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Feldtag in Töfenreut/Wonneberg

Wildlebensraumberatung in gemeinsamer Mission
mit Landwirten

Die Wildlebensraumberatung des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunsteins, Regina Bernhart und Franz Gmaindl mit der Referentin Frau Dr. Sabine Heinz (von links) von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft.
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Die Wildlebensraumberatung des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunsteins, Regina Bernhart und Franz Gmaindl mit der Referentin Frau Dr. Sabine Heinz (von links) von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft.

Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein veranstaltete Feldtag in Töfenreut/Wonneberg. Es tut sich einiges in Sachen Artenvielfalt auf Bayerns Feldern und Fluren. Nicht erst seit dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ ist die Förderung der Biodiversität ein wichtiges Ziel bayerischer Agrarpolitik. Mit dem Volksbegehren wurde die Wildlebensraumberatung an den zuständigen Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) deutlich ausgeweitet und gestärkt.

Die Mitteilung im Wortlaut:

Traunstein - Seit Anfang 2021 stehen nun an jedem AELF Ansprechpartner für die Landwirtinnen und Landwirte zur Verfügung, die in ihren Betrieben Lebensräume für Arten in der offenen Kulturlandschaft verbessern und neu schaffen möchten. „Ich freue mich, dass wir mit Frau Regina Bernhart und Herrn Franz Gmaindl engagierte Berater haben, die alle interessierten Akteure in Sachen Biodiversität unterstützen“, so der Leiter des AELF Traunstein Alfons Leitenbacher. Die Wildlebensraumberatung hat das Ziel die Artenvielfalt auf den Acker- und Grünlandflächen zu erhalten und zu steigern. In erster Linie eignen sich Flächen, die ohnehin nicht effizient bewirtschaftbar sind, wie zum Beispiel stark hängige Flächen, nasse oder sehr trockene Standorte. Aber auch kleine oder unförmige Flächen (spitz zulaufend oder lang und schmal), Gewässerrandstreifen oder Waldränder können für diesen Zweck genutzt werden. Auf diesen Flächen sind unzählige Maßnahmen wie zum Beispiel das artenreiche Grünland, Blühflächen oder Zwischenfrüchte möglich. Mit Hecken oder Brachen kann man kleine Lebensräume schaffen und sogar Kleinstlebensräume wie Totholz und Steinhaufen sind von großem Nutzen.

Eine intakte Biodiversität ist ein wichtiger Pfeiler, auf dem sich die nachhaltige Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion stützen. Viele der Maßnahmen bieten zudem Synergien zum Gewässer-, Boden- und Klimaschutz, um den Herausforderungen auch hier zu begegnen. Das Artenreiche Grünland bietet Nektar, Pollen und Samen für Honigbienen, Wildbienen, Schmetterlinge, Käfer und Vögel aber auch Deckung und Rückzugsmöglichkeiten für Feldhasen und andere Wildtiere. Vor allem ein später 1. Schnitt und die damit verbundene extensive Nutzung wirken sich hier positiv aus. „Das große Problem der Insekten ist, dass im intensiven Grünland die Flächen oft gleichzeitig gemäht werden. Dadurch verlieren die Tiere auf einen Schlag ihren Lebensraum“, so Bernhart. Durch extensives Grünland aber auch durch Altgrasstreifen wird ein Ersatzlebensraum geschaffen, in den die Tiere nach der Mahd flüchten können. Hohes altes Gras bietet aber auch die Möglichkeit zur Eiablage vieler Insekten und einen Lebensraum im Winter.

Milcherzeuger, die alle Flächen zur Fütterung benötigen, können nach dem System der „Differenzierten Grünlandbewirtschaftung“ arbeiten. Als grobe Orientierung werden 5 bis 10 Prozent der Fläche extensiv bewirtschaftet. Die Düngung erfolgt durch eine stark reduzierte Gülle- oder Festmistgabe. Das Heu oder auch die Silage dieser Flächen eignet sich aufgrund der niedrigen Energiedichte und niedrigen Calcium- und Kalium-Gehalten optimal für die Fütterung der Trockensteher. Die differenzierte Grünlandbewirtschaftung entzerrt Arbeitsspitzen durch den späteren Schnitt. Außerdem bleibt mehr Gülle für das intensiv genutzte Grünland, weniger Mineraldüngerzukauf ist notwendig und sie bietet eine höhere Artenvielfalt auf den extensiven Flächen. „Um ein artenreiches Grünland mit zahlreichen Kräutern und Leguminosen zu erhalten ist es notwendig, die Anzahl der Schnitte auf zwei bis drei zu reduzieren und die Düngung stark einzuschränken oder komplett einzustellen. Ein kompletter Verzicht auf die Düngung ist allerdings nur möglich, wenn die Regeln der Düngeverordnung, vor allem die 170 kg Stickstoff pro Hektar, dennoch eingehalten werden können“, verdeutlichte Regina Bernhart, Wildlebensraumberaterin am AELF Traunstein.

