Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Jasminas Traum vom eigenen Lokal in Übersee platzte wegen Corona

„Das ‚Rotkäppchen‘ geht für immer in den Winterschlaf“ - doch die Jungwirtin bleibt optimistisch

Jasmina Bachmann beim Auszug aus ihrem Lokal „Rotkäppchen“ in Übersee
+
Jasmina Bachmann räumt ihr Lokal „Rotkäppchen“ in Übersee. Der 15. Februar 2021 war der letzte Tag, bevor sich das „Rotkäppchen“ wegen Corona in den Ruhestand verabschiedete - nach nicht einmal einem Jahr Betrieb.

Jasmina Bachmann hat sich mit dem „Rotkäppchen“ einen Lebenstraum erfüllt, der leider viel zu früh zerplatzt ist. Obwohl sie ihr Restaurant in der Pandemie nach nicht mal einem Jahr wieder aufgegeben hat bleibt sie optimistisch: Mit ihrer Geschichte möchte sie anderen Mut machen und zeigen, dass es sich auch in schweren Zeiten lohnt, Eigeninitiative zu ergreifen. 

Übersee – Im November 2019 hat sich Jasmina – trotz einer guten Festanstellung – selbstständig gemacht. Gastronomieerfahrungen im Service hat sie über einen Zeitraum von zwölf Jahren regelmäßig auch für das Finanzieren ihres Studiums gesammelt – mit dem „Rotkäppchen“ in Übersee schließlich einen lang ersehnten Traum vom eigenen Lokal verwirklicht

Start des Lokals in Übersee vielversprechend

Noch bevor es richtig angefangen hat, hatte ich große Angst. Man rechnet sich ja doch einiges aus und ein gewisses Risiko besteht immer in der Selbstständigkeit“, erinnert sich Jasmina. Doch sie erhielt viel Rückhalt von ihrer Familie und wagte schließlich den Schritt. Zunächst lief alles wie am Schnürchen, das Restaurant „Rotkäppchen“ war rasch als Nebengewerbe angemeldet, weil sie in ihrem alten Job weiterarbeitete und der Start in Übersee war vielversprechend.

Doch dann kam Corona – und zur vorgesehenen Eröffnung des Restaurants am 1. April 2020 befand sich Bayern schon im ersten Lockdown. „Das war richtig schlimm. Ich hatte zu dem Zeitpunkt bereits Angestellte und die Kosten schnellten in die Höhe, da Nebenkosten und Pacht weiterliefe und ich keinerlei Einnahmen zu Beginn hatte.“ Sie hielt sich dank Ersparnisse dennoch über Wasser. Mit einem “To Go“-Angebot aber konnte sich Jasmina nicht wirklich anfreunden, denn das „Rotkäppchen“ mit seiner Lage am See stand mehr für ein Ausflugslokal. „Eine Mitnahmekarte war für mich nicht rentabel.“

Im Sommer bekam das „Rotkäppchen“ Besuch von der Blaskapelle Übersee.

Unterstützung von Familie und Freunden

Als der Lockdown vorbei war, strömten die Gäste auch in Jasminas Restaurant und plötzlich ging alles ganz schnell. „Fast zu schnell und es kam alles auf einmal zusammen“, gibt die 31-Jährige zu. Unterstützung bekam sie von ihrer Familie und ihren Freundinnen. Teilweise stand Jasmina selber in der Küche, da ihr auf die Schnelle der Koch fehlte. Dazu der Mehraufwand wegen der Hygiene- und Abstandsmaßnahmen sowie die Aufnahme der Daten der Gäste.

Konkurrenz machte ihr zudem im Sommer auch noch ihr Verpächter, der einen Kiosk direkt neben dem „Rotkäppchen“ eröffnete. Im November erhöhte er dann auch noch in Jasminas Augen „ungerechtfertigt die Nebenkosten“, weswegen sie einen Anwalt einschaltete, dessen Kosten sich auf einen vierstelligen Betrag belaufen.

Stressbedingt bügelte sie dann im Sommer auch noch eine Lungenentzündung nieder und die junge Wirtin fiel mehrere Wochen aus. In der Zeit kümmert sich ihre Mama federführend um das Geschäft, die ganze Familie packte mit an. „Wir haben das trotzdem echt gut gemeistert“, bilanziert Jasmina rückblickend.

Kündigung des Pachtvertrags für das „Rotkäppchen“ im Dezember 2020

Wirtschaftlich gesehen war das Lokal für sie ein „hohes Risiko“ - auch wenn sie von diversen Behördenstellen wie den Krankenkassen oder dem Finanzamt Unterstützung erhielt. Zu Coronazeiten konnte Jasmina circa 30 Gäste im Innenbereich unterbringen, auf der großzügigen Terrasse bis zu 200 Gäste mit ausreichend Abstand. Vorgesehen waren auch größere Events wie Hochzeitsfeiern oder ein Christkindlmarkt – doch Corona setzte Jasminas Plänen rasch ein jähes Ende.

Im zweiten Lockdown probierte sie es dann doch mit einem „To Go“-Angebot, das von Stammkunden und Freunden angenommen wurde. Eine Umstellung auf einen Lieferservice aber kam wegen der zusätzlichen Kosten für Jasmina nicht mehr in Frage. Im Dezember 2020 hat sie sich schließlich entschlossen, den Pachtvertrag zu kündigen und ihr Lokal schweren Herzens aufzugeben. „Das ‚Rotkäppchen‘ geht jetzt für immer in den Winterschlaf.“

Jasmina bleibt optimistisch: „Man kann alles schaffen“

Trotz all der Steine, die Jasmina im Weg lagen und der endgültigen Aufgabe des Geschäfts im zweiten Lockdown – die gebürtige Traunsteinerin bereut es in keinster Weise, diesen Weg gegangen zu sein: „Es war eine Chance und ich wollte das probieren. Wer weiß, ob ich es nicht bereut hätte, wenn ich es nicht gewagt hätte. So hatte ich einfach Pech zur falschen Zeit zu investieren.“ Sie hofft inständig, dass es viele andere – gerade traditionsreiche oder seit Jahren familiengeführte Unternehmen - mit einem blauen Auge aus der Corona-Krise schaffen.

Und sie wünscht sich, dass viele, die womöglich gerade jetzt in Pandemiezeiten unsicher sind, dennoch einen Neuanfang starten: „Gerade junge Mädels haben Hemmungen, sich selbstständig zu machen, dabei wächst man doch mit seinen Aufgaben und wird durch Herausforderungen nur stärker. Man kann alles schaffen. Und auch wenn es schief gehen sollte, so wie bei mir – deshalb ist nicht alles verloren. Was man sät, das erntet man auch. Diese Erfahrungen nimmt mir keiner mehr. Die Leute stehen hinter mir – auch nach der Aufgabe des ‚Rotkäppchens‘. Den Kopf in den Sand stecken war noch nie hilfreich.

Erinnerungen an schöne Zeiten im „Rotkäppchen“ in Übersee.

Jasmina hatte Glück, in ihrem alten Job konnte sie gleich Vollzeit wieder einsteigen. Die Flinte vollends ins Korn werfen, das möchte sie nicht: „In der Gastronomie Fuß zu fassen ist immer noch ein Traum, der womöglich irgendwann noch in Erfüllung geht. Wenn sich das in ein paar Jahren alles neutralisiert hat, vielleicht starte ich ja einen neuen Versuch. Ich habe wirklich Lust, die Wirtshauskultur zu erhalten und mir macht das Spaß“, blickt die 31-Jährige abschließend hoffnungsvoll in die Zukunft.

mb

Kommentare