Liebeskummer lohnt sich nicht

Rosenheim - Weil ihn seine Freundin verlassen hatte, reagierte ein vorbestrafter 22-jähriger Handwerker etwas unangemessen. Die Folge: drei weitere Monate Haft - auf Bewährung.

Das Jugendschöffengericht honorierte jedoch die positive Änderung seines Lebenswandels.

20 Jahre war der Rosenheimer alt, als ihm seine langjährige Freundin den Laufpass gab - noch dazu wegen seines besten Freundes. Sie war ihm zwischenzeitig buchstäblich über den Kopf gewachsen und sein Freund schien ihr mit 1,95 Meter Länge eher angemessen. Dass der junge Mann damit nicht fertig wurde, hatte damit zu tun, dass ihm seine Brüder jahrelang brutale Gewalt gezeigt und vorgelebt hatten. So hatte er zusammen mit einem Bruder bereits 2005 auf dem Christkindlmarkt einen Besucher mit einer Schusswaffe bedroht und zusammengeschlagen. Weil der 22-Jährige den Bewährungsauflagen ebenfalls nicht nachkam, steckte ihn der Jugendrichter 2008 in das Jugendgefängnis.

Das war für den Angeklagten, der sich jetzt erneut vor Gericht zu verantworten hatte, eigenen Angaben zufolge ein einschneidendes Erlebnis. Dass er nun trotzdem seinen ehemaligen Freund telefonisch mit Erschießen oder Abstechen bedrohte, erklärte er damit, dass er damals, im Sommer 2010, völlig "neben der Kappe" gewesen sei.

Zwei Wochen später geriet er erneut mit dem neuen Freund seiner "Ex" aneinander. Als er dann ein Mädchen, das schlichten wollte, als "Schlampe" beleidigte und sie mit seiner brennenden Zigarette im Gesicht verletzte, war für die Betroffenen das Maß voll. Sie riefen die Polizei - und die Strafanzeige folgte auf dem Fuß.

Die Sache wäre normalerweise sicher als Bagatelle erledigt worden. Da der junge Mann aber einschlägig vorbestraft war, unter offener Bewährung stand und sich bereits als Bewährungsversager gezeigt hatte, kam die Anklage wieder vor das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Richter Herbert Schäfert, der ihn bereits 2008 verurteilt hatte.

Erstaunliches war von den Zeugen zu hören. Mit dem einstigen Rivalen hat er sich ausgesprochen, beide sind nun wieder die besten Freunde. "Er hat sich schon lange entschuldigt. Es gibt keinerlei Probleme mehr zwischen uns." Die junge Frau erklärte gar, sie wolle ihre Anzeige zurücknehmen: "Ich habe seine Entschuldigung angenommen. Er ist mit dem Verfahren und den ganzen Umständen wohl genug bestraft."

Die Jugendgerichte sind in aller Regel bemüht, ihre Verfahren schnell abzuwickeln. Nur dann ist zumeist gewährleistet, dass ein Schuldspruch größtmögliche erzieherische Wirkung auf den Jugendlichen oder Heranwachsenden hat. Dass sich dieses Verfahren über eineinhalb Jahre hinzog, lag an der besonderen Situation des Angeklagten und war von der Justiz nicht zu verantworten.

Allerdings hatte der verlassene Liebhaber in diesem Falle davon profitiert: Er hatte dadurch Gelegenheit, zwischenzeitig zu beweisen, dass er seinen Lebensstil tatsächlich grundlegend geändert hat. Nicht nur, dass er inzwischen seit über einem Jahr eine Lehrstelle hat und diese Firma ihn in den höchsten Tönen lobte, auch der vom Gericht bestellte Betreuer bestätigt, dass der junge Mann zuverlässig, zielstrebig und konsequent einen neuen Weg beschreite: Eine positive Sozialprognose könne uneingeschränkt bescheinigt werden. In gleicher Weise äußerte sich die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe.

Dem wollte sich auch die Staatsanwältin nicht verschließen. Nach Aktenlage sei eine Gefängnisstrafe unabweisbar. Aber dieser positiven Veränderung wollte sie sich nicht in den Weg stellen. Sie beantragte, die bereits bestehende Strafe um fünf Monate zu erhöhen, diese aber nochmals zur Bewährung auszusetzen.

Rechtsanwalt Dr. Markus Frank meinte, dass die Körperverletzung mit der Zigarette womöglich als "fahrlässig" eingestuft werden könne. Er erbat sich für seinen Mandanten vor allem eine nochmalige Bewährungszeit, um dessen positive Entwicklung nicht zu konterkarieren.

Das Gericht beschloss einen "Zuschlag" von drei Monaten und setzte die Strafe erneut zur Bewährung aus. Der junge Mann hat inzwischen eine neue Freundin.

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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