Auf den letzten Drücker

Rosenheim – Im Oktober versuchte ein arbeitsloser Rumäne, der seit 18 Jahren in Italien lebt, sein Einkommen durch das Schleusen von Illegalen, zumeist Irakern, aufzubessern.

Der Programmierer ist seit zwei Jahren arbeitslos und bekommt in Italien inzwischen keine Sozialhilfe mehr. Erstaunlich allerdings, wie er trotzdem ein eigenes Auto unterhalten kann. Dieses hat er nachweislich dreimal zum Schleusen von Illegalen, zumeist Irakern, eingesetzt - wahrscheinlich aber weitaus öfter, weil sein derzeitiges Handy insgesamt zu sechs verschiedenen Zeitpunkten in Rosenheim geortet wurde.

Er gestand jetzt vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Jacqueline Assbichler drei solcher Schleusungsfahrten. Als er aber behauptete, er hätte gedacht, diese Personen dürften problemlos nach Deutschland einreisen, übertraf diese Äußerung die Geduld des Gerichtes. Die Richterin machte ihn darauf aufmerksam, dass jede einzelne dieser Schleusungsfahrten mit einer Mindeststrafe von einem Jahr Gefängnis bedroht sei. Bei einer Haftstrafe von über zwei Jahren sei jedoch eine Aussetzung zur Bewährung nicht mehr möglich.

"Wenn Sie also hoffen, mit einer Bewährungsstrafe davonzukommen, so sollten sie beginnen die Wahrheit zu sagen!", machte sie ihm unmissverständlich klar. Nur dann könne das Gericht darüber nachdenken, Gnade vor Recht ergehen zu lassen. Rechtsanwalt Walter Holdserle erbat eine Verhandlungspause und nutzte die Zeit, dem Angeklagten mit Hilfe des Dolmetschers dessen Situation zu verdeutlichen.

Danach "sang" der Angeklagte "wie eine Lerche". Er erinnerte sich wieder seiner Auftraggeber, identifizierte diese auch auf einer Bildvorlage und wusste nun etliches über die Modalitäten und Abläufe zu berichten. Er berichtete, dass er seine Passagiere jedes mal in einem Schnellrestaurant in Rosenheim absetzen sollte. Erst am Bahnhof, aber weil das wegen der Bundespolizei zu riskant gewesen sei, dann in der Kufsteiner Straße.

Iraker lächelte aus Kofferraum entgegen

Dort wurde er schließlich auch festgenommen. Die Polizeibeamten staunten nicht schlecht, als ihnen auch aus dem Kofferraum ein Iraker fröhlich entgegenlächelte.

Nachdem auch die Beamten der Bundespolizei bestätigten, dass diese Angaben für die weiteren Ermittlungen von Nutzen seien, milderte die Staatsanwältin ihren ursprünglichen Strafantrag ab. Zwei Jahre Haft, die sie zur Bewährung ausgesetzt sehen konnte, waren ihre Resonanz auf die Einsicht des Schleusers. Der Verteidiger hatte dem kaum noch etwas hinzuzufügen. Er beantragte anstatt der zwei Jahre 20 Monate Gefängnis, wohl wissend, dass sein Mandant in jedem Fall gut bedient war.

Das Gericht schloss sich der Meinung der Staatsanwaltschaft an und sprach dazu ein Fahrverbot in Deutschland aus. Die Vorsitzende gab dem Rumänen zum Schluss noch mit auf den Weg: "Wenn Sie nur eine Kleinigkeit anstellen - Sie sind kein italienischer Staatsbürger - liefert Sie der italienische Staat sofort an Deutschland aus. Also, halten sie sich von solchen Machenschaften fern!"

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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