Seit 2. November rollt der Verkehr durch Altenmarkts neuen Tunnel

Exklusive Einblicke vor Probe-Eröffnung des Aubergtunnels

Aubergtunnel in Altenmarkt im Probebetrieb
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Der Aubergtunnel in Altenmarkt: Seit 2. November rollt der Verkehr im Probebetrieb.

Altenmarkt - Eigentlich war die Verkehrseröffnung im Januar 2021 angedacht. Weil die Arbeiten auf Altenmarkts Großbaustelle aber durch die Bank komplikationslos verliefen, startet die Verkehrsfreigabe auf Probe bereits am 2. November. chiemgau24.de hat kurz vor der Eröffnung noch einmal einen Blick ins Innere des Aubergtunnels geworfen.

„So eine toll funktionierende Baustelle wie diese hier hatte ich noch nie“, resümiert Peter Maltan, Baudirektor des Staatlichen Bauamts Traunstein, das beim Bau des Mega-Projekts als Bauherr auftritt. „Vom Start der Arbeiten im Frühjahr 2017 über die Zusammenarbeit mit den Mineuren im Tunnelbau bis zu den Testphasen unter virtuellen und realen Bedingungen lief alles reibungslos. Es gab keine Probleme oder Verzögerungen, beim Tunnelvortrieb und dem Straßenbau sowie bei den Sicherheitstest verlief alles positiv - wir sind dem ursprünglichen Zeitplan sogar um zwei Monate voraus.“


Video: Exklusive Tunnel-Durchfahrt vor der Probe-Verkehrsfreigabe am 2. November


Die erste Probephase begann am 14. Oktober. Insgesamt 6.000 Datenpunkte und Verknüpfungen wurden auf virtuellem Wege geprüft. Dieser Test sei laut Maltan „sehr gut verlaufen“, sodass jetzt mit der zweiten Probephase begonnen werden könne. Seit Montag, 2. November, 10 Uhr, ist der Tunnel für den Verkehr freigegeben - vorerst probeweise, denn es wird unter realen Bedingungen getestet. Die ersten Autos und Laster fuhren zu Beginn weiterhin die Umleitung. Es dauerte einen Moment am Montagvormittag, bis die ersten Fahrzeuge in die neue Umfahrung in Richtung Tunnel einschlugen.

„Wir prüfen jetzt bis 16. November unsere sicherheits- und betriebstechnischen Einrichtungen. Das bedeutet konkret, dass die Notruf- und Belüfungseinrichtungen, die Beleleuchtung, die Melde- und Verfassungswege auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft werden während der normale Verkehr fließt. Alle Datenpunkte müssen einwandfrei arbeiten“, erläutert der Baudirektor die weiteren Schritte.

Holzkragen zum Leiten der heimischen Fledermäuse

Auffällig am Aubergtunnel ist der Holzkragen, der dem Bauwerk einen modernen Touch verleiht. Tatsächlich dient dieser in erster Linie aber den Fledermäusen, die rund um den Tunnel beheimatet sind. Durch den Kragen werden sie am fließenden Verkehr vorbeigeleitet und können sicher über darüber hinweg fliegen ohne mit Fahrzeugen zu kollidieren.

Der Holzkragen am Aubergtunnel in Altenmarkt dient dem sicheren Leiten der heimischen Fledermäuse um den fließenden Verkehr. Direkt angrenzend rechts im Bild ist das Betriebsgebäude untergebracht.

Durch den Holzkragen entstand schließlich die Idee, auch das Betriebsgebäude direkt neben dem Tunnel zu integrieren. Darin ist neben der Video-Überwachungsanlage auch die Brandmeldeanlage, die Wasserversorgung für etwaige Brandfälle, das Notstromaggregat sowie die Beleuchtung untergebracht.

Bis zu 9.000 Fahrzeuge passieren täglich den Aubergtunnel in Altenmarkt

Die Feuerwehr gab nach den jüngsten Probebetrieben im Tunnel grünes Licht für die weiteren Schritte der Eröffnung. Die Feuerwehr Altenmarkt ist bei Einsätzen im Aubergtunnel federführend verantwortlich. Unterstützt wird sie durch die umliegenden Wehren aus Rabenden, Seeon, Trostberg und Stein. Jüngste Übungen und Unterweisungen - darunter ein Brandversuch mit Rauchentwicklung, um den baulichen Brandschutz im Aubergtunnel zu testen - seien erfolgreich verlaufen.

Die Wehren gaben grünes Licht für den Probe-Betrieb des Aubergtunnels in Altenmarkt, nachdem sie verschiedene Brandversuche im Tunnel durchgeführt haben.

Für Altenmarkt sei die vorgezogene Verkehrseröffnung „ein großer Schritt“ - auch in punkto Verkehrsentlastung, wie Maltan betont. Die Belastung für den Aubergtunnel wurde auf circa 8.700 bis 9.000 Fahrzeuge pro Tag prognostiziert. Diese Fahrzeuge müssten sich nun künftig nicht mehr um das enge „Schneeweis-Eck“, an dem es immer wieder zum Verkehrs-Chaos kommt, schlängeln. Für die Verbindung Trostberg-Wasserburg oder Traunstein-Wasserburg müsse der Verkehr ab sofort nicht mehr durch den Ort. Auch Rückstaus in die Gemeinde sollen damit der Vergangenheit angehören.

Ob der Tunnel wie bisher vorgesehen am 23. November offiziell eingeweiht werden kann, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt wegen Corona nicht gewiss, wie Maltan abschließend sagt. Man werde von der Entwicklung der Fallzahlen abhängig machen, ob wenigstens eine kleine Zeremonie möglich ist.

Am Vormittag des 2. Novembers fuhren bereits die ersten Autos durch den Aubergtunnel in Altenmarkt.

Aubergtunnel in Altenmarkt: 30 Millionen Euro für 440 Meter Tunnel

Der Aubergtunnel ist Teil des 1,5 Kilometer langen ersten Bauabschnitts der Ortsumfahrung Altenmarkt. Er ist 440 Meter lang, wobei jeweils 20 Meter an beiden Portalen in offener Bauweise erstellt wurden. Zusätzlich wurde ein 140 Meter langer Rettungsstollen gebaut. Von den Tunnelbauarbeiten hat sich chiemgau24.de im März 2019 ein Bild gemacht und eine „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ gewagt.

Die Kosten für die Baumaßnahme betragen 30 Millionen Euro - allein für den Tunnelbau samt Technik und Betriebsgebäude fallen etwa 18 Millionen Euro an. Aus dem Tunnel wurde etwa 60.000 Kubikmeter Material ausgebrochen. Das wurde überwiegend für die Ortsumfahrung von Obing verwendet.

mb

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