Der Frauchen-Versteher

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Martin Rütter mit einer Sexpuppe für Hunde: Da geht es rein!
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Rosenheim - „Hundeprofi“ Martin Rütter war am Donnerstag im KuKo. Seine Show war mehr Comedy als Hunderatgeber und lockte vor allem Frauen in Scharen an.

Da sitze ich nun also, um 19.05 Uhr, knapp eine Stunde vor Beginn der Show im Saal. Ich bin noch alleine, meine Frau hat mich vorgeschickt, damit unsere Hündin nicht so lange alleine daheim bleiben muss... Die Karten hatte sie schon im Oktober gekauft und als Martin Rütter später sagen wird: "Es läuft doch so: die Frauen kaufen die Karten und die Männer müssen dann mitkommen", fühle ich mich absolut angesprochen!

Auch am Merchandising-Stand waren die Frauen klar in der Mehrheit: hier gab es alle Ratgeberbücher, Hörbücher. DVDs und T-Shirts des "Hunde-Gurus".

Schon mit dem Titel seines neuen Programms „Der tut nix“ schlüpft Rütter in eine Eulenspiegel-Rolle. Eine kurze Handabfrage im Publikum ergibt schnell, dass wohl jeder Hundebesitzer den Satz "Der tut nix, er will nur spielen" mindestens schon einmal gerufen hat. Ja, ich auch! Oder wie der „Hundeprofi“ es ausdrückt: „Die älteste und unverschämteste Lüge aller überforderten Hundehalter!“.

Doch ich kann ihm das nicht übel nehmen. Was auch daran liegt, dass Rütter immer wieder von den Erfahrungen mit seiner ersten eigenen Hündin Mina erzählte. Wer hätte gedacht, dass ein Hund von Martin Rütter mal auf einer Urlaubsreise in Holland einen ganzen Hühnerstall ausgelöscht hat? „Es war ein Schlachtfest“, gestand Rütter, „Mina kam aus dem Stall voller Blut und Federn“. Seitdem jedoch sind viele Jahre vergangen und Rütter ist zu einem Guru der Hundeszene geworden, der massenhaft Hunderatgeber-Bücher verkauft und mit seinen Vox-Sendungen „Der Hundeprofi“ und „V.I.P. Hundeprofi“ berühmt wurde.

Bilder von der Show im Kuko:

"Hundeprofi" Martin Rütter im KuKo

Gleich von Anfang an hatte Rütter im KuKo die Lacher auf seiner Seite, denn seine Show ist mehr Comedy als Hunderatgeber. Mit einem Schwall aus Anekdoten aus seinem Privatleben und Erlebnissen mit seinen Kunden als Hundetrainer, amüsiert er sein Publikum von der ersten Minute an. Nebenbei lässt er aber dann doch immer mal wieder Erziehungstipps für den Alltag einfließen. Und diese Arbeit mit dem Hund, die Erziehung und der Aufbau einer Beziehung, sei ein langer Prozess. Seine eigene Sendung auf Vox verzerre dieses Bild manchmal: „Mich nervt, dass man beim Hundeprofi den Eindruck hat, mit zwei oder drei Besuchen in der Familie sei es getan. Dabei begleiten wir die Hundefamilien über drei bis sechs Monate, mit zehn bis fünfzig Einheiten! Das ist richtig Arbeit!“.

Wen liebt Frauchen mehr?

Frauen aller Alterklassen sind am Donnerstagabend im ausverkauften KuKo klar in der Mehrzahl. Rütter weiß, dass er vor allem auf eine weibliche Fanbasis zählen kann und spielt damit: „Ich behaupte mal, dass Frauen, die sich einen Hund und einen Mann halten, den Hund mehr lieben als ihren Mann!“ Und aus Sicht eines Hundes sei der Ehemann doch auf jeden Fall in der Rangliste unter ihm - dies ergebe sich doch aus einer einfachen Beobachtung:„Frauchen freut sich doch viel mehr, wenn ich ins Bett springe, als wenn Herrchen sich reinlegt!“. Wie wahr...

