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Überfüllte Wanderparkplätze im Chiemgau

„Geht doch zu Fuß auf den Berg“: Münchner mit kurioser Forderung an Frau aus Kreis Rosenheim

Blechlawinen auf dem Weg zu den Ausflugszielen: Während des Lockdowns zieht es am Wochenende viele Menschen in die Natur.
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Blechlawinen auf dem Weg zu den Ausflugszielen: Während des Lockdowns zieht es am Wochenende viele Menschen in die Natur. Eine Frau aus dem Kreis Rosenheim fand einen Zettel mit folgender Aufschrift an ihrem Auto: „Wenn hier jetzt auch noch jeder einheimische parkt, ist hier bald bald kein Platz mehr für uns Tagestouristen. Bitte geht doch zu Fuß auf den Berg, das ist auch besser für die Umwelt. MfG aus München“

Wer in Zeiten des zweiten Lockdowns die Natur genießen will, sollte derzeit früh dran sein. Zahlreiche Autos tummeln sich auf den beliebten Wanderparkplätzen im gesamten Landkreis. Einem Münchner wurde die Suche nach einer Parkmöglichkeit zu viel. Sein Unmut traf eine einheimische Bergwanderin.

Landkreis Traunstein – Egal ob aus München, dem benachbarten Landkreis oder direkt aus der Region: Aufgrund der verschärften Corona-Regelungen wollen viele Sportbegeisterte raus in die Natur. Doch mit fortschreitendem Lockdown geraten die Freiluftliebhaber auf den überfüllten Parkplätzen zusehends aneinander, und es kommt zu teilweise kuriosen Forderungen. Landratsamt, Polizei, Tourismusverband und Bürgermeister kennen das Problem und versuchen den Ansturm unter Kontrolle zu halten.

Lockdown führt zu großen Andrang

„Der Druck steigt unaufhörlich“, berichtet Christina Pfaffinger, die Geschäftsführerin des Tourismusverband Chiemsee-Alpenland (CAT). Sie ist schon seit dem Sommer um eine Lösung für Einwohner und Touristen bemüht und wundert sich daher kaum über Zettel (liegt der Redaktion vor) wie den eines Münchners, der am Auto einer einheimischen Bergwanderin auf dem Wanderparkplatz zum Hochgern angebracht war.

Wenn hier jetzt auch noch jeder einheimische parkt, ist hier bald bald kein Platz mehr für uns Tagestouristen. Bitte geht doch zu Fuß auf den Berg, das ist auch besser für die Umwelt. MfG aus München

Zettel am Auto einer Einheimischen

Die Forderung, dass Einheimische doch bitte nur zu Fuß anreisen sollen, sorgte nicht nur für Kopfschütteln und Stirnrunzeln bei der Wanderin, sondern befeuert auch die angespannte Situation auf den Parkplätzen.

Ein ähnliches Problem gibt es seit dem Lockdown auch auf dem Parkplatz des Kaiserblick-Skilifts in Sachrang, was Simon Frank, dem Bürgermeister von Aschau, zunehmend Sorgen bereitet. Er musste mittlerweile diverse Verstöße wie blockierte Rettungswege oder zugeparkte Landwirtschaftsflächen beobachten, bei der die Leute teilweise sogar dort angebrachte Zaunpfähle herausgerissen haben. Auch Anton Wallner, Bürgermeister von Bad Feilnbach, musste sich, aufgrund des hohen Andrangs auf der eigentlich gesperrten Jenbachstraße, mit Wanderern auseinandersetzten, die unbedingt mit ihrem Wagen dort hinauf wollen.

Aus diesen und weiteren Gründen ist auch die Polizei bereits mehrfach an den hochbetriebsamen Plätzen im gesamten Landkreis im Einsatz gewesen. Laut dem Pressesprecher des Polizeipräsidium Oberbayern Süd, Martin Emig, verfolgt man derzeit genau die Verkehrssituation an beliebten Ausflugszielen und kümmert sich um die von Bürgermeister Frank beschriebenen Verstöße. Ansonsten bleibt man bei der Polizei noch gelassen und will erst einmal abwarten, zumal „noch nicht außergewöhnlich viele Einsätze wegen einer verkehrsbedingten Überlastung in den Gebieten zu verzeichnen sind.“

Skipiste wird zum Rodelparadies

Eine weiterhin steigende Belastung sieht allerdings der Oberaudorfer Bürgermeister Matthias Bernhardt an der beliebten Hocheck-Bahn. Zwar seien jetzt noch keine Touristen mit Einheimischen aneinandergeraten. Durch die unkontrollierte Menge an Leuten sei es aber bereits zu einem Unfall auf der aktuell gesperrten und zum Rodeln genutzten Skipiste gekommen. Trotz allem Verständnis für die Menschen in der derzeit schweren Lage ruft er dazu auf, „doch bitte sowohl auf sich, als auch auf Andere und die Natur Rücksicht zu nehmen.“

Um die Problematik auf den Parkplätzen zu lösen, denkt man beim Rosenheimer Landratsamt bereits über drastischere Maßnahmen nach. Laut dem Pressesprecher Michael Fischer wäre es grundsätzlich möglich, die Wanderparkplätze zu sperren. Durch das Ausweichen auf den Straßenrand würde das jedoch nach der Erfahrung aus dem Frühjahr eher zu einem Verkehrschaos führen. „Sollte allerdings im Landkreis Rosenheim der Inzidenzwert über 200 steigen, wird derzeit in Erwägung gezogen, touristische Ausflüge in den Landkreis zu untersagen. Ähnlich wie in Miesbach und Berchtesgaden wäre es dann nur noch für Einwohner im Umkreis von 15 Kilometern möglich, die Wanderparkplätze zu besuchen.

Situation bleibt ohne Regelung angespannt

Um das zu vermeiden versuchen alle Beteiligten, die derzeitige Lage etwas zu entspannen. Neben Kontrollen durch die Polizei und Aufrufen von den Bürgermeistern, gibt es beispielsweise einen Ausflugsziel-Ticker, der laut CAT-Geschäftsführerin Pfaffinger anzeigt, welche Parkplätze bereits voll sind und weniger besuchte Alternativen vorschlägt. Solange der Lockdown andauert, könne man ansonsten nur versuchen, das „zweischneidige Schwert zwischen Gastfreundschaft und Corona-Maßnahmen“ möglichst verständnisvoll zu lösen.

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