Klassenzimmer unter Segeln

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Karibik-Idylle an Bord der "Thor Heyerdahl". Doch das Bild trügt: Neben gemeinsamem Büffeln stehen auch Schrubben und Kochen auf dem täglichen Programm der 32 Schüler. Mit dabei ist die 16-jährige Anna Weiß aus Rosenheim. 

Rosenheim - Physikstunden am geblähten Großsegel des Dreimasters, Biologie mit der Taucherbrille an einem Riff in der Karibik: So lernt Anna Weiß aus Rosenheim.

Physikstunden am geblähten Großsegel des Dreimasters, Biologie mit der Taucherbrille an einem Riff in der Karibik und Spanisch-Lektionen während eines Aufenthalts in Panama: So schaut der Schulunterricht von Anna Weiß aus Rosenheim aus. Sechs Monate lang ist der Dreimastschoner "Thor Heyerdahl" ihr segelndes Klassenzimmer.

Projekt der Universität Erlangen-Nürnberg

"Klassenzimmer unter Segeln" heißt ein Projekt der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, das es Schülern aus ganz Deutschland ermöglicht, ein halbes Jahr lang auf einem Dreimastschoner die Welt zu entdecken , an Bord der "Thor Heyerdahl": Zehn Mann Besatzung, fünf Lehrer und 32 Schüler. Sie alle stellen sich der Herausforderung, sechs Monate lang auf engstem Raum zusammenzuleben. Gut 42 Meter lang und sechs Meter breit ist das Segelschiff, das unter dem Kommando von Kapitän Detlef Soitzek steht. Er begleitete 1977 den Abenteurer und Namensgeber des Schiffs Thor Heyerdahl auf seiner Tigris-Expedition nach Dschibuti als Navigator.

Die Route des schwimmenden Klassenzimmers führt über Teneriffa nach Panama und Kuba und von dort über die Azoren zurück nach Deutschland. Dabei überqueren die Segler den Atlantik, machen auf Panama und Kuba jeweils dreiwöchige Landexkursionen und haben nebenbei noch Unterricht nach dem Lehrplan für die zehnte Klasse. Ziel des Projektes ist es, die Selbstständigkeit, die Eigeninitiative und das Verantwortungsgefühl der Jugendlichen zu stärken.

Abschiednehmen von Familue und Freunden

Die 16-jährige Anna Weiß aus Rosenheim ist eine der Glücklichen, die an dieser Reise teilnehmen dürfen. Nachdem sie sich beworben und erfolgreich einen Probetörn absolviert hatte, war die Freude groß, als sie schließlich die Zusage in der Tasche hatte. Am 15. Oktober hieß es dann Abschiednehmen von Familie und Freunden: Die "Thor Heyerdahl" lichtete in Kiel ihre Anker.

Auf der ersten Etappe nach Teneriffa gewöhnten sich die Schüler an ihr neues Leben an Bord und wurden gleich von Anfang an in den Schiffsbetrieb miteinbezogen. "Wir lernten Segel setzen und bergen, Ruder gehen und mit der Seekrankheit, die auch mich erwischte, umzugehen", berichtet Anna. Zum Bordalltag gehört auch, täglich sechs Stunden Wache zu gehen, beispielsweise morgens von 5 bis 8 Uhr und abends von 17 bis 20 Uhr. Die Zehntklässler sind aber auch sonst kräftig eingespannt. "Auch Backschaft (Kochen für 50 Leute) und Reinschiff (Putzen des Schiffs) gehören jetzt zu unserem Alltag", erzählt die Rosenheimerin.

Aufgrund widriger Windverhältnisse erreichte die "Thor Heyerdahl" Teneriffa eine Woche später als geplant. Die Jugendlichen wurden bei Gastfamilien untergebracht und besuchten gemeinsam mit ihren Austauschpartnern die deutsche Schule in Santa Cruz.

Am 18. November setzte der Schoner seine Reise fort. Drei Wochen dauerte die Überquerung des Atlantiks. Mit der neuen Etappe begann auch ein neuer Tagesablauf: Abwechselnd zu Wache und Backschaft fand nun auch Unterricht statt, wie Anna erklärt: "Wir haben hier dieselben Fächer wie daheim, mit dem Unterschied, dass alles an unsere Reise angepasst ist. So lernen wir in Geschichte etwas über Kolumbus und Alexander von Humboldt, besprechen in Erdkunde die planetarische Zirkulation und lernen Spanisch. In astronomischer Navigation berechnen wir außerdem mit Hilfe der Sonne unsere exakte Position."

Exkursion in den Regenwald

Am 11. Dezember erreichte das Schiff schließlich die Karibik. "Eine Woche lang hatten wir auf diesen wunderschönen Inseln Riffferien", schwärmt Anna. Die Schüler entspannten beim Schwimmen, Schnorcheln und an den Sandstränden. Eine Exkursion führte sie auch in den Regenwald.

Bald ging es aber weiter nach Panama. In diese Etappe fielen die Weihnachtstage. Für viele war es das erste Mal, dass sie Weihnachten ohne ihre Familie verbrachten - auch für Anna. "Bei einigen kam ein bisschen Heimweh auf. Aber das verging, als wir alle in der Messe versammelt waren und das Essen kam: Es gab ein Menü mit sieben Gängen! Leider konnten wir wegen des starken Seegangs nicht an Deck feiern, doch auch so wurde es in richtig schöner Abend."

In drei Monaten wieder in Kiel

Derzeit liegt die "Thor Heyerdahl" in Panama vor Anker. Der erste große Landaufenthalt steht auf dem Programm. In drei Monaten wird das Schiff wieder in Kiel erwartet.

re/ku

Quelle: rosenheim24.de

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