Sechster Prozesstag

Rentner-Mord: Angeklagter keift gegen Polizistin

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Der Beschuldigte.
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Traunreut - Ein 26-jähriger Niedersachse muss sich wegen dem Mord an einem Traunreuter Rentner vor Gericht verantworten. Als eine Polizistin in den Zeugenstand tritt, verliert er die Kontrolle. *UPDATE 14.44 Uhr*

UPDATE 15.37 Uhr: Verhandlung unterbrochen

Für heute ist die Berichterstattung aus dem Gericht beendet. Weiter geht die Verhandlung am 11. Mai.

UPDATE 14.45 Uhr: Angeklagter greift Polizistin verbal an

Das Gericht lässt das Protokoll der polizeilichen Vernehmung zu - allerdings nur bis zur Seite elf. Wie der vorsitzende Richter Erich Fuchs erklärte, sei der Angeklagte nicht in seinem Willen beschränkt worden durch die Befragung. Zudem sei er von sich aus in einen Monolog verfallen, nachdem er gesagt hatte, er wolle keine Fragen mehr beantworten und werde einen Anwalt einschalten. Daher sei die Vernehmung zulässig. Anschließend kamen noch einmal die beiden Vernehmungsbeamten zu Wort. Eine Polizistin berichtet, dass er die Tat auch damals bestritten habe. Als die Beamten ihm aber von der gefundenen Essigflasche erzählten, sei er plötzlich nervös geworden. Weiter erläutert die Beamtin, dass die Flasche Essigessenz auf dem Bett gefunden wurde und mit Kaffeepulver bedeckt war. Dies spricht dafür, dass der Täter die Flüssigkeit auf dem Bett verschüttet hat, um mögliche Spuren zu vernichten. Nun muss die Verhandlung wieder unterbrochen werden, weil der Angeklagte sich nicht im Zaum hält und immer wieder bissige Kommentare in Richtung der Beamtin ablässt.

UPDATE 12.07 Uhr: Polizeiprotokoll unzulässig?

Am Montagvormittag ging es um die Frage, ob das Protokoll der zweiten polizeilichen Vernehmung zulässig ist, oder nicht.

Um das zu ergründen, machten die beiden Beamten, die damals die Vernehmung geführt hatten, ihre Aussage vor Gericht. Demzufolge habe die Befragung knapp zwei Stunden gedauert. Der Beschuldigte sei korrekt über seine Rechte belehrt worden und man habe sofort einen Anwalt kontaktiert, nachdem er das verlangt habe.

Dem widerspricht allerdings Verteidiger Axel Kampf: Er prangerte an, dass die Vernehmung nicht beendet worden sei, obwohl sein Mandant eindeutig gesagt habe, er werde nichts mehr sagen und werde einen Anwalt einschalten.

Zudem leide das Protokoll an Fehlern. "Es ist nicht erkennbar, was Frage und was Antwort ist", so Kampf. Das Gericht wird am Nachmittag über den Antrag entscheiden.

UPDATE 10.47 Uhr: Andere Verdächtige werden aussagen müssen

Am fünften Prozesstag hatte Verteidiger Axel Kampf bereits eine Reihe anderer Tatverdächtige ins Spiel gebracht. In insgesamt acht Anträgen präsentierte er zahlreiche Personen aus dem Drogen- und Rotlicht-Milieu, die als Täter in Frage kämen.

Aber auch ein Hundezüchter, dem das Opfer Geld geschuldet haben soll, hätte ein Motiv gehabt, so der Verteidiger. Das Gericht entschied sich zwischenzeitlich dafür, die genannten Personen als Zeugen vorzuladen. Wie Kampf bestätigte, werden diese am kommenden Montag aussagen.

UPDATE 10.19 Uhr: Gehört der Deckel eindeutig zur Flasche?

Auch am sechsten Verhandlungstag geht die Suche nach Beweisen, die für den mittlerweile 26-jährigen Niedersachsen als Täter sprechen, weiter.

Am Vormittag sagte ein Experte zu der Flasche Essigessenz aus. Zur Erinnerung: Auf dem Verschluss der Flasche war DNA des Beschuldigten gefunden worden. Den Inhalt hatte jemand - vermutlich der Täter - über das Bett des Opfers verschüttet.

Am fünften Prozesstag hatte ein Mitarbeiter des Lebensmittelkonzerns, der die Essigessenz produziert, ausgesagt, dass die spezielle Flasche am 24. März 2014 hergