Beamte greifen häufig aus Notwehr zur Waffe

Polizisten schießen seltener auf Menschen

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Die Statistik zeigt: Nur sehr selten werden Menschen von Polizisten erschossen. In den allermeisten Fällen handeln die Beamten aus Notwehr oder Nothilfe.
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Burghausen - Vor zwei Wochen griff ein Polizist zur Waffe, erschoss einen Menschen. Fälle wie dieser waren in den letzten Jahren selten, meist handelten die Beamten aus Notwehr.

Immer häufiger griffen Polizisten in den vergangenen Jahren zur Schusswaffe. Wie aus einer umfangreichen Statistik hervorgeht, die der Gießener Professor Clemens Lorei zusammengestellt hat, gab es 1996 lediglich 2595 Schusswaffeneinsätze durch Polizisten - 2012 waren es 10.353. Allerdings schossen die Beamten immer seltener direkt auf Personen. 1996 etwa gaben Polizisten 79 Schüsse auf Menschen ab, 2012 waren es nur noch 36.

Zu den Hintergründen des Schusswaffengebrauchs sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache. 2012 etwa wurden acht Menschen von Polizisten erschossen. In jedem einzelnen dieser Fälle handelten die Beamten aus Notwehr oder Nothilfe. So hat beispielsweise im Mai 2012 ein Mann in Augsburg die Polizei mit einer Axt attackiert, ehe die Beamten ihn erschossen, und im September desselben Jahres hatte ein Mann in Bitterfeld-Wolfen einen Polizisten mit einem Messer schwer am Kopf verletzt. Auch in diesem Fall erschossen die Beamten den Angreifer.

Berliner tötet Ehefrau aus Versehen mit Dienstwaffe

Ihre Dienstwaffe wird in seltenen Fällen aber auch den Beamten selbst oder unbeteiligten Personen zum Verhängnis, etwa bei Trainingsunfällen oder durch unsachgemäße Handhabung. So erschoss 2004 ein SEK-Polizist beim Training aus Versehen einen Kollegen. Ein vielleicht besonders tragisches Unglück ereignete sich 1997 in Berlin. Wie die Berliner Zeitung damals berichtete, wollte ein Polizist, der erst drei Monate zuvor seine Ausbildung beendet hatte, seine Waffe bei sich zuhause "streifenfertig" machen und lud sie entgegen aller Vorschriften durch. Als er die Waffe danach unsachgemäß ablegte, kam er mit dem Finger an den Abzug, ein Schuss löste sich und traf die Frau des Beamten tödlich. Damals verurteilte das Amtsgericht Tiergarten den Mann wegen fahrlässiger Tötung zu 14 Monaten Haft auf Bewährung.

Auch im Einsatz ereigneten sich in der Vergangenheit tragische Vorfälle. 1998 schoss eine Münchner Polizistin aus Notwehr auf einen Angreifer. Das Geschoss durchschlug den Mann und traf seinen hinter ihm stehenden Bruder, beide Männer verstarben. Wie Medien damals berichteten, ging die Staatsanwaltschaft von einer Verkettung tragischer Umstände aus.

Polizist schießt auf Flüchtigen: Totschlag!

In einzelnen Fällen lag jedoch ein Fehlverhalten des Polizisten vor. 2008 schoss ein Polizist in Griechenland mehrfach auf einen 15-Jährigen, der gemeinsam mit anderen Jugendlichen den Streifenwagen des Polizisten mit Steinen beworfen hatte. Der 15-Jährige verstarb. Vor Gericht erklärte der Polizist, er habe sich nur verteidigt, aufgrund der Aussagen mehrerer Zeugen wurde der Mann jedoch wegen Mordes verurteilt.

2010 musste sich ein Berliner Kriminalpolizist vor Gericht verantworten, weil er einen Flüchtigen erschossen hatte. Der Beamte hatte zwei Jahre zuvor einem Mann durch die Scheiben eines langsam an ihm vorbei fahrenden Autos in den Brustkorb geschossen. Das Gericht sah keine Notwehr gegeben, weil das Auto nicht auf den Polizisten zu gefahren sei, und verurteilte den Mann wegen Totschlags in einem minderschweren Fall zu zwei Jahren Haft auf Bewährung.

Quelle: innsalzach24.de

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