Fall Weber: Tat bleibt weiter im Dunkeln

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Am dritten Verhandlungstag brach der Angeklagte sein Schweigen.

Traunstein - Der Angeklagte hat am dritten Verhandlungstag sein Schweigen gebrochen. Doch zur Tat selbst sagte er nichts.

Der dritte Verhandlungstag beginnt genau so, wie der zweite geendet hatte: Der vorsitzende Richter Erich Fuchs versucht, dem Angeklagten ein Geständnis zu entlocken. Der mutmaßliche Täter hält aber weiterhin sein Schweigen aufrecht. Er will sich nicht äußern. Fuchs lässt aber nicht locker. "Ein Geständnis würde sich strafmildernd auswirken", so der vorsitzende Richter. Er stellte dem Angeklagten dabei in Aussicht, die Haftstrafe in einer Entzugsanstalt statt im Gefängnis zu verbüßen.

Anwalt Harald Baumgärtler im Charivari-Interview:

O-Ton

"Wir haben kein Interesse daran, die Umstände herauszufinden, die sie zum Mörder werden ließen und wir haben auch kein Interesse daran, sie ein Leben lang einzusperren." Das Gericht wolle nur dem Tod von Frau Weber gerecht werden. Und so gibt es schon nach einer halben Stunde in der Verhandlung die erste Beratungspause. Lange ziehen sich die Beteiligten zurück. Doch offensichtlich verfehlte die eindringliche Ansprache vom vorsitzenden Richter nicht ihre Wirkung beim Angeklagten. Rechtsanwalt Harald Baumgärtl verkündet nach der Pause, dass der 29-Jährige nun bereit sei, Angaben zu machen. Allerdings weise die Kerngeschichte erhebliche Erinnerungslücken auf, so Baumgärtl.

Anfänglich schildert der Anwalt die Geschehnisse des Wochenendes, an dem Dorena Weber ums Leben kam. "Am Freitag oder Samstag (15./16.10.2010) - dabei ist sich der Angeklagte nicht mehr sicher - waren sie zusammen im Villa-Park und haben dort erhebliche Mengen Bier und Whiskey getrunken. Frau Weber ist dann am späteren Abend nach Hause gegangen."

Nun bricht der 29-Jährige sein Schweigen. Er sei eine halbe Stunde nach Weber nach Hause gegangen. In der Wohnung habe er dann mit dem Opfer noch weiter getrunken. "Ich bin irgendwann eingeschlafen. Als ich am nächsten Morgen aufgewacht bin, wollte ich Dorena wecken. Doch sie hat nicht mehr geatmet." Er habe daraufhin Panik bekommen: "Weil wir vorher schon Stress hatten (Anmerk. d. Red.: Körperverletzung gegen Weber im Juni und September 2010), dachte ich, das würde dann auf mich zurückfallen." Er fing also kurz darauf schon an, das Opfer in den Schrank zu stecken und diesen mit Folie zu verpacken. Auf die Frage des vorsitzenden Richters, wie lange er anschließend noch in der Wohnung gelebt habe, meinte der Angeklagte: "Circa eine Woche." Der 29-Jährige könne sich auch an einen Streit mit dem Opfer nicht erinnern. Er schließe es aber aus, dass er etwas mit Webers Tod zu tun habe. Richter Fuchs fragt aber genauer nach: "Wieso bekommen sie denn dann Panik, wenn Frau Weber an einer natürlichen Todesursache verstorben ist?" Doch darauf weiß der Angeklagte keine Antwort. Es sei eben so gewesen, erklärt er.

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Angesprochen auf die Körperverletzung gegen Weber im Juni 2010 beginnt sich der 29-Jährige immer weiter zurückzuziehen. Er will darüber nicht sprechen, aus mangelnder Erinnerung, wie er immer wieder betont. Doch seine Körpersprache zeigt deutlich, wie unangenehm ihm dieses Thema ist. Nervös versucht er, sich um die Fragen zu winden - sein Kopf errötet und seine Gesten sind ausweichend. Auch auf die Frage, wie genau er die Leiche in den Schrank gesteckt habe, bleibt er einsilbig. "Füße voraus. Danach Oberkörper und Kopf", so der Angeklagte. Weiter will er auch darauf nicht mehr eingehen.

Der Sachverständige Dr. Bela S. versucht anschließend, ein Bild des psychischen Zustandes des Angeklagten zu zeichnen. Es gäbe keine Anzeichen, dass der 29-Jährige zum Tatzeitpunkt eine Psychose gehabt habe. Darauf würden die Zeugenaussagen hindeuten. "Auffällig ist aber die ausgestanzte Erinnerungslücke zum Tatzeitpunkt", so der Sachverständige. Aber es entspräche dem Charakter des Angeklagten. "Er hat die Angewohnheit, bei schwierigen Sachverhalten den Kopf in den Sand zu stecken." Durch Drogen sei diese Erinnerungslücke nicht zu erklären. Darüber hinaus sei er zwar nicht hochaggressiv, aber durchaus in der Lage, aggressiv zu reagieren - gerade unter Einfluss von Alkohol.

Nach der Beweisaufnahme folgt das Schlussplädoyer von Staatsanwalt Andreas Miller. Es stehe fest, dass es keine natürliche Todesursache gewesen sei, so Miller. “Fest steht auch, dass die Halsverletzungen von Dorena nicht von dem Verpacken der Leiche herrühren. Und fest steht, dass der Angeklagte der Verpacker war.” Der Staatsanwalt spricht weiter von einer “Beziehungstat im klassischen Sinn”. Er habe keine Zweifel daran, dass der Angeklagte die Verantwortung dafür trage, dass Weber ums Leben kam. Daher plädiert der Staatsanwalt dafür, den Angeklagten wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu verurteilen. Er beantragt eine Haftstrafe von acht Jahren mit Unterbringung und einem Vorweg-Vollzug von zwei Jahren.

Rechtsanwalt Baumgärtl geht hingegen – aufgrund des Drogen- und Alkoholkonsums des Angeklagten zur Tatzeit – von einer verminderten Schuldfähigkeit aus. Er stellte zwei Anträge: Falls man zu dem Schluss komme, dass der Angeklagte nichts mit dem Tod von Dorena Weber zu tun habe, dann sei er freizusprechen. “Wenn man aber zu dem Schluss kommt, dass er etwas mit dem Tod zu tun hat, dann halte ich eine Haftstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten für angemessen”, so Baumgärtl. Dabei würde der Vorweg-Vollzug wegfallen.

ps/df/red

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Quelle: chiemgau24.de

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