Live-Ticker zum Nachlesen: Prozess um das Zugunglück von Bad Aibling

IT-Experte: Um 6.45 Uhr beendete Michael P. das Spiel, um 7 Uhr bekam er WhatsApp

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Der Fahrdienstleiter Michael P. (M - links) sitzt im Sitzungssaal des Traunsteiner Landgerichts zwischen seinen Anwälten Thilo Pfordte (r) und Ulrike Thole (l).
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Bad Aibling/Traunstein - Am Donnerstag wurde die Verhandlung um das Zugunglück von Bad Aibling gegen den 40-jährigen Fahrdienstleiter fortgesetzt. Die Aussagen des IT-Forensikers und des Neuropsychologen waren mit Spannung erwartet worden.

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Die Fakten des Prozesses um das Zugunglück Bad Aibling soweit im Überblick:

  • Der Frontalzusammenstoß zweier Nahverkehrszüge am 9. Februar 2016 war eines der schwersten Bahnunglücke der deutschen Nachkriegsgeschichte.
  • Der 40-jährige Fahrdienstleiter muss sich wegen fahrlässiger Tötung in 12 Fällen und fahrlässige Körperverletzung in 89 Fällen vor dem Landgericht Traunstein verantworten.
  • Der Angeklagte Michael P. ließ am ersten Prozesstag ein Geständnis durch seine Rechtsanwälte verlesen. Er räumte ein, das Fantasy-Rollenspiel „Dungeon Hunter 5“ auf seinem Handy gespielt, die Signale falsch gesetzt und auch den Notruf falsch abgesetzt zu haben - dies führte zum fatalen Zugunglück Bad Aibling.
  • Eines der Kernergebnisse der Kripo-Ermittlungen: Der Fahrdienstleiter spielte in fast jedem Dienst stundenlang auf seinem Smartphone.
  • "Die Kacke ist jetzt richtig am Dampfen", dies sagte Michael P. dem Fahrdienstleiter von Bruckmühl am Telefon
  • Gutachter zur Funknetz-Analyse: "Es kam in keinem Bereich zu einem Funkloch"
  • Prüfungen des Eisenbahnbundesamtes ergaben: Keine technischen Mängel gefunden
  • Sachverständiger zählt mehrere Fehler des Angeklagten auf: "Nach jedem Schritt hätte man merken müssen, dass etwas nicht passt"
  • Gutachter des EUB übte Kritik an Deutscher Bahn: Bestimmungen teilweise unklar; fehlende, veraltete Technik
  • Insgesamt sind noch zwei weitere Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil soll voraussichtlich am 5. Dezember verkündet werden.

++ Der Prozess wird morgen, Freitag den 02. Dezember, fortgesetzt; dann sollen die Plädoyers gehalten werden. Ab 9 Uhr berichten wir wieder live aus dem Gerichtssaal! ++

Der Live-Ticker vom fünften Prozesstag um das Zugunglück von Bad Aibling zum Nachlesen:

13 Uhr: Richter Erich Fuchs beendet somit die Beweisaufnahme im Fall gegen den Fahrdienstleiter. Morgen, Freitag 2. Dezember, haben die Prozessbeteiligten die Möglichkeiten für ihre Plädoyers. Das Urteil, so Richter Fuchs, soll schließlich am Montag, 5. Dezember, ab 10.30 Uhr verkündet werden.

Die Aussage des Psychologen zum Nachlesen

12.58 Uhr: Nachdem das Gericht auch an den zweiten Sachverständigen des Tages keine Fragen mehr hat, wird Dr. Brunnauer aus dem Zeugenstand entlassen. Beweisanträge stellen die Prozessbeteiligten nicht. Mit Einverständnis des Angeklagten zieht das Gericht das Handy ein. Es soll nie wieder in Verkehr gebracht werden.

Oberstaatsanwalt Jürgen Branz (l-r) der Vorsitzende Richter Erich Fuchs, Anwalt Thilo Pfordte, Anwältin Ulrike Thole und der Fahrdienstleiter Michael P. unterhalten sich am vierten Prozesstag im Sitzungssaal des Landgerichts.

