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Fehlende Wohnungen und Baugrundstücke auf dem Land

Chiemsee-Kommunen tun was gegen den Wohnraum-Mangel - Zweitwohnungen als Streitthema

Begehrte Wohngegend, aber immer unerreichbarer scheint der Wunsch nach Wohnraum dort für junge Leute und Familien: Das westliche Chiemseeufer mit Gstadt und Breitbrunn, im Hintergrund das ebenso stark nachgefragte Rimsting.
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Begehrte Wohngegend, aber immer unerreichbarer scheint der Wunsch nach Wohnraum dort für junge Leute und Familien: Das westliche Chiemseeufer mit Gstadt und Breitbrunn, im Hintergrund das ebenso stark nachgefragte Rimsting.

Die Umstände sprechen oft gegen sie, aber das schreckt die Chiemsee-Gemeinden Bernau, Rimsting, Breitbrunn und Gstadt nicht ab bei der Frage, wo noch Wohnraum geschaffen werden kann.

Rimsting/Bernau/Gstadt/Breitbrunn – Wohnraum ist am Chiemsee ein heißes Eisen. Bernau, Rimsting, Breitbrunn und Gstadt, die kleine Gemeinde Chiemsee sowieso, haben das gleiche Problem: Die Nachfrage nach Wohnungen und Häusern übersteigt das Angebot. Potenzielle Mieter tun sich besonders schwer, etwas zu finden. Doch die Chiemsee-Kommunen arbeiten, alarmiert durch die Wohnraum-Nöte, an Lösungen.

Bernau: Jede Woche eine Anfrage

„Von Einheimischen erreicht mich wöchentlich eine Anfrage nach Baugrund. Leider steht er nur sehr begrenzt zur Verfügung und nach außen hin ausweisen ist durch die Gesetzeslage schwierig“, schildert Bernaus Rathauschefin Irene Biebl-Daiber die Situation. Im Moment seien deshalb viele Bebauungsplanänderungen im Gange: „Viele Häuser werden aufgestockt und erweitert. Solche Vorhaben finden in der Regel im Gemeinderat Gehör, da es ihm wichtig ist, dass Einheimische vor Ort bleiben können.“

Die Gemeinde lote aktuell ihre eigenen Grundstücke aus. Die Bürgermeisterin ist positiv gestimmt: „Ich bin mit einigen Wohnbaugesellschaften in Gesprächen. Wichtig ist dem Gemeinderat, dass keines der kommunalen Grundstücke verkauft werden muss, sondern, dass die Bebauung per Erbpacht ermöglicht wird.“

Zweitwohnungsbesitzer sind verärgert

Zweitwohnungen sind in vielen Chiemsee-Gemeinden zum Streitthema geworden. In Bernau sind rund 270 Personen mit Nebenwohnsitz gemeldet. Natürlich fehlten diese Wohnungen am Markt, so Biebl-Daiber. Man habe die Zweitwohnungssteuer auf 20 Prozent erhöht: „Im Moment gehen deshalb Beschwerden in der Verwaltung ein.“ Sie habe jedem Eigentümer schriftlich dargelegt, dass der knappe Wohnraum mit ein Grund für die Verteuerung sei: „Leider haben nicht alle Verständnis.“

Breitbrunn: Den Weg freimachen

20 Jahre ist es her, sagt Bürgermeister Anton Baumgartner, dass Breitbrunn ein Baugebiet vergeben hat. Erst jetzt sei es wieder soweit. Rund drei Hektar groß ist die Fläche, von der 60 Prozent an die Gemeinde geht. Sie will dort Doppelhaushälften im Bewerberverfahren vergeben. „Geplant ist auch, etwa zehn Wohnungen für Mieter zu bauen, dabei wollen wir das Kommunale Wohnbauförderprogramm anwenden“, erzählt Baumgartner.

Extreme Immobilienpreise

Noch wird es dauern – Bürokratie und gesetzliche Vorgaben machen schnelles Bauen unmöglich. „Mir geht es vordringlich um den örtlichen Bedarf“, sagt Baumgartner, „Junge Leute, die hier aufgewachsen sind, brauchen eine Chance, zu bleiben.“ Der hohe Anteil an Zweitwohnungen – 400 von insgesamt 1600 Erstwohnsitzen – und extreme Immobilienpreise verschärften die Lage. Auch, wenn erst jetzt der Weg für ein großes Baugebiet frei gemacht wurde, untätig war die Kommune bis dahin nicht: „In den vergangenen drei Jahren wurden zwei große Bebauungspläne im Bestand erneuert und in der Ortsmitte nachverdichtet“, so Baumgartner.

Rimsting: Ziel ist, den Innenraum zu verdichten

„Die Zeiten, in denen große Baugebiete ausgewiesen werden, sind vorbei“, fasst Rimstings Rathauschef Andreas Fenzl die Lage in seiner Gemeinde zusammen, „die Zukunft sehen wir in der Innenraumverdichtung.“

Mietwohnungen seien rar, „das meiste geht über persönliche Kontakte im Ort.“ Seit 2008 seien in Rimsting immerhin über 100 Wohnungen entstanden; bis 2023 schafft die Kommune selbst insgesamt 29 Mietwohnungen, 18 davon werden dann neu gebaut sein.

Und immer wieder erreichen den Gemeinderat auch private Bauanträge oder Anfragen für Mehrfamilienhäuser auf Bestandsflächen. Immer wieder werde im Rathaus auch nach Baugründen gefragt, sagt Fenzl, „aber aktuell haben wir keinen Einheimischengrund zu vergeben.“

Die Innenraumverdichtung sei damit alternativlos: „Die Behörden sind hier auch bemüht, Lösungen zu finden.“ Die Kommune selbst stehe ständig vor der Frage, wo auf der Fläche von 20 Quadratkilometern noch Weiterentwicklung stattfinden könne – und arbeitet mit Städtebauplanern zusammen.

Gstadt: Großraum München ist Realität

„Wir haben vor, zehn Wohneinheiten für Familien zu schaffen“, sagt Gstadts Bürgermeister Bernhard Hainz. Doppelhaushälften und Einfamilienhäuser sollen entstehen. Vielleicht auch eines mit mehreren Wohnungen.

Die dafür geeignete, gemeindeeigene Fläche soll ab 2024 bebaut werden können. „Sonst schaut es mit Flächen eher düster aus, es wird fast nie etwas ausgeschrieben.“

Private Baugründe nicht zu kriegen

Versuche, über private Grundbesitzer an eine Fläche zu kommen, seien bisher gescheitert. Auch hofft er, dass sich am Bestand der Zweitwohnungen etwas tut, damit die aktuell 1225 Hauptwohnsitze noch aufgestockt werden.

Er bemerkt wie sein Amtskollege Anton Baumgartner aus Breitbrunn, dass es immer mehr Familien und Jüngere an den Chiemsee zieht – früher waren es mehr Rentner. „Es ist schön, wenn junge Leute zu uns ziehen, aber man merkt daran auch, der Großraum München ist bei uns angekommen“, resümiert Hainz.

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