Freie Wähler trafen sich in der Inntalhalle

Rosenheim - Bei der Landesdelegiertenversammlung in Rosenheim macht Landeschef Hubert Aiwanger deutlich: Die Freien Wähler wollen in der Bundespolitik kräftig mitmischen.

"Der Mensch im Mittelpunkt" lautet ein Slogan der Freien Wähler (FW). Bei der Landesdelegiertenversammlung in der Rosenheimer Inntalhalle ist dieser Mensch Hubert Aiwanger. Der Landeschef beweist bei seiner Rede Unterhaltungspotenzial und macht ganz klar deutlich: Die Freien Wähler wollen in der Bundespolitik kräftig mitmischen.

Entspannt und sehr gelassen wirken die 250 Delegierten zu Beginn der Treffens. Die Begrüßungsworte vernehmen die meisten eher "so nebenher". Viele lassen sich zuerst einmal in aller Ruhe ein Frühstück schmecken. Doch dann ergreift Hubert Aiwanger das Wort - und die letzten Butterbrezen und Kaffeetassen werden schnell zur Seite geschoben.

Der Landesvorsitzende attackiert die Regierung von Ministerpräsident Horst Seehofer und Berlin scharf. Auch Europa hat er fest im Blick. Seine Rede gewinnt schnell an Fahrt und auch Humor. Mit Sprüchen wie "Da entscheiden Leute, die so viel Ahnung haben wie die Kuh am Sonntag" weckt er seine Zuhörer auf. Sie lachen und applaudieren begeistert. Aiwangers Mimik bleibt während der gesamten Rede hingegen fast unverändert. "Er ist halt ein sehr sachlicher Mensch. Aber er kann Wind machen", meint ein Delegierter aus der Oberpfalz anerkennend. "Ja", für ihn ist Aiwanger "der richtige Mann an der Spitze". Große Chancen für die kommenden Bundestagswahlen 2013 rechnet er sich aber dennoch nicht aus: "Das braucht noch einige Jahre. Aber irgendwann mischen wir ganz vorne mit."

Allerdings sympathisiert der Mann aus der Oberpfalz auch mit den Piraten. Die machen seiner Meinung nach nämlich ebenfalls "viel Wind".

So etwas sollte er Aiwanger lieber nicht hören lassen. Denn der widmet sich in seiner Rede auch ausführlich dieser neuen Gruppierung. "Wir brauchen keine Sprücheklopfer, sondern Leute mit klarem Durchblick", betont der Landesvorsitzende mehrmals.

Seine Hoffnung für die Wahlen: "Die Piraten bleiben knapp unter fünf Prozent". In der Mittagspause von einem Journalisten auf die derzeit guten Umfrageergebnisse der CSU angesprochen, sagt er: "Die sollen weiter träumen. Die Wahrheit wird für sie um so erschütternder".

Aiwanger gibt sich zuversichtlich, auch wenn die jüngsten Umfrageergebnisse für die Freien Wähler alles andere als rosig sind: "Das ist bei uns immer so. Die Umfragen fallen deutlich schlechter aus als das Ergebnis."

Der Landeschef ist von der Politik- und Regierungsfähigkeit seiner Partei überzeugt. Sein Konzept für ein gutes Wahlergebnis lautet unter anderem: "Mehr Nachhaltigkeit, mehr vorausschauendes Denken und weniger Schaum vor dem Mund."

Mit großer Mehrheit verabschiedeten die Delegierten eine Resolution zur Bildungspolitik. Darin lehnen sie eine Gemeinschaftsschule ab und sprechen sich für eine schulartenübergreifende Zusammenarbeit auf regionaler Ebene aus. Eine weitere Resolution heißt "Für ein solides Europa der Bürger und Regionen". Darin fordern die Freien Wähler klare Vorgaben für Länder, die finanzielle Hilfe in Anspruch nehmen. Bei den Rettungsschirmen sehen sie die Grenze der Hilfsbereitschaft für Deutschland als "langsam überschritten". Den Euro will man erhalten, "aber nicht um jeden Preis."

Es gibt aber auch ein unpolitisches Thema, über das bei dem Treffen immer wieder getuschelt wird. Die Liebesbeziehung des Landeschefs zu der Landtagsabgeordneten Tanja Schweiger wurde nun offiziell bestätigt. Von einem "Miteinander" ist bei der Veranstaltung aber kaum etwas zu merken. "Kein Knistern und keine verliebten Blicke. Sehr schade", bedauerte eine Delegierte. Aber sie ist sich trotzdem sicher: "Die haben Potenzial als politisches Glamour- und Powerpaar."

wu/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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