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Anklage wegen Untreue

Fast 40.000 Euro weg: Kassierin des Waldkraiburger Feuerwehrmuseums trotzdem freigesprochen

Über 38000 Euro sind zwischen Januar 2016 und November 2017 aus der Kasse des Trägervereins des Feuerwehrmuseums Bayern in Waldkraiburg verschwunden. Wer das Geld an sich genmmen hat, ließ sich auch vor Gericht nicht eindeutig klären.
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Über 38.000 Euro sind zwischen Januar 2016 und November 2017 aus der Kasse des Trägervereins des Feuerwehrmuseums Bayern in Waldkraiburg verschwunden. Wer das Geld an sich genommen hat, ließ sich auch vor Gericht nicht eindeutig klären.

Fast 40.000 Euro sind aus der Kasse des Feuerwehrmuseums in Waldkraiburg verschwunden. Die Kassierin wurde wegen Untreue angeklagt – und freigesprochen. Dabei kam der Kassierin ihre eigene unübersichtliche Kassenführung zugute.

Waldkraiburg/Mühldorf – Mehr als 38.000 Euro sind zwischen Januar 2016 und November 2017 aus der Kasse des Trägervereins für das „Feuerwehrmuseum Bayern“ in Waldkraiburg verschwunden. Wer dafür verantwortlich ist, das war vor dem Amtsgericht Mühldorf nicht eindeutig zu klären. Zu viele Fragen blieben auch bei einem zweiten Verhandlungstermin offen.

Anklage lautete Untreue in 77 Fällen

Wegen Untreue stand eine 41-jährige Frau aus Waldkraiburg vor Amtsrichter Florian Greifenstein. Der Frau wurde vorgeworfen, mehr als 38.000 Euro aus der Vereinskasse entnommen zu haben. Der Prozess war im März ins Stocken geraten, weil Aussagen wichtiger Zeugen fehlten.

Staatsanwältin Theresa Finsterwalder aus Traunstein legte der Angeklagten Untreue in 77 Fällen zur Last, zwischen Januar 2016 und November 2017 waren 38.565 Euro aus der Vereinskasse verschwunden. Die Angeklagte war von November 2015 bis Juni 2018 als ehrenamtliche Kassiererin für den Verein tätig.

Angeklagte bestreitet alle Vorwürfe

Über ihren Rechtsanwalt Jörg Zürner ließ die Beschuldigte mitteilen, dass sie bestreite, je Geld aus der Kasse oder vom Vereinskonto an sich genommen zu haben. Es habe mindestens vier oder fünf weitere Personen gegeben, die ebenfalls Zugriff gehabt hätten.

Polizeibeamter: Chaos in der Kassenführung

Ein Polizeibeamter, der den Fall bearbeitet und mit den Rechnungsprüfern des Vereins den Wust von Belegen gesichtet hatte, konnte aber wenig zur Erhellung der Vorwürfe beitragen. Eines wurde mit seiner Aussage klar: In der Kassenführung des Vereins herrschte wenig Ordnung.

Wie „Kraut und Rüben“

Die Nachfolgerin der Beschuldigten als Kassiererin, eine Bürokauffrau (32) aus Waldkraiburg, berichtete im Zeugenstand, sie habe die Kassenordner der Jahre 2016 und 2017 überprüft, die Daten in eine Excel-Datei eingetippt und die beiden Ordner der Polizei übergeben. Von ihrer Vorgängerin habe sie „Kraut und Rüben“ bekommen, einen Ordner mit Klarsichtfolien, die ungeordnete Belege und Quittungen enthielten. Darunter Tankrechnungen, aus denen hervor ging, dass mit E 10 getankt worden war. Ein Feuerwehrauto wird aber meistens mit Diesel betrieben, selten mit Normalbenzin, nie mit E-10-Kraftstoff. Es habe viele selbst geschriebene Belege mit unvollständigen Angaben gegeben, auf manchen Belegen seien auch Zigaretten abgerechnet worden.

Eigenartige Tankabrechnungen

Der Fuhrparkleiter des Vereins, ein Steuerbeamter a. D. (65), war für das Betanken der Fahrzeuge verantwortlich, wenn diese etwa auf einem Feuerwehrfest präsentiert wurden. Er sagte aus, dass nur die Kassiererin eine EC-Karte für das Konto besessen habe. Er habe immer 500 Euro Vorschuss in bar erhalten, um die Autos aufzutanken. Der Zeuge konnte auf seinem Handy Tankrechnungen vorweisen, die während der Zeit eingereicht worden waren, als er selbst im Krankenstand war – ein weiterer Beweis dafür, welche chaotischen Verhältnisse in der Kassenführung geherrscht hatten.

Auch Staatsanwältin plädiert auf Freispruch

In ihrem Plädoyer musste die Staatsanwältin eingestehen, dass die Anklage nicht mehr nachvollziehbar sei. Die Unterlagen erwiesen sich als ungeordnet, Belege fehlten. Es hatten mindestens acht Personen Zugriff auf die Kasse. Auch bei den Tankbelegen konnte nicht exakt festgestellt werden, wer wo wann gefahren sei und getankt habe. So sei nicht mit der erforderlichen Sicherheit nachgewiesen, dass die Angeklagte Gelder an sich genommen hatte. Die Frau sei schlichtweg mit der Kassenführung überfordert gewesen. Die Staatsanwältin plädierte auf Freispruch.

Richter: Untreue oder Schlamperei

Das deckte sich mit der Forderung des Verteidigers. Die Anklage laute nicht auf eine Überprüfung der Fähigkeiten seiner Mandantin in Buchführung, sondern auf Untreue. Die sei nicht bewiesen.

Richter Florian Greifenstein sprach die Angeklagte frei. Zu unübersichtlich war die Beweislage. Der Verein sei in eine „finanzielle Schieflage“ geraten, so dass zum Beispiel keine Mieten mehr bezahlt werden konnten. Eine interne Klärung wurde gesucht, die unvollständigen Unterlagen gesichtet und der Polizei übergeben. Mit absoluter Sicherheit stehe nur fest, dass Geld fehlte. In welche Kanäle die großen Summen geflossen seien, sei nicht geklärt. Es könne sich auch um Schlamperei gehandelt haben – oder um beides: Untreue und Schlamperei.

Das sagt der Vorsitzende des Museumsvereins

Wie der Vorsitzende des Museumsvereins, ein 51-jähriger IT-Techniker, vor Gericht aussagte, sei die ganze unleidige Affäre ins Rollen gekommen, als Mitte Dezember 2017 der Vermieter das Fehlen der Miete für das Museumsgebäude beanstandet hatte. Die Beschuldigte habe ihm, so der Vereinsvorstand, nachdem er sie deswegen kontaktiert hatte, zwei Screenshots geschickt, die beweisen sollten, dass die Miete überwiesen worden sei.

Nach Weihnachten war dies allerdings immer noch nicht der Fall gewesen. Darauf hin seien sämtliche Buchungen des Jahres 2017 überprüft worden. „Es fehlten mehrere Zehntausende Euro.“ Der Vorstand habe beschlossen, der Frau, die auch für das Catering sorgte, zu kündigen und sie als ehrenamtliche Kassiererin aus dem Verein auszuschließen. Auf Nachfrage von Rechtsanwalt Zürner kam bei der Aussage des Vorstands heraus, dass wenigstens sieben weitere Personen Zugriff auf die Kasse gehabt hatten.

Nach Aussagen der Vorstandschaft hat der Verein die Kassenführung mittlerweile optimiert.

hra

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