Viehvermarktungsgenossenschaft Oberbayern-Schwaben eG (VVG) die Corona-Pandemie, wie der Vorstandsvorsitzende Huber Mayer berichtete.

Mettenheim – Ihre Geschäftsstelle bot Raum zum Abstandhalten, die Arbeit im Home Office und Kurzarbeit taten ein Übriges, auch wenn die Einschränkungen die Kontakte der Außendienstler sowie der Fahrer bei den Bauern und den Schlachthöfen erschwerten.

Die VVG gewann im vergangenen Jahr 82 Mitglieder hinzu und hatte so 14.923 Mitglieder, obwohl in den vergangenen Jahren je rund drei bis vier Prozent aller Betriebe aufgehört haben. Die Aussichten der Tierhalter, die ihre Tiere über die VVG vermarkten, seien aber nicht sonnig, sondern stark bewölkt. Dafür machte der Vorstandsvorsitzende „Megathemen“ wie Tierwohl, klimafreundlicher Konsum und rückläufigen Fleischverzehr verantwortlich.

Bauern setzen auf Regionalität

„Der Lebensmittel-Einzelhandel schreibt uns praktisch vor, wie wir unsere Tiere zu halten haben“, sagte Mayer. „Das ist ein weiterer Schlag für unsere kleinbäuerlichen Familienbetriebe.“ Wegen dieser Entwicklung müsse die VVG überlegen, wie sie sich neu positionieren und in neue Geschäftsfelder einsteigen könne, die den Landwirten eine höhere Wertschöpfung erlaubten.

Letzteres ist bislang nur bei einer Aktion gelungen, wie Geschäftsführer Sebastian Brandmaier berichtete. Diese lief Anfang des Jahres zur Zeit des großen „Schweinstaus“ und nannte sich „Bauern für Bauern“. Angeregt von Christine Singer, Bezirksbäuerin Oberbayern des Bayerischen Bauernverbands, wurden in zwei Schlachthöfen in Halsbach und in Garmisch letztlich 1300 Tiere zu Schweinehälften zerlegt und bei Bauern vermarktet.

„Diese Aktion ist in der Öffentlichkeit gut angekommen“, erklärte Brandmaier in seinem Geschäftsbericht. Regionalität zähle hier als wichtiger Faktor. „Vertrauen und Glaubwürdigkeit können Lidl und Netto nämlich nicht bieten.“ Die Aktion soll im Winter fortgeführt werden.

Rindfleischkonsum stagniert

Laut Brandmaiers Marktbericht zum Thema Rind habe er bei insgesamt rückläufigem Fleischkonsum „nur“ stagniert. Kritisch für diese Sparte waren Schließungen der Gastronomie sowie der eingebrochene Export nach Frankreich, Spanien, Italien und Griechenland. Und hierzulande sei der Lebensmittel-Einzelhandel so dominant wie nie.

Aldi habe verkündet, bald ausschließlich Fleisch aus den Haltungsformen 3 und 4 verkaufen zu wollen. Brandmaier habe den Eindruck, dass sich Lidl überlegt, was sie hier noch draufsetzen könnten. Brandmaiers düsteres Fazit: „In der Branche verdient nur derjenige Geld, der die Produkte am Schluss verkauft. Schlachthöfe und Landwirte verdienen zu wenig.“

Von einem heuer nicht ins Laufen kommenden Schweinemarkt berichtete Franz Mitterberger, Bereichsleiter Schweinevermarktung der VVG. Die Schweinehalter litten unter den ersten Fällen der Afrikanischen Schweinepest, die seit September vergangenen Jahres auch in Brandenburg und in Sachsen aufgetreten sind. Dadurch seien Exporte nach China und in andere asiatische Länder kurzfristig weggefallen. Es drückten hierzulande zusätzlich hohe Tiefkühl-Lagerbestände mit nahendem Ablaufdatum auf den Preis. Gleichzeitig gehe die Nachfrage nach Schweinefleisch wegen der fehlenden Gastronomie und den selten gewordenen Veranstaltungen zurück.

Mitglieder führen lebhafte Diskussion

Die düsteren Aussichten führten im Anschluss an die Marktberichte zu einer Diskussion. So sagte Wolfgang Scholz, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Milcherzeuger Bayerns (VMB), in Süddeutschland sei zwar die Bereitschaft groß, an Programmen wie der Initiative Tierwohl teilzunehmen, allerdings seien damit seines Erachtens keine weiteren Einnahmen verbunden. „Die Akteure, die am meisten von der kleinbäuerlichen Struktur reden, machen sie kaputt“, klagte er.

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Das wollte Bezirksbäuerin Christine Singer als frisch gewähltes Aufsichtsratsmitglied nicht einfach so stehen lassen. Sie sagte, für die Tierhalter sei es der einzig gangbare Weg, ihre Betriebe so zu organisieren, dass man sie dem Verbraucher zeigen und ihm so klarmachen könnte, dass alles in Ordnung sei. Außerdem appelliere sie an alle Landwirte, die mit der Gemeinschaftsverpflegung Kontakt hätten, auf regionale Produkte zu pochen.

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