Die erste Veranstaltung der Wildlebensraumberatung des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten fand am 10. Juni 2022 in Form eines Feldtages zum Thema „Artenreiches Grünland“ statt. Zahlreiche Landwirtinnen und Landwirte fanden sich auf einer Wiese in Töfenreut/Wonneberg ein, dessen Bewirtschafter Familie Frisch/Brandner an der diesjährigen Wiesenmeisterschaft in der Ökomodellregion Waginger See/Rupertiwinkel teilnimmt. Regina Bernhart erklärte zusammen mit Jürgen Sandner vom Landschaftspflegeverband, dass eine Förderung des artenreichen Grünlandes sowohl im Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) mit 4 Kennarten als auch im Vertragsnaturschutzprogamm (VNP) mit 6 Kennarten möglich ist. Die Kennarten, die für eine Förderung des artenreichen Grünlands gefordert sind, stellte Frau Dr. Sabine Heinz von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft vor.

Die Besucher der Veranstaltung konnten so alle Arten einzeln betrachten. „Auf einer langjährig intensiv bewirtschafteten Wiese ist es oftmals notwendig die Zahl der Kräuter und Leguminosen durch Mahdgutübertragung von einer anderen artenreichen Wiese oder durch gezielte Ansaat zu erhöhen“, so Heinz. Eine besondere Form der Samenernte bietet der Landschaftspflegeverband (LPV) Traunstein an. Jürgen Sandner, LPV, erläuterte, wie mit dem sogenannten „eBeetle“ heimisches Saatgut von artenreichen Wiesen gewonnen wird. Franz Gmaindl, Wildlebensraum- und Gewässerschutzberater, schilderte: „Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten startet zusammen mit den Maschinenringen Laufen und Traunstein die Aktion „Gestalte deinen Gewässerrandstreifen mit Artenvielfalt“. Der gesetzlich vorgeschriebene Randstreifen an Gewässern kann mit einer eigens entwickelten Saatgutmischung artenreich begrünt werden“ (wir berichteten) Zum Schluss der Veranstaltung wies Regina Bernhart darauf hin, dass viele einzelne Maßnahmen einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt leisten. Wenn allerdings einzelne Maßnahmen in der Landschaft gezielt miteinander vernetzt werden, wird die Wirkung der Einzelmaßnahme zusätzlich verstärkt.

Um diese Vernetzung herzustellen ist eine individuelle Beratung der Landwirtinnen und Landwirten notwendig. Regina Bernhart und Franz Gmaindl helfen bei der optimalen Auswahl der Maßnahmen. Die Beratung ist kostenlos und freiwillig. Ziel ist es, die Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter zu unterstützen und gleichzeitig die Vielfalt der Pflanzen und Tiere zu erhalten und zu fördern. „Wir in Bayern zeigen auf, dass sich Nahrungsmittelproduktion und Schutz der Biodiversität nicht ausschließen. Wir können auf unseren Flächen beides. Landwirtinnen und Landwirte leisten bereits wertvolle Beiträge für mehr Struktur- und Artenvielfalt. Wir müssen aber auch klar machen: Durch die Maßnahmen für die Artenvielfalt sinkt der Ertrag auf der Fläche – mit entsprechenden finanziellen Einbußen“, so Leitenbacher. Um den Landwirtinnen und Landwirten bei ihrem Engagement für mehr Artenvielfalt zur Seite zu stehen, unterstützt die Landwirtschaftsverwaltung deshalb über Agrarumweltmaßnahmen, wie dem Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) zahlreiche Leistungen der Betriebe für mehr Biodiversität in der offenen Kulturlandschaft in Bayern. Weitere Informationen zum Angebot der Wildlebensraumberatung gibt es auf der Homepage des AELF Traunstein und unter www.lfl.bayern.de/wildlebensraum.

Pressemitteilung AELF Traunstein

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