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Mann wollte schlichten

Teurer Faustschlag gegen den Hals – Beziehungsstreit in Neumarkt-St. Veit endet mit Gewalt

Ein Deutsch-Russe wollte einen Beziehungsstreit schlichten und kassierte dafür Schläge.
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Ein Deutsch-Russe wollte einen Beziehungsstreit schlichten und kassierte dafür Schläge.

Der Blick in das Vorstrafenregister des angeklagten Mühldorfers fördert „einen Ritt durch das Strafgesetzbuch“ zu Tage.

Neumarkt-St. Veit – Beleidigung, Körperverletzung und Hausfriedensbruch: Zu einer tätlichen Auseinandersetzung war es im Juni des vergangenen Jahres in Neumarkt-St. Veit gekommen.

Der Fall wurde jetzt vor dem Direktor des Mühldorfer Amtsgerichts, Richter Jürgen Branz, verhandelt.

Der Beschuldigte, ein Metallbauer (37) aus Mühldorf, war damals mit einem Freund in die Rottstadt gefahren, um die beste Freundin seiner Ex-Freundin Christine F. (Name von der Redaktion geändert) zur Rede zu stellen. Nach Angaben des Beschuldigten hatte diese Frau Christine F. empfohlen, sich von ihm zu trennen. Sie habe ihm daraufhin den Laufpass gegeben.

Junge Mutter verbarrikadierte sich

Gegen 22.30 Uhr sollen die beiden an der Wohnungstür der Frau geklingelt haben – so die Anklage. Als diese die Tür geöffnet und den Angeklagten erkannt habe, wollte sie die Tür wieder schließen. Der Metallbauer habe aber seinen Fuß in die Tür gestellt und die junge Mutter bedroht: „Wenn du die Christine nicht in Ruhe lässt, dann fackle ich dir die Wohnung ab!“

Die Frau verbarrikadierte sich und rief ihre Schwester telefonisch um Hilfe. Der Angeklagte und dessen Begleiter zogen ab, trafen aber vor dem Haus auf die herbeigerufene Schwester, begleitet von zwei Freunden und einer Freundin. Es soll sich ein Wortgefecht entwickelt haben, in dessen Verlauf der Beschuldigte einen der dazugekommenen Freunde mit „Du fette Sau“ und „Russenschwein“ beleidigt haben und ihn mit der Handkante an den Hals geschlagen haben soll. Die Schwester von F. rief daraufhin die Polizei, die beiden Männer verschwanden mit einem Taxi.

Staatsanwältin Salome Engelsberger klagte den Metallbauer wegen Hausfriedensbruch, Nötigung, Bedrohung und Körperverletzung an. Von Richter Branz zum Tathergang befragt, gab der von Rechtsanwalt Andreas Knoll vertretene Angeklagte zwar den Hausfriedensbruch zu. Von einer Drohung, von Schlägen und von einer Beleidigung wollte er aber nichts mehr wissen.

Das Opfer des Beschuldigten, ein Deutsch-Russe (35), schilderte, dass er sich mit Freunden um eine Beruhigung der Situation bemüht hätte. Daraufhin sei der Beschuldigte ausgeflippt. Er habe ihn beleidigt und geschlagen.

Dies bestätigten zwei weitere Zeugen, ein Busfahrer aus der Rottstadt (34) und die Schwester der angegriffenen Frau, eine 22-jährige Altenpflegerin. Vermittlungsversuche seien gescheitert, den Schlag des Metallbauers habe er aus nächster Nähe gesehen, so der Busfahrer.

Ganz anders die Darstellung eines Kumpels des Beschuldigten, eines 38-jährigen Mühldorfers. Er habe weder eine Drohung vernommen noch einen Schlag gegen den Russen gesehen. Lediglich an das Wortgefecht erinnere er sich. Dieses habe geendet, als er mit dem Freund im Taxi wegfuhr.

Die Geschädigte, eine alleinerziehende Mutter aus Neumarkt (26) trug nicht viel zur Erhellung des Sachverhalts bei: „Es kann sein, dass ich dem Angeklagten eine SMS geschrieben habe.“ Dass er kommen und seine Sachen abholen solle, gab sie zu Protokoll. Sie wiederholte die Drohung, dass der Metallbauer ihre Wohnung abfackeln wollte. Eine Körperverletzung habe sie nicht bemerkt.

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Der Blick in das Vorstrafenregister des Beschuldigten förderte „einen Ritt durch das Strafgesetzbuch“, wie es Jürgen Branz ausdrückte, zu Tage: 16 Vorstrafen waren aufgelistet, von Fahren ohne Fahrerlaubnis über Sachbeschädigung bis hin zu Körperverletzung und der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Der Angeklagte war mehrmals zu Haftstrafen verurteilt worden, der letzte Gefängnisaufenthalt lag erst zwei Monate vor der Tat in Neumarkt zurück.

Staatsanwältin Henke sah den Sachverhalt nur teilweise bestätigt. Nur die Körperverletzung sei nachweisbar. Sie forderte eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten ohne Bewährung, denn bisherige Bewährungsstrafen hätten keinen Erfolg gebracht.

Gefängnisstrafe kommt nicht infrage

Rechtsanwalt Andreas Knoll sah ebenfalls nur den Faustschlag gegen den Russen als beweisbar an. Er plädierte auf eine dreimonatige Freiheitsstrafe mit Bewährung.

Richter Branz entschied auf eine Geldstrafe, 120 Tagessätze zu 40 Euro würden den Angeklagten am ehesten beeindrucken. Eine Gefängnisstrafe kam für den Direktor des Amtsgerichts nicht in Frage: Der Beschuldigte verdiene gut und zahle Unterhalt für zwei Kinder, zwölf und 16 Jahre. Gehe er ins Gefängnis, fiele dieser Unterhalt weg.

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