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Beratung und Unterstützung für Migranten

Wenn Anträge zu Hindernissen werden: Waldkraiburger Migrationsberatung unterstützt Zuwanderer

Immer mehr Migranten nutzen das Beratungsangebot der Caritas, wie hier ein Vater, der mit seiner Tochter zu einem Termin mit Eva-Maria Wagenstetter gekommen ist.
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Immer mehr Migranten nutzen das Beratungsangebot der Caritas, wie hier ein Vater, der mit seiner Tochter zu einem Termin mit Eva-Maria Wagenstetter gekommen ist.

Einwanderung nach Deutschland ist und bleibt ein Thema – auch im Landkreis Mühldorf. Nach der Flüchtlingswelle von 2015 haben Zuwanderer weiter einen Bedarf an Beratung und Unterstützung. Zwei Anlaufstellen bieten in Waldkraiburg Hilfe an.

Waldkraiburg – Anträge für Elterngeld, Arbeitslosengeld oder Wohngeld – nicht für jeden sind die Formulare ohne Weiteres richtig auszufüllen. Wer dann aber kein oder nur sehr wenig Deutsch spricht, für den wird es richtig schwierig. Umso wichtiger ist es, dass man sich Hilfe holt. Migranten stehen der Jugendmigrationsdienst und die Migrationsberatung für Erwachsene der Caritas unterstützend zur Seite. Doch oft kennen sie das Angebot gar nicht.

Eine andere Kultur, ein anderes System und eine andere Sprache – der Start in Deutschland ist für viele Migranten schwierig. Anträge bei Behörden zu stellen, kann zu einem fast unüberwindbaren Hindernis werden. In solchen Fällen helfen die Migrationsberatung für Erwachsene (MBE) und der Jugendmigrationsdienst (JMD) der Caritas in Waldkraiburg und Mühldorf.

Die Zahl der Bedürftigen steigt

„Die Zahl der Hilfsbedürftigen steigt stetig“, sagt Eva-Maria Wagenstetter von der MBE, die Migranten bei Fragen zu Recht, Integration und Sozialleistungen berät. „Für die Migranten ist hier vieles anders als in ihrem Heimatland. Eine unserer Aufgaben ist es, dass wir sie in Arbeit bringen, ohne dass sie ausgenutzt werden.“

Für die beiden Beratungsstellen steht in beiden Städten jeweils eine halbe Stelle zur Verfügung. „40 Stunden für Waldkraiburg ist bei dem Bedarf wenig“, sagt Eva-Maria Wagenstetter. Die Nachfrage wird größer, die Probleme komplexer.

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Die Erfahrung zeigt, dass Migranten oft von Arbeitgebern und Vermietern ausgenutzt werden. Verträge würden nicht gültigem Recht entsprechen, für Wohnungen werden hohe Mieten verlangt. „Die Migranten sind aber oft sehr duldsam, freuen sich über die Arbeitsstelle oder die Wohnung. Sie wissen oft gar nicht, was eine hochwertige Arbeit ist, und in welchem Zustand eine Wohnung sein darf“, sagt Jens Jenne vom Jugendmigrationsdienst. Viel zu oft werde es ausgenutzt, dass Zuwanderer oft keine andere Wahl haben.

Betroffene kommen leider oft erst, wenn etwas schiefgegangen ist

Eva-Maria Wagenstetter, Migrationsberatung für Erwachsene

Auch wenn Migranten schon längst Fuß gefasst hätten, die Beratung der Migranten ist in vielen Fällen intensiver geworden. „Unsere Aufgabe geht weg von der einfachen Alltagsbegleitung. Das haben die Migranten schnell raus. Wenn es rechtlich schwierig wird und sie das Problem nicht mehr allein bewältigen können, kommen sie zu uns“, erklärt die Sozialarbeiterin.

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Doch oft haben sie zu diesem Zeitpunkt schon einen riesigen Berg Probleme angehäuft, den sie aber erst nach und nach offenbaren. „Sie haben eine große Scheu, und erst wenn sie Vertrauen zu uns entwickeln, kommen sie nach und nach mit allem raus“, erklärt Jenne. Eine drohende Obdachlosigkeit zum Beispiel ist oft nur die Spitze, denn Schulden und Arbeitslosigkeit hätten den Migranten erst in die Situation gebracht.

„Betroffene kommen leider oft erst, wenn etwas schiefgegangen ist“, sagt Wagenstetter. Oft fallen Migranten auf telefonische Verträge herein. „Kommt die Bestätigung per Post, verstehen sie es nicht, legen keinen Widerspruch ein und kommen erst zu uns, wenn es schiefgelaufen ist“, erzählt Jenne. Dann werde es mühsam, die oft unseriösen Anbieter ausfindig zu machen, um den Migranten aus dem Vertrag zu holen.

Ein Kampf gegen die Spaltung

„Unser Ziel ist es, dass die Zuwanderer ihre Angelegenheit alleine regeln können, wir aber bei Bedarf einen Blick auf Anträge, Verträge werfen, um genau solche Dinge zu vermeiden“, sagt Eva-Maria Wagenstetter.

Mit einfacher Sprache, Englisch, Bekannten als Übersetzer oder Sprach-Apps könne man sich gut verständigen. Die Erfahrung zeigt, dass der Großteil der Migranten hochmotiviert sei, Job und Wohnung zu finden und sich hier zu integrieren.

Doch gerade Anschläge wie jüngst in Würzburg lassen die Vorurteile gegenüber Migranten wachsen. „So etwas brennt sich bei der Bevölkerung ein und macht das Leben miteinander schwierig. Es ist ein Kampf gegen die Spaltung“, sagen beide.

Aktionstag der Migrationsberatung

Einwanderung nach Deutschland ist und bleibt ein Thema – auch im Landkreis Mühldorf. Auch nach der sogenannten Flüchtlingswelle von 2015 müssen sich Kommunen dauerhaft und strukturell auf Einwanderung einstellen. Die Beratungszahlen der Migrationsberatung für Erwachsene (MBE) und der Jugendmigrationsdienst (JMD) der Caritas befinden sich seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts bis heute auf hohem Niveau. Viele von den in den vergangenen Jahren Angekommenen haben weiterhin hohen Bedarf an Beratung. Vielen Flüchtlingen ist die Beratungsstelle der Caritas ein Begriff, aber vielen Arbeitsmigranten ist das Angebot unbekannt. Aus diesem Grund veranstaltet die MBE und der JMD einen Aktionstag, um über Leistungen zu informieren sowie die sozialpolitische Relevanz einer nachhaltigen Netzwerkbildung im kommunalen Raum aufzeigen. Am Mittwoch, 30. Juni,, von 14 bis 17 Uhr, können sich politische Akteure und Netzwerkpartner im Landkreis in der Beratungsstelle beim Treffpunkt Miteinand, Franz-Liszt-Straße 15, informieren und sich austauschen.

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