Trotz erschwerter Bedingungen: Drogenfahndung mit zahlreichen Erfolgen

"Leichte Drogen gibt es nicht"

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Die Drogenfahndung in Rosenheim hat den Kampf gegen Dealer und Konsumenten aufgenommen. Neue Kräutermischungen wie Spice oder Skunk stellen die Beamten aber vor große Herausforderungen.

Rosenheim - Ungeduldig wartet ein Ehepaar auf ein Paket - und endlich klingelt es. Voller Hoffnung öffnet der Mann die Tür, die Sendung soll schließlich Geld in die Taschen spülen.

Doch auf den 45-Jährigen wartet nicht der Postbote; sechs Männer mit gezogenen Waffen stehen im Hausflur des zweiten Stockwerks, sie tragen schusssichere Westen. Durch einen Tipp sind die Drogenfahner auf das Pärchen aufmerksam geworden. Die Beamten haben ihr Paket abgefangen - wie erwartet, befand sich darin Heroin, Kokain und Cannabis. Drogen, mit denen das Duo mal richtig Geld verdienen wollte. Doch die Polizei kam zuvor.

Ein erfolgreicher Tag für Ernst Aschenbrenner. "Wir decken nur die absolute Spitze der Delikte auf", weiß der Leiter der Drogenfahndung in Rosenheim. Die Dunkelziffer sei enorm hoch. Aschenbrenner und seine sieben Kollegen kämpfen täglich gegen die Drogenszene und ihre Verschwiegenheit. "Kein Konsument zeigt seinen Dealer an, und wenn er sich noch so ungerecht behandelt fühlt", weiß Aschenbrenner. In der Statistik taucht nur auf, was die Drogenfahnder selbst aufdecken.

"Wenn wir die Szene nicht kontrollieren würden, hätten wir also offiziell gar keinen Drogenhandel, das ist das Verrückte daran", so Stellvertreter Gerold Kreuzinger.

Zwei Faktoren machen den Polizisten die tägliche Arbeit zusätzlich schwer: Zum einen das verzerrte Bild von leichten und harten Drogen. Aufgabe der Drogenfahndung ist auch, die verbotenen Substanzen analysieren zu lassen. "Leichte Drogen gibt es nicht mehr", sagt der Polizist. "Wenn ich das Marihuana auf dem Markt mit dem von vor fünf Jahren vergleiche, hat sich der Wirkstoffgehalt vervielfacht."

Zum anderen haben sich die Bedingungen zu Gunsten der Dealer geändert, zum Leidwesen der Fahnder. Viel läuft mittlerweile über das schwer zu überwachende Internet.

Beim Abhören von Verdächtigen seien die Hürden höher geworden, weil sich die rechtlichen Voraussetzungen geändert haben. So fehlt etwa eine gesetzliche Regelung zur Vorrats-Datenspeicherung. Und eine Wohnungsdurchsuchung vom Staatsanwalt oder Richter genehmigt zu bekommen, sei nicht mehr so leicht wie früher, sagt Aschenbrenner.

Die Fahnder setzen bei ihren Ermittlungen unter anderem auf Vertrauenspersonen: Privatleute, die in der Drogenszene unterwegs sind. "Die suchen meist den Faden, an dem wir uns entlangziehen", verrät Aschenbrenner. So geriet auch das Rosenheimer Pärchen ins Visier der Ermittler. 2010 konnten 36 Händler in Stadt und Landkreis durch die Ermittlungen der Fahnder eingesperrt werden. Trotz dieser Erfolge nennt Aschenbrenner seine Arbeit "einen Kampf gegen Windmühlen" - einen nahezu aussichtslosen Feldzug.

Kräutermischungen als aktuellste Entwicklung in der Drogenszene stellen die Beamten vor weitere Probleme. In kurzen Abständen kommen neue Mischungen auf den Markt, die rechtliche Einordnung ist oft schwierig. "Bis klar ist, ob die Inhaltsstoffe legal sind oder dem Arznei- beziehungsweise Betäubungsmittelgesetz unterliegen, hat die Gegenseite schon wieder reagiert", schildert Aschenbrenner den täglichen Kampf. Zumal die kleinen Tütchen offiziell als Räucherwerk verkauft werden und wohlriechenden Duft im Raum verbreiten sollen. "Wir sind immer nur am Reagieren", sagt der Drogenfahnder.

Einen genauen Überblick über die Drogenszene haben die Beamten nicht. Aschenbrenner und Kreuzinger gehen aber davon aus: "Die Zahl der Konsumenten und Händler stagniert auf hohem Niveau."

Dennoch blickt Aschenbrenner positiv in die Zukunft. Wenn Jugendliche nicht rauchen, ist er sich sicher, dann ist auch der Griff zu illegalen Drogen unwahrscheinlich. "Und die Raucher unter den Jugendlichen werden immer weniger."

Robert Feiner (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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