Der Hundetrainer Martin Rütter als Comedy-Alleinunterhalter auf der Bühne im KuKo.

Dass Hundeliebe auch skurrile Formen annehmen kann, demonstriert er anhand einiger Produkte, die man mittlerweile auf dem Markt kaufen kann: Da wäre ein Vereisungsspray, das Hundekot einfriert um ihn leichter einsammeln zu können. Ein MP3-Player für Hunde. Jacqueline, die Sex-Puppe für den frustrierten Rüden mit passender Öffnung am Hinterteil. Und zuletzt das „Doggy-Phone“: Laut Anleitung gibt dieses einen Signalton ab, wenn der Hund bellend (!) vor der Tür steht. „Manchmal habe ich den Eindruck, die Hersteller glauben, dass wir alle grenzdebil sind, weil wir einen Hund haben!“, so Rütter.

Immer wieder zog Rütter Parallelen zwischen dem Eheleben und dem Leben mit einem Hund. So sei doch zu beobachten, wenn drei Männer und drei Frauen bei einem gemeinsamen Pärchenabend am Restauranttisch sitzen, dass sich alle schön nach Geschlechtern geteilt prächtig unterhalten. Komme dann jedoch ein weiterer Mann („Marke Brad Pitt“) dazu, sei doch eine erstaunliche Verhaltensveränderung zu beobachten: „Plötzlich interessiert sich der Mann für seine Frau. Am liebsten würde er jetzt seine Frau gleich markieren oder den Typen eine reinschlagen und zu zeigen: das ist meine. Da sich dies aber gesellschaftlich nicht durchsetzen konnte und wir Männer uns zu hochsensiblen Wesen weiterentwickelt haben, machen wir was anderes. Der Mann fragt die Frau: Hast du UNSEREN Wohnungsschlüssel eingepackt?“ Solche Gags haben ein bisschen was von Mario Barth. Rütter klärt dann gleich auf: „Warum erzähle ich so eine Menschengeschichte? Weil es die gleichen territorialen Besitzansprüche sind wie bei Hunden!“

"Es ist bestimmt grad schlecht, aber..."

Dass seine Prominenz ihm auch Nachteile bringt, offenbarte Martin Rütter zum Ende der Show. Über das Thema Kastration von Rüden kam es auf Umwege auf seine Vasektomie.

Nach vier Kindern sei doch die Frage gekommen, „wie groß soll das Rütter-Rudel noch werden? Meine Frau sagte: machen wir doch einen konsequenten Schnitt.“ Leider erwartete ihn dann in der Bonner Tagesklinik einer seiner größten Fans: Die lautstarke Arzthelferin Ursula („Herr Rütter, ich war schon zweimal auf ihrer Tour. Was kann ich denn heute mal für sie tun?“). Und selbst bei der OP mit örtlicher Betäubung stellte der Arzt noch Fragen zur Hundeerziehung: „Ich weiß, es ist bestimmt grad schlecht, aber…“ Dies ließ sich der Hundetrainer aber nicht bieten: „Darauf fragte er mich, warum ich denn so unentspannt sei, es sei doch ein Routineeingriff!“.

Nun hänge in der Tagesklinik ein Foto von ihm mit der gesamten Praxisbelegschaft. Entstanden sei es sechs Wochen nach dem Eingriff, als Rütter eine Spermaprobe zur Kontrolle vorbeibringen musste. Das Behältnis wurde dann gleich mitfotografiert...

Das Publikum kriegte sich nicht nur bei dieser Anekdote kaum mehr ein vor Lachen. „Es sei doch wunderbar“, so Rütter zum Abschluss, „dass sich eine eigene Humorkultur unter den Hundeleuten entwickelt hat“. Und nicht nur meiner Frau hat der Abend gefallen - auch mir!

Marcel Görmann

Quelle: rosenheim24.de

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