Ungewöhnliche Firma zieht Bilanz

Hier stricken Omas auf Bestellung Schals

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Die Geschäftsführerin der Firma "Lieblingsoma GmbH" Verena Röthlingshöfer (l) und ihre Mitarbeiterin " Oma Siggi" Sigrid Wiese

Fürth - Im Fürther Unternehmen Lieblingsoma steht das Miteinander im Vordergrund: Gemeinsam stricken Senioren auf Bestellung Mützen und Handschuhe.

Verena Röthlingshöfer feiert in diesen Tagen Geburtstag. Nicht ihren eigenen, sondern den ihrer Firma: Im Oktober 2011 gründete die 33-Jährige die Lieblingsoma GmbH, ein Unternehmen, in dem anfangs rund 25 Seniorinnen und ein Senior aus der Region auf Bestellung strickten: Mützen, Schals, Handschuhe. Mittlerweile greifen 70 Mitarbeiter regelmäßig zur Nadel, mit „Strickkreisen“ in ganz Deutschland.

Dass Verena Röthlingshöfer einmal in den Räumen ihrer eigenen Firma sitzt, hätte sie nicht vermutet: „Ich wollte mich eigentlich nie selbstständig machen“, sagt die gelernte Kommunikationswirtin - „sondern vielmehr eine Idee ausprobieren.“ Ziel war es, älteren Menschen wieder eine Aufgabe zu geben.

Als junge Start-up-Unternehmerin gründete sie mit ihrem Bruder und einem Bekannten die Firma, die auf dem Internetportal „www.myoma.de“ von Hand gestrickte Wollprodukte anbietet. In den ersten beiden Wintern hat sich die Nachfrage verdoppelt. Zum Auftakt in die dritte Hochsaison wünscht sich die Chefin erneut einen Zuwachs um 100 Prozent. Bis zu 300 Bestellungen würde sie in der Vorweihnachtszeit gerne annehmen, dafür sei die Firma mit neuen Strickerinnen aus ganz Deutschland gerüstet. Am Hauptsitz in Fürth meistert Röthlingshöfer mit einer weiteren Vollzeitkraft und Werksstudenten den Vertrieb.

Lieblingsoma profitiert dabei von einem Trend, den das ebenfalls fränkische Unternehmen Myboshi gesetzt hat: Die zwei jungen Skilehrer Thomas Jaenisch und Felix Rohland haben gehäkelte Mützen bei Teenies und Twens populär gemacht und damit einen regelrechten Häkelboom entfacht. Selbst pubertierende Jungs trugen im vergangenen Winter stolz ihre selbst gefertigten Exemplare.

Bei Lieblingsoma stehen soziale Aspekte im Vordergrund. Röthlingshöfer nennt als Beispiel eines ihrer aktuellen Projekte: Seit kurzem stricken die Omas in einem extra dafür hergerichteten Raum eines Cafés in Fürth gemeinsam mit den oft jungen Gästen. Darüber hinaus geben sie Workshops, und über ein Schwarzes Brett werden Gesuche und Angebote für Hilfe im Haushalt oder bei der Kinderbetreuung vermittelt.

Verena Röthlingshöfer mit ihrem Maskottchen

Doch natürlich müssen sich die Kosten der Firma auch tragen, vor allem in den auftragsarmen Sommermonaten. An einer Mütze, die 50 Euro kostet, blieben etwa 20 Euro im Unternehmen hängen, erklärt Röthlingshöfer. Im Moment gingen täglich um die sechs Bestellungen bei ihr ein. Deshalb will sie verstärkt mit Firmen zusammenarbeiten, um Großaufträge anzunehmen. Liebevoll gestaltete Geschenkboxen sollen außerdem das Weihnachtsgeschäft über die Homepage ankurbeln. Und auch das Strick-Buch, das vor kurzem in Zusammenarbeit mit den Omas erschienen ist, wird weiter vermarktet: „Wir waren damit auf der Frankfurter Buchmesse, und der Ansturm war groß.“

Ein Mütze der Firma

Sigrid Wiese, in der Firma nur „Oma Siggi“ genannt, hält für den bevorstehenden Ansturm ihre Nadeln bereit. Seit der Gründung strickt die 65-Jährige für die Lieblingsoma GmbH, zwei bis drei Stunden am Tag. „Für mich ist das keine Arbeit, ich mache das gerne“, sagt die ehemalige kaufmännische Angestellte. Auch sie beobachtet einen Strick-Trend, vor allem bei jungen Frauen: „Die wollen das meistens selber lernen“, sagt Wiese. „Dass das Interesse so groß ist, hätte ich gar nicht gedacht.“

Der letzte Mittwoch im Monat ist ein angestrichener Tag in Wieses Terminkalender, denn dann treffen sich die Mitarbeiter zur Besprechung im Büro in Fürth. Sie trinken Kaffee und essen Kuchen. „Es sind echte Freundschaften entstanden“, resümiert Wiese. Und auch der Kontakt zu ihrer Chefin tue ihr gut.

Denn trotz ihrer unternehmerischen Ziele hält Röthlingshöfer an ihrer Unternehmensphilosophie fest: Immer ein offenes Ohr für die Seniorinnen zu haben. „Das muss immer gewährleistet sein.“ Wenn sie die Aufträge telefonisch verteile, nehme sie sich genügend Zeit für Gespräche. Daran solle sich auch bei wachsender Auftragslage nichts ändern.

dpa

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