12.50 Uhr: Als Ursache für den Zusammenstoß könne also ein Gedächtnisfehler verantwortlich sein, summiert der Richter die Betrachtung des Gutachters: "Da hatte er offenbar eine Lücke im Denken, wenn man das so sagen kann. (...) Das kann eine Folge der Ablenkung durch das Spiel gewesen sein." Dr. Alexander Brunnauer verdeutlichte auf Nachfrage, dass beim Spielen noch verschärfend hinzukäme, dass der Spieler auch für seine Handlungen belohnt werde. Daraus ergebe sich noch eine zusätzliche Wirkung, die eine mögliche Sucht sogar noch begünstigen könne.

Psychologe: Spielen hinterlasse Spuren im "Arbeitsgedächtnis"

12.43 Uhr: Besonderes Interesse des Gerichts weckt der Zeitstrahl des Experten, in dem die Abläufe am Handy und auf der Strecke überlagert dargestellt werden. Vorsitzender Richter Fuchs fragt nach, ob Spielen über einen längeren Zeitraum auch nach dessen Ende noch nachwirkt: "Die Belegung der Kapazitäten wirkt nach. (...) Ein Leistungsabfall findet statt, es hinterlässt Spuren", bestätigt der Gutachter.

12.40 Uhr: Auf den Angeklagten bezogen könne somit zusammenfassend gesagt werden, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit der Abruf von bereits erlernten Informationen, wie beispielsweise die Bedienung seiner Arbeits-Konsole, beeinträchtigt gewesen sei. "Es ist davon auszugehen, dass unter Berücksichtigung der Dauer der Spielesessions eine Beeinträchtigung von exekutiven Funktionen stattgefunden hat", so Dr. Alexander Brunnauer.

12.35 Uhr: "Ich erledige etwas und nebenbei lese ich meine Mails - wie wirkt sich das aus?" erörtert der Experte als nächstes. Spiele man beispielsweise parallel zur Arbeit ein Computerspiel, falle die Konzentration teilweise deutlich ab. Das Spielen hinterlasse schlicht Spuren im sogenannten "Arbeitsgedächtnis", es werde zusätzlich belastet. Im Vergleich zu Musik im Hintergrund falle der Unterschied sehr deutlich aus.

12.30 Uhr: Aus den Gutachten der Herren Will (Zeitlicher Ablauf des Unglücks) und Pielken (Spiele-Dauer) hat der Gutachter eine gemeinschaftliche Übersicht angefertigt. Eine Grafik soll zeitgleich Aussagen über das Spielverhalten und die Tätigkeit als Fahrdienstleiter treffen. Zusammenfassend sei zu beobachten, dass zwischen 6.09 und 6.40 Uhr am Unglückstag 72 Prozent der gesamten Zeit aktiv gespielt wurde. "Die menschliche Informations-Verarbeitungskapazität ist begrenzt", so der Gutachter weiter. Je komplexer also die Aufgabe, desto länger brauche man auch zur Erledigung. "Und auch die Fehler nehmen dann immer mehr zu."

Angeklagter hat überdurchschnittliche geistige Fähigkeiten

12.20 Uhr: In den das Gedächtnis und die geistige Fitness betreffenden Test habe der Angeklagte überdurchschnittlich gut abgeschnitten. "Keine Anhaltspunkte für in der Person begründeten Störungen", so Dr. Brunnauer zusammenfassend. Auch eine Spiele-Sucht konnte von den behandelnden Psychologen nicht festgestellt werden. Zwischen dem 1. Januar und dem 8. Februar habe die Spieldauer des Angeklagten jedoch kontinuierlich zugenommen. "Das waren 17 Arbeitstage in denen gespielt worden sind. (...) Sowohl die kürzeren als auch die längeren Sessions wurden immer mehr", so Dr. Brunnauer. Insgesamt 435 solcher Sessions habe man rekonstruieren können. Besonders Anfang Februar kam es dabei zu einer Häufung.

Der Fahrdienstleiter Michael P. (M - links) sitzt im Sitzungssaal des Traunsteiner Landgerichts zwischen seinen Anwälten Thilo Pfordte (r) und Ulrike Thole (l).

12.09 Uhr: In seinem Gutachten beschäftigt sich Dr. Alexander Brunnauer mit der Frage, ob die kognitiven Fähigkeiten des Angeklagten durch das Spiel "Dungeon Hunter 5" beeinträchtigt waren und ihn dadurch von seiner Tätigkeit als Fahrdienstleiter abgelenkt haben. Der Angeklagte sei am 4. November im Inn-Salzach-Klinikum in Wasserburg untersucht worden. Er gab an unter Depressionen zu leiden. Schädigungen des zentralen Nervensystems konnten nicht festgestellt werden. Er zeigte sich im Gespräch kooperativ und auskunftsfreudig, so der Gutachter weiter.

++ Für den Umbau der Technik im Gerichtssaal, unterbricht Vorsitzender Richter Erich Fuchs kurz die Verhandlung ++

11.53 Uhr: Nach der Verlesung des Auszugs aus der Ermittlungsrichterlichen Vernehmung entlässt Vorsitzender Richter Erich Fuchs den Sachverständigen aus dem Zeugenstand. Als nächstes wird Diplom-Psychologe Dr. Alexander Brunnauer vor Gericht gehört.

Angeklagter in Vernehmung: "Ich wollte keinesfalls abgelenkt sein"

11.48 Uhr: "Man braucht keine besondere Anleitung dafür, das Spiel ist eher simpel", so der Angeklagte in seiner Vernehmung. Manche Aktionen könnten auch automatisch ablaufen. Wieviel Geld er in das Spiel in der Vergangenheit investiert hatte, konnte der Fahrdienstleiter in der Vernehmung nicht mehr angeben. "Ich wollte keinesfalls abgelenkt sein", gab der Angeklagte ebenfalls in seiner Vernehmung an. Deshalb habe er alle Apps geschlossen, als er merkte, dass es zu Problemen auf der Strecke kam.

Die Aussage des IT-Forensikers zum Nachlesen

11.40 Uhr: Über die In-App-Käufe schließlich könne der Gutachter keine Angaben machen. Im Anschluss an die Fragen an den Sachverständigen, verliest Vorsitzender Richter Erich Fuchs nun die ermittlungsrichterliche Vernehmung des Angeklagten. Daraus geht hervor, dass der Fahrdienstleiter regelmäßig am Handy gespielt hatte. Genau könne er sich an die Bedienungshandlungen aber nicht mehr erinnern. In den Zugpausen auf seiner Strecke habe er öfter zum Smartphone gegriffen und gespielt.

Um 7 Uhr bekam Michael P. eine WhatsApp und führte Aktion im PlayStore aus

11.25 Uhr: Auf erneute Nachfrage von Oberstaatsanwalt Branz gab der Sachverständige an, dass sich noch zwei Programme auf dem Smartphone des angeklagten Fahrdienstleiters befunden hätten, die unter anderem zur Speicherbereinigung genutzt werden. Ob nach dem Zusammenstoß versucht wurde, Daten zu löschen, könne nicht abschließend mit Sicherheit bestätigt werden, erwidert Pielken. Beide Programme liefen ständig im Hintergrund.

Mögliche Avatare im Spiel "Dungeon Hunter 5"

11.13 Uhr: Nach der Unterbrechung setzt Erich Fuchs die Verhandlung fort. Das private Telefon des Angeklagten konnte in der Zwischenzeit nicht aktualisiert werden. Die nötigen Zugangsdaten lägen dem Forensiker nicht vor. Somit könne das Spiel auch nicht gestartet werden, eine Aktualisierung sei dazu zwingend erforderlich. Die nächste Aktion, nach dem Zusammenstoß der beiden Züge zwischen Bad Aibling und Kolbermoor, fand dann erst um 7 Uhr statt, so Pielken weiter. Dann habe eine Kommunikationshandlung per WhatsApp und eine Aktion im PlayStore stattgefunden. Auch Nachfrage der Staatsanwaltschaft seien keine Versuche unternommen worden, das Spiel im Nachgang zu löschen.

++ Die Verhandlung ist für eine kurze Pause unterbrochen. Inzwischen soll die Spielversion von Dungeon Hunter 5", die sich auf dem Smartphone des Angeklagten befindet, aktualisiert werden. Das Gericht will das Gerät im Anschluss erneut in Augenschein nehmen. ++

Um 6.45 Uhr wurde das Spiel aktiv durch den Benutzer beendet

10.50 Uhr: Der letzte Zeitraum, ab 6.38 Uhr und 51 Sekunden, in dem der Fahrdienstleiter aktiv im Spiel war, dauerte 116 Sekunden. Das Level konnte dabei nicht erfolgreich beendet werden. Nachdem das Spiel ins Hauptmenü zurückkehrte, sei in den Log-Dateien des Servers keine Änderung mehr zu erkennen. Um 6.45 Uhr wurde das Spiel durch eine Aktion dann schließlich beendet, das ergebe sich aus den Aufzeichnungen im Telefon, so Pielken. "Das kann durch aktives Beenden oder Verschieben des Spiels in den Hintergrund erfolgen", so der Forensiker weiter. Einen Absturz, sowie ein Abreißen der Internetverbindung könne man ausschließen. Die Aktion habe aktiv durch den Benutzer erfolgen müssen.

Spielszene aus "Dungeon Hunter 5"

10.35 Uhr:  "Man hat die Möglichkeit global oder gezielt mit einem Spieler zu kommunizieren", so Dennis Pielken. Erneut demonstriert der Fachmann die einzelnen Funktionen, damit sich das Gericht ein Bild von der Dauer der Aktionen machen kann. Lediglich die Frage, ob der Angeklagte aktiv geschrieben hatte oder nur eine Nachricht erhalten hatte, kann der Sachverständige derzeit nicht beantworten. Michael P. verfolgt die Aussage des IT-Forensikers ohne jegliche Regung im Gesicht, nur selten bespricht er sich mit seinen Verteidigern.

10.25 Uhr: Bis zu einer durchgängigen Dauer von rund 4 Minuten hatte sich der Angeklagte dabei in der 3D-Welt des Spiels "Dungeon Hunter 5" befunden. Der Sachverständige rekonstruiert sekundengenau die einzelnen Aktionen. Dazwischen finden sich immer wieder kurze Momente, in denen keine Eingaben stattgefunden hätten. Die Nachfragen des Gerichts drehen sich nun in erster Linie um die Chat-Funktion im Spiel. Man könne nicht nachvollziehen, mit wem und über was der Angeklagte mit einer anderen Person gesprochen hatte.

Bis 6.45 Uhr spielte der Angeklagte aktiv

Chronologie der Ereignisse: Das geschah in den Stunden und Tagen nach dem Zugunglück

10.14 Uhr: Im dritten Zeitraum, von 5.11 Uhr bis 6.45 Uhr, spielte der Angeklagte aktiv - also bis 3 Minuten vor dem tragischen Zugunglück: "Dabei wurde zunächst eine Mission im Festungs-Modus gestartet," beginnt Pielken die detailierte Analyse. Die letzte Aktion sei um 6.40 Uhr erfolgt, das Spiel lief aber bis 6.45 Uhr weiter. Erst dann hat der Angeklagte das Spiel beendet. Den Zeitraum zwischen 6.09 Uhr und der letzten Aktion habe man genauer unter die Lupe genommen. Insgesamt seien sieben verschiedene Level, vier erfolgreich, gespielt worden. Gesamtdauer: rund 13 Minuten, in der der Spieler in der 3D-Welt unterwegs gewesen sei. Hinzu kämen noch verschiede Handlungen zur Vorbereitung, insgesamt dann 31 Minuten im Spiel. Nur 9 Minuten lang habe also keine Bedienung erfolgt.

10.08 Uhr: Zur genauen Feststellung der Aktionen von Michael P. haben die Forensiker die Daten auf dem Telefon und den Servern der Firma Gameloft verglichen. Dabei habe man einen maximalen Unterschied von acht Sekunden festgestellt. Die Angaben selbst deckten sich jedoch in allen Punkten aus den beiden Protokoll-Dateien. "Es konnten sich insgesamt drei Spielzeiträume am 9. Februar festgestellt werden. (...) Einmal von 3.41 - 3.48 Uhr, von 5.09 - 5.11 Uhr und ein langer Zeitraum von 5.11 - 6.45 Uhr", so Pielken zusammenfassend. Die Startzeiten passten sekundengenau in beiden Protokollen zusammen. Hatte der Angeklagte im ersten Zeitraum noch verschiedene Menü-Aktionen ausgeführt, registrierten weder Server noch Telefon im zweiten Zeitraum keine Aktionen.

Chatten mit mehreren Personen gleichzeitig möglich

10 Uhr: "Man kann sich auch zu sogenannten Gilden zusammenschließen, dann spielt man mit anderen Menschen zusammen", berichtet Pielken. Hier könnten dann auch Chat-Nachrichten an mehrere, reelle Personen gleichzeitig verschickt werden. Als nächstes sollen die genauen Zeiten der Aktionen im Spiel angesprochen werden. 

09.55 Uhr: "Im Modus 'Festung' wird man von keinem anderen Spieler unterstützt. Es gibt auch keine Möglichkeit, seinen Charakter abzustellen", so der Gutachter. Auf Nachfrage der Nebenklage demonstriert Dennis Pielken noch die Chat-Funktion von "Dungeon Hunter 5". "Diese Aktion ist im Hauptmenü möglich, nicht in den Level selbst", so die Antwort des Fachmanns.

Sound untermalt "Dungeon Hunter 5"

09.52 Uhr: Zunächst demonstriert der Forensiker aber noch den Spielmodus, den der Angeklagte am 9. Februar im Zeitraum zwischen 6.15 und 6.50 Uhr gespielt habe. Im Modus "Festung" muss der Spieler Truhen finden und öffnen. "Diese Level sind in der Regel sehr klein und haben auch nur wenige Gegner", so Pielken weiter. Danach ende dieser Teil. Der Ton im Spiel untermalt die Aktionen. Im Gerichtssaal ist das Klirren von Schwertern und getragene Hintergrund-Musik zu hören. Ob der Angeklagte auch mit Ton gespielt hatte, kann im Nachhinein nicht mehr festgestellt werden.

Spielszene aus "Dungeon Hunter 5"

09.48 Uhr: "Was passiert wenn man keine Eingabe im Spiel macht?", will der vorsitzende Richter Erich Fuchs vom Gutachter wissen. "Je nachdem, wo man sich im Spiel befindet. (...) Es kann sein, dass es bis zu einer Minute dauert, bis der Spieler die Lebensenergie verliert. Man kann aber auch eine Pause-Taste drücken. Das wird aber nicht mit protokoliert", antwortet Pielken. Welche Aktionen genau auf den Servern registriert werden, soll im Anschluss an die Demonstration erklärt werden.

Bedienung des Spiels läuft typischerweise beidhändig

09.45 Uhr: Als nächstes steigt Dennis Pielken direkt in das Spiel ein. Nach kurzer Ladezeit beginnt das Spiel. Mit Drücken auf den Bildschirm des Telefons kann der virtuelle Charakter durch die Level bewegt werden. Durch Betätigung besonders gekennzeichneten Bereichen auf dem Display können Aktionen wie Angriffe gegen Monster und Gegner in der Spielwelt ausgeführt werden. Die Bedienung des Spiels läuft dabei typischerweise beidhändig.

9.37 Uhr: "Der Spieler hat dann verschiedene Aufgaben zu erfüllen. (...) Dafür kann er sich dann eine Belohnung abholen", fährt der IT-Forensiker in seiner Erklärung fort. Auf der rechten Seite des Hauptbildschirms können die verschiedenen Level und auch der kooperative Modus ausgewählt werden. "Im relevanten Zeitraum hat der Angeklagte in den Modi 'Festung' und 'Events" gespielt. Im kooperativen Modus, dem Spiel mit anderen Mitspielern, war er zu den Zeiten nicht unterwegs", so Pielken auf Nachfrage des Gerichts.

09.30 Uhr: Das Spiel könne grob in zwei Teile geteilt werden: "Zuerst ist da der administrative Teil. Hier können beispielsweise Schwerter gebaut oder zu besseren Schwertern gemacht werden", so Pileken. Dieser Teil sei eher kosmetisch und beschäftige sich in erster Linie mit dem Erscheinungsbild des Spiel-Charakters. 

Im zweiten Teil bewege sich dann der Avatar durch verschiedene 3D-Level. Hier findet dann auch die Interaktion mit anderen Spielern statt. Nach einer kurzen Lade-Phase beginnt das Spiel im Haupt-Menü. Hier ist bereits der Charakter und sein Erscheinungsbild in der Spielwelt zu sehen. Der Bildschirm sei grundsätzlich zweigeteilt. Auf der lenken Seite findet der Spieler das sogenannte Inventar. Dort können Gegenstände für virtuelles Geld verbessert, gekauft oder auch verkauft werden. Der Spieler muss dabei eine festgelegte Abfolge von Eingaben machen.

9.25 Uhr: Zur Verdeutlichung und dem besseren Verständnis für alle Prozessbeteiligten, wird das Display des Handys im Gerichtssaal auf eine Leinwand projiziert. Darauf deutlich erkennbar ist auch, wann immer der Benutzer eine Eingabe auf dem Touchscreen tätigt. Während des Spiels ist das Handy dabei immer mit den Servern der Spiele-Firma verbunden.

09.20 Uhr: Als erstes wird Dennis Pielken, Sachverständiger für IT-Forensik, am Landgericht in Traunstein gehört. Der 32-jährige Diplom-Ingenieur demonstriert anhand von Spielszenen auf dem Handy des Angeklagten das typische Spielgeschehen von "Dungeon Hunter 5". Zunächst berichtet Pielken aber aus seinem Gutachten. Seine Aufgabe war es zu untersuchen, welche Aktionen der Angeklagte im Spiel am Unglückstag zwischen 6.15 und 6.50 Uhr getätigt hat. Dazu erhielt der Forensiker Daten der Firma Gameloft, dem Hersteller des Spiels. Anhand der Datensätze seien umfangreiche Angaben möglich.

09.10 Uhr: Pünktlich um 9 Uhr eröffnete Vorsitzender Richter Erich Fuchs die Hauptverhandlung am fünften Prozesstag gegen den 40-jährigen Fahrdienstleiter am Traunsteiner Landgericht. Heute stehen insgesamt nur zwei Sachverständige auf dem Programm der Kammer. Neben einer Demonstration des Handy-Spiels, dass der Angeklagte während des Zugunglücks gespielt hatte, sollen auch die Auswirkungen des Spiels erläutert werden.

Grafik des Handyspiels "Dungeon Hunter 5"

08.50 Uhr: Am fünften Verhandlungstag um das Zugunglück von Bad Aibling steht zum wiederholten Mal die verbotene, private Handynutzung des Angeklagten Michael P. im Vordergrund. Mit besonderer Spannung werden die Aussagen eines IT-Spezialisten und eines Neuropsychologen erwartet. Beide hätten bereits am vierten Verhandlungstag aussagen sollen. Da allerdings der IT-Fachmann krankheitsbedingt ausfiel und die Aussage des Neuropsychologen auf dessen Gutachten aufbaut, wurden beide auf heute verschoben. Die Gutachter sollen klären, inwieweit der angeklagte Fahrdienstleiter vom Zocken des Handyspiels "Dungeon Hunter 5" auf seinem Smartphone abgelenkt gewesen war. In diesem Zusammenhang soll auch geklärt werden, wie viel Einfluss das Spielen auf das tragische Unglück gehabt hat.

Prozess wegen mehrfacher, fahrlässiger Tötung - Was bisher im Gerichtssaal geschah:

Zum Nachlesen:

Bereits am ersten Prozesstag machte der angeklagte Fahrdienstleiter umfangreiche Angaben zu den ihm vorgeworfenen Punkten. Er gab zu, am 9. Februar verbotenerweise im Dienst mit dem Handy gespielt zu haben. Ebenso habe er die Signale auf der Strecke falsch gesetzt und den Notruf falsch abgesetzt. Alle diese Verfehlungen hätte zum verheerenden Zusammenstoß der beiden Meridian-Züge auf der eingleisigen Strecke geführt.

Im weiteren Verlauf der Verhandlung machten bisher zahlreiche Gutachter Aussagen vor Gericht. Ein Fachmann stellte, zuletzt am vierten Prozesstag, schließlich fest, dass auf der Unfallstrecke eine zusätzliche Kontroll-Instanz fehlte. Weitere Sachverständige konnten das Unglück, bei dem 12 Menschen ihr Leben ließen und 89 Weitere verletzt wurden, inzwischen Sekunden-genau rekonstruieren.

Aus Rücksicht auf die Opfer sollen diese selbst aber nicht vor Gericht gehört werden. Darauf einigte sich das Gericht unter dem Vorsitz von Erich Fuchs am vierten Prozesstag.

Für den fünften von insgesamt sieben angesetzten Tagen stehen nun zwei weitere Gutachter auf dem Plan der Kammer. Sie sollen genau beleuchten, ob der angeklagte Fahrdienstleiter beim Spielen auf dem Handy von seiner Tätigkeit abgelenkt war. Die Aussagen waren ursprünglich für den vierten Tag am Landgericht in Traunstein eingeplant, mussten jedoch aufgrund von Krankheit verlegt werden.

Vierter Verhandlungstag im Prozess um das Zugunglück Bad Aibling

Prozessauftakt gegen den Fahrdienstleiter in Traunstein

sl/mh

Quelle: rosenheim24.de

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