Familien arbeiten deutlich unter Mindeslohn

Schlechtestes Jahr für Traunsteiner Milchbauern seit 1996

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Komplex und facettenreich war der Vortrag einer Buchführungsauswertung der regionalen Milcherzeuger für das Wirtschaftsjahr 2015/2016. Landwirtschaftsberater Ludwig Huber gab vor rund 200 Milchbauern im Gasthaus Namberger in Hörpolding das Ergebnis bekannt.

Traunreut - Seit dem Ende der europaweiten Quote wird immer mehr Milch produziert und die Preise fallen. Die Bauern im Landkreis Traunstein haben nun Bilanz unter 2016 gezogen. 

Für die meisten regionalen Milcherzeuger war das vergangene Jahr das schlechteste Jahr seit 1996. Grund war der sehr geringe Milchauszahlungspreis, der etwa sieben Cent pro Kilogramm unter dem Vorjahresniveau lag. „Der arbeitstechnische und derzeit auch der wirtschaftliche Druck auf die Familien ist enorm“, betont Ludwig Huber vom Amt Ernährung Landwirtschaft und Forsten Traunstein (AELF) bei einer Versammlung in Hörpolding bei Traunreut.

Grund: Mehr Milch durch Ende der Quotenregelung

„Über ein schlechtes Jahr muss man sich nicht freuen. Aber die Familien können stolz sein, wenn sie eine schwierige Zeit einigermaßen meistern“, versuchte Huber die rund 200 anwesenden Milchbauern bei einer Veranstaltung des AELF und des Verbandes landwirtschaftlicher Fachbildung zu besänftigen. Der Landwirtschaftsberater hat im Auftrag des AELF für das Wirtschaftsjahr 2015/2016 eine Buchführungsauswertung der regionalen Milcherzeuger durchgeführt und die Besucher in Hörpolding über das Ergebnis informiert. 

Der niedrige Milchpreis von rund 31 Cent sei auf die deutlich gestiegene Milchproduktion nach Auslaufen der Milchquote zurückzuführen, die den Markt aus dem Gleichgewicht gebracht habe, sagte der Landwirtschaftsberater. 2015 lag der Durchschnittspreis für ein Kilo Milch noch bei 31,5 bis 32,2 Cent in Bayern. Im Vergleich zu Bayern sei in den nördlichen Bundesländern eine deutliche Produktionssteigerung festzustellen gewesen. In den Niederlanden sei die Produktion in einem Jahr um 10 Prozent gestiegen und Spitzenreiter in Europa seien die Iren mit 30 Prozent gewesen. 

Familienarbeitskräfte arbeiten unter Mindestlohn-Niveau

Die Buchführungsauswertung der regionalen Milchbauern hat ergeben, dass erstmals seit 20 Jahren der landwirtschaftliche Gewinn nicht ausreichte, um den Bedarf der Familien zu decken. Laut den Berechnungen entstand ein Eigenkapitalverlust. Die Entlohnung der Familienarbeitskräfte habe zwar deutlich unter dem Mindestlohn-Niveau gelegen, das Ergebnis sei aber wesentlich besser als auf Grund des Milchpreises zu erwarten war. 

Als Grund nannte Huber unter anderem den sparsamen Umgang mit Betriebsmitteln. Zum Vergleich stellte er heraus, dass die wesentlich größeren Milcherzeugerbetriebe in Nord- und Ostdeutschland aufgrund noch geringerer Milchpreise und weniger guter Wirtschaftsweise wesentlich schlechtere Ergebnisse erzielt hätten. Weiter teilte er mit, dass zwischen den wirtschaftlich erfolgreichen und weniger erfolgreichen Unternehmen wieder ein großes Gefälle festzustellen sei. 

Preise bei Molkerei BGL und für Ökomilch stabil

Für die Lieferanten der Molkerei Berchtesgadener Land und die ökologisch wirtschaftenden Familien habe sich im vergangenen Wirtschaftsjahr eine Sondersituation ergeben. Die Molkerei Berchtesgadener Land habe den höchsten konventionellen Milchpreis in Deutschland bezahlt und somit hätten die Lieferanten ein Ergebnis erzielt, das im Schnitt der Jahre liege. Nach dem sich der Markt für Ökomilchprodukte die Waage gehalten habe, hätten diese Milcherzeuger auf ein überdurchschnittliches Jahr zurückblicken können.

In seiner Beurteilung weist Huber darauf hin, dass für zukunftsfähige Haupterwerbsbetriebe etwa 20.000 Euro Eigenkapitalzuwachs im Jahr notwendig seien, um die erforderlichen Zukunftsinvestitionen aus eigener Kraft leisten zu können. Das aktuelle Jahr habe dieses Ziel bei weitem verfehlt, betonte er. „Der erzielte Eigenkapitalverlust von rund 1500 Euro muss ein einmaliger Ausrutscher bleiben, wenn die Branche in unserer Region weiterhin erfolgreich sein soll.“

Darum sind unsere Bauern trotzdem weiter konkurrenzfähig

Im nationalen Vergleich seien die Betriebe in der Region trotz geringerer Größe aber konkurrenzfähig. Zurückzuführen sei dies unter anderem auf die überdurchschnittlich gute fachliche Qualität der Bewirtschaftung und den sehr guten Futterbaustandort für Grünland. Durch die aktuell schlechten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen laufe man Gefahr, weniger auf die Arbeitswirtschaft zu achten, mahnte Huber. Die Arbeitsbelastung sei bei den Milcherzeugerfamilien ohnehin schon sehr hoch und es würden kaum bezahlte außerfamiliäre Arbeitskräfte eingesetzt. 

Darüber hinaus müssten erfolgreiche Familien neben der täglichen Arbeit auch an der Optimierung der Produktion feilen. Auch dazu brauche es weitere Energie. Vor allem Familien in Wachstumsbetrieben trägen ein besonderes Risiko sich zu überlasten. Abschließend wies er auch darauf hin, dass der regionale Futterbaustandort den Ökobauern Möglichkeiten einräume, mehr Kühe und mehr Flächeneinheiten halten zu können, als im Bayerndurschnitt die konventionellen Betriebe. 

„Leider nehmen die Vorgaben und Vorschriften auf diese natürlichen Standortunterschiede keine Rücksicht und bereiten unseren Landwirten zunehmend Probleme.“ Erfolgreiche Familien müssten aber mit den gesetzlichen Vorgaben und den Markterfordernissen zurechtkommen. „Das wird immer schwieriger.“

ga

Quelle: chiemgau24.de

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