Interview mit einem Experten

Wie gefährlich war der Meteorit für unsere Region?

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Prof. Dr. Elmar Junker von der Rosenheimer Hochschule ordnet im Interview die Sichtung vom Sonntagabend ein. Links im Bild dieser Fotomontage: Ein Bild des Meteoriten.
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Sind tatsächlich Teile des Meteoriten bei Freilassing abgestürzt? Wir haben bei Prof. Dr. Elmar Junker von der FH Rosenheim nachgefragt. *zwei neue Videos*

Es hält sich im Internet und den Sozialen Netzwerken das Gerücht, dass zumindest Teile des Meteoriten vom Sonntagabend in Freilassing oder Laufen abgestürzt seien. Doch daran scheint nichts dran zu sein!

Auf Nachfrage unserer Redaktion bei den Polizeiinspektionen in Freilassing und Laufen heißt es, dass dort "definitiv nichts" vom Himmel runtergekommen sei.

Auch der Leiter der Sternwarte an der FH Rosenheim, Professor Dr. Elmar Junker, verneint unsere Frage: "Einen Einschlag kann ich nicht bestätigen. Dieser ist zwar möglich aber sehr unwahrscheinlich. (...) Ich habe eine Meldung, dass man Richtung Schweiz einen Überschallknall hörte, dann ist Freilassing sicher falsch." Wenig später ergänzte Junker: "Der Meteorit hatte eine Bahn westlich von Ulm in Richtung Schweiz, daher ist ein Fall bei Freilassing ausgeschlossen."

Im Interview erklärt der Experte, wie gefährlich solche Meteoriten sind und wie oft sie in unserer Region abstürzen:

Herr Professor Junker, was ist bisher über das Himmelsphänomen bekannt? 

Feuerkugelnetz: 

Das Europäische Feuerkugelnetz besteht derzeit aus 25 Kamerastationen in Deutschland, der Tschechischen Republik, Belgien, Luxemburg und Österreich. Die Kameras sind im Abstand von etwa 100 km aufgestellt und decken eine Fläche von etwa 1 Million Quadratkilometer ab.

Mehr Infos hier!

"Ich habe gerade mit Dieter Heinlein dem Leiter des DLR-Feuerkugelnetzes telefoniert. Er sichtet gerade Webcams und teilweise auch die Daten visueller Beobachter. Nach seiner Einschätzung wurde der Meteorit am Sonntagabend gegen 20.44 Uhr gesichtet. Er hatte eine Aufleuchtdauer von rund 15 Sekunden und eine Helligkeit von ca. -13 mag, war damit etwa 10- bis 15-mal heller als der Vollmond! Er ist detoniert, daher ist ein Meteoritenfall wahrscheinlich. Es kann aber mindestens eine Woche dauern, bis die geschätzte Position nach der Auswertung der Daten der Kameras des Feuerkugelnetzes feststeht."   

Ist es denn außergewöhnlich, dass der Meteorit sowohl in Österreich, der Schweiz als auch Deutschland zu sehen war, über eine so große Distanz? 

"Der Bereich ist so groß in dem man die Feuerkugeln (Boliden) sehen kann, weil die Leuchterscheinungen in rund 80 bis 100 km stattfinden."

Wie häufig kommt es in unserer Region zu solchen Ereignissen oder gar Abstürzen von Meteoriten? 

Faszinierend! Prof. Dr. Elmar Junker beobachtet den Sternenhimmel mit Leidenschaft. Hier ist er als Spock zu sehen, neben Astronom Professor Dr. Harald Lesch, bekannt aus TV-Dokumentationen.

"2004 habe ich selbst eine ähnliche Beobachtung von der Sternwarte aus gemacht. Das war damals ein sieben Kilogramm schwerer Brocken, von dem aber nichts unten ankam. Meteoritenfälle gibt es sehr selten, der letzte war am 6. April 2002 als der „Neuschwanstein“ in der Nähe von Schloss Neuschwanstein runterkam. Zu unterscheiden sind Sternschnuppen. Das sind Mini-Meteoriten, mit meist nur ca. 1 mm Durchmesser. Man sieht dann nicht das Glühen des Körpers sondern die leuchtende Luft."

Können Sie sich an Beschädigungen nach einem Meteoriten-Absturz in den letzten Jahrzehnten in der Region erinnern? 

"Es gibt auf der Erde keine sicheren bekannten Zerstörungen durch Direkttreffer von Meteoriten. Im Internet gibt es immer wieder Fakemelddungen und Hoaxes. Vielleicht wurde in den USA mal ein Auto getroffen. Bei Tscheljabinsk vorletztes Jahr (Anmerk. der Red.: Meteoriten-Absturz über Russland) war es die Implosion, eine Druckwelle, die Fenster zerstörte."

Am 13. April findet an der Hochschule zu dem Thema "Die kosmischen Narben der Erde: Meteoritenkrater zeugen von Bomben aus dem All" ein Vortrag mit Dip.-Physiker Dieter Heinlein statt. Beginn ist um 19 Uhr. Weitere Informationen finden Sie hier.

Diese Videos zeigen den Meteoriten vom Sonntagabend:

Einen weiteren Bericht mit Augenzeugen-Beobachtungen aus der Region können Sie hier lesen.

mg/ro24

Quelle: BGland24.de

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