Staatsanwaltschaft fordert acht Jahre

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Der Angeklagte. 

Traunstein - Nachdem der Angeklagte im Prozess um den Tod von Dorena Weber drei Tage lang schwieg, schockierte er heute mit seinen Aussagen. Die Schlussplädoyers:   

Es ist ein grausiges Detail, das da am Dienstag ans Licht kommt.

Nachdem der vorsitzende Richter Erich Fuchs dem Angeklagten nochmal nahe gelegt hat, sein Schweigen zu brechen - schließlich könnte ein Geständnis sich strafmildernd auswirken und er hätte die Chance, seine Haftstrafe in einer Entzugsanstalt zu verbüßen - äußerte sich der 29-Jährige nun erstmals.

Dorena und er seien am Freitag oder Samstag (15./16. Oktober 2010) im Villapark gewesen und hätten Bier und Whiskey getrunken. Am späteren Abend sei Dorena dann nach Hause gegangen, der Angeklagte rund eine halbe Stunde später nachgekommen. Als er in der Wohnung angekommen sei, sei der Fernseher gelaufen und Dorena hätte auf dem Bett gesessen. Beide hätten noch weitergetrunken, irgendwann sei er dann eingeschlafen.

Am nächsten Morgen habe er Dorena wecken wollen - aber sie hätte nicht mehr geatmet. "Ich habe Panik bekommen", so der Angeklagte. Er habe gedacht, dass man ihm Dorenas Tod anlaste, schließlich habe es ja schon genügend Gewalt-Zwischenfälle gegeben. "Ich kann mich an keinen Streit mit Dorena erinnern." Er schließe aus, dass er etwas mit ihrem Tod zu tun habe.

Die Antwort des Angeklagten auf die Frage des Richters, wie lange er danach noch in der Wohnung gelebt habe: "Rund eine Woche."

Aussage des Sachverständigen Dr. Bela S.

In seinem psychologischen Gutachten gab der Sachverständige Bela S. an, dass man keine Anzeichen für eine Psychose beim Angeklagten zum Tatzeitpunkt habe finden können. Das haben auch die Zeugenaussagen unterstrichen. Auffällig sei nur die Erinnerungslücke, die aber zum Charakter des 29-Jährigen passe: Bei Schwierigkeiten "stecke er den Kopf in den Sand". Durch Drogen- oder Alkoholkonsum sei die Erinnerungslücke nicht hervorgerufen worden.

Der Angeklagte sei nicht hoch aggressiv, aber durchaus in der Lage, aggressiv zu reagieren - vor allem unter Alkoholeinfluss.

Staatsanswaltschaft fordert acht Jahre Freiheitsentzug

Zum Abschluss des heutigen Prozesstages forderte Staatsanwaltschaft Andreas Miller eine Freiheitsstrafe von insgesamt acht Jahren. Die sollen aufgeteilt sein in zwei Jahren in Vorwegvollzug und weitere sechs Jahre in einer psychiatrischen Unterbringung. Die Staatsanwaltschaft änderte zudem die Anklage in Körperverletzung mit Todesfolge und geht nicht mehr von Totschlag aus.

Der Strafverteidiger, Alexej Baumgärtner, hielt ein differenziertes Schlussplädoyer. Sofern man davon überzeugt sei, so Baumgärtner, dass der Angeklagte nichts mit dem Todesfall zu tun habe, sei er freizusprechen. Gehe man jedoch von seiner Schuld am Tod von Dorena Weber aus, sei er zu fünf Jahren und sechs Monaten in einer Unterbringung (ohne vorherigen Vollzug in einer JVA) zu verurteilen.

Der Angeklagte verzichtete auf Schlussworte, nachdem er zuvor im Prozess sein Schweigen brach.

Das Urteil soll am Donnerstag um 10 Uhr fallen.

So liefen die zwei bisherigen Prozesstage:

Am zweiten Prozesstag sagte bereits die Mutter des Angeklagten aus. Die 48-Jährige sprach vor Gericht darüber, dass der Kontakt zu ihrem Sohn von Problemen geprägt war. Die Beziehung zwischen Dorena Weber und ihrem Kind habe sie als ein ständiges Auf und Ab erlebt. “Für mich war Dorena aber eine ganz Liebe.” Im September 2010 sei ihr Sohn dann plötzlich wieder in seiner Heimatstadt in Thüringen, in der die Mutter auch lebt, aufgetaucht. “Er hat zu mir damals gesagt, dass er nicht mehr zurück nach Traunstein will und sich hier ein neues Leben aufbauen will. Allerdings war ich davon nicht begeistert, weil ich schon befürchtet habe, dass ich wieder für ihn aufkommen muss.” Als er dann länger in seiner Heimat blieb, versuchte die Mutter Dorena Weber anzurufen. Allerdings ohne Erfolg.

Lesen Sie auch:

2. Prozesstag: Mutter sagt aus

1. Prozesstag: Polizisten schildern den Fall

Tote Dorena: Vermieter wehrt sich

Verweste Leiche in Traunstein gefunden

Fall Dorena: Ex-Freund vernommen

Ex von Dorena Weber steht vor Gericht

Der vorsitzende Richter Erich Fuchs richtete am Ende des zweiten Verhandlungstages das Wort noch an den Angeklagten: “Ohne der Beweisführung vorgreifen zu wollen, aber wir haben heute viel über die Beziehung zwischen Ihnen und Frau Weber gehört. Und ihr Fingerabdruck am Klebeband zeigt, dass sie etwas mit der Verpackung des Schränkchens zu tun hatten. Vielleicht wollen sie doch einmal darüber nachdenken, ob sie sich äußern wollen. Und wenn es nur ist, um ihr Gewissen zu erleichtern.”

Der Prozess wird an diesem Dienstag, 08. Mai, in Traunstein fortgesetzt. Und wir halten Sie auf dem Laufenden.

ps/df/red

Aus dem Video-Archiv

Quelle: chiemgau24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser