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Für mehr Gerechtigkeit

Seit 30 Jahren für den fairen Handel: Eine-Welt-Laden in Waldkraiburg feiert Jubiläum

Der neue und der alte Leiter des Eine-Welt-Ladens arbeiten zurzeit noch Hand in Hand: René Keil (links) und Joachim Grytzyk in dem kleinen Laden in der evangelischen Bunkerkirche.
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Der neue und der alte Leiter des Eine-Welt-Ladens arbeiten zurzeit noch Hand in Hand: René Keil (links) und Joachim Grytzyk in dem kleinen Laden in der evangelischen Bunkerkirche.

Der Eine-Welt-Laden in Waldkraiburg wird 30 Jahre alt – doch es gibt immer noch viel zu tun, wie Fair Trade-Urgestein Joachim Grytzyk und der neue Betreiber des Ladens, René Keil, beim Besuch im Kleinen Laden in der Bunkerkirche erzählen.

Waldkraiburg – Joachim Grytzyk hatte vor fast 30 Jahren ein Erweckungserlebnis. Mit 17 war er aus der Kirche ausgetreten, dann, 1992, legte Gott ihm die Hand auf die Schulter. Er war 39 und begleitete immer nur seine Frau Elsbeth in die evangelische Kirche. Es war der Beginn eines langen Weges. Er fing an, in der Bibel zu lesen und reiste mit nach Tansania. Er begann, sich für mehr Gerechtigkeit, für die faire Behandlung aller Menschen dieser Welt einzusetzen.

Jugendliche machten den Anfang

„Denn wie können wir uns Christen nennen und dann akzeptieren, dass Kinder für unsere Schokolade schuften?“, sagt Joachim Grytzyk und sieht sich in dem kleinen Laden um, wo es nicht nur Süßigkeiten, sondern auch Kaffee, Tee, Wein, Gewürze, Kunsthandwerk, Geschenke und Spielzeug zu fairen Preisen zu kaufen gibt. Seit damals prägen er und seine Frau das Thema Fair Trade im Landkreis Mühldorf und haben viel Zeit in die Eine-Welt-Initiative investiert.

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Die Anfänge des Eine-Welt-Ladens in Waldkraiburg liegen in einer Jugendinitiative. „Eine Gruppe von Jugendlichen begann 1991 nach dem Gottesdienst, ein paar Produkte von der GEPA, dem größten europäischen Fair-Handelsunternehmen, weiter zu verkaufen – zu Anfang direkt aus Kisten heraus“, erzählt der Waldkraiburger.

Schnell wurde klar, dass das kein Dauerzustand sein konnte. So stellte man den Verkäufern als Lager einen alten Kleiderschrank im Gemeindehaus zur Verfügung. Seit dieser Zeit arbeitet auch das Ehepaar Grytzyk mit. Nächste Station war der Gemeindesaal, wo man einen Lagerschrank frei machte und auf Tischen verkaufte.

Der neue Leiter René Keil (links) präsentiert mit Joachim Grytzyk Produkte des Eine-Welt-Ladens, die ihnen besonders am Herzen liegen: faire Schokolade und Kaffee mit Waldkraiburg-Logo sowie die bunten Salvador-Kreuze aus Mittelamerika.

Alle arbeiten ehrenamtlich

Schließlich wurde vor etwa 25 Jahren ein größerer Umbau vorgenommen, in dessen Zuge der Laden einen eigenen Raum in der ehemaligen Bunkerkirche bekam, wo er bis heute zu finden ist.

„Was man beim Kauf im Eine-Welt-Laden sehen muss, ist, dass wir alle ehrenamtlich arbeiten“, erklärt Joachim Grytzyk. „Der gesamte Gewinn des Ladens kommt, in unserem Fall, den unterstützten Projekten in Tansania zugute. Das ist nicht der Fall, wenn ich Fair-Trade-Produkte im Supermarkt kaufe.“ Außerdem müsse man dort auf die Siegel achten, denn nicht alle garantierten den Herstellern der Produkte auch Mindestpreise.

Seit Januar unterstützt René Keil das Ehepaar Grytzyk, das bald kürzer treten will, bei der Arbeit im Laden. Er selbst ist in der Freikirchlichen Gemeinde und hat Erfahrung mit sozialen Projekten. Die Päckchenaktion zu Weihnachten für benachteiligte Kinder in Osteuropa ist vielen bekannt, ebenso sein Engagement als Vorstand im Kreisjugendring Mühldorf.

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Keil würde sich von den Akteuren in der Stadt ein wenig mehr wünschen: „Von der Stadt und dem Bürgermeister kommt leider wenig Resonanz. Dabei sind wir Fair Trade Stadt.“ Man sei aber nicht einmal angefragt worden, als es um die Umstellung auf fairen Kaffee im Rathaus ging.

Auch bei den Firmen könnte noch so einiges passieren. Für größere Abnehmer gibt es beim Fair Handelshaus Bayern Sonderkonditionen, die man gern vermittelt. Auch Weihnachtsgeschenke oder Geschenkkörbe für Geschäftspartner oder Belegschaft bestückt der Laden gern mit Fair Trade-Produkten.

Faire Geschenkkörbe als Firmengeschenk

Corona hat natürlich auch im Eine-Welt-Laden seine Spuren hinterlassen. Während man in stärkeren Jahren aufpassen musste, dass man keine steuerlichen Grenzen überschreitet, ist der Umsatz momentan bei einem Drittel des Vorjahresumsatzes. „Und der war schon schlecht“, konstatiert Joachim Grytzyk. Ein Lichtblick sind für ihn die Schulen und Kindertagesstätten in der Stadt.

„Die machen wirklich sehr viel, kaufen nur Fair Trade Schokolade, am Gymnasium gibt es einen Arbeitskreis und Projekte zu dem Thema. Das ist wirklich toll. Denn es liegt ja nur am Verbraucher, ob er Fair Trade honoriert.“ Zu hoffen bleibt es, denn ohne den Laden würde Waldkraiburg seine Zertifizierung als Fair Trade Stadt verlieren. Und für eine gerechtere Welt sorgt mehr fairer Konsum obendrein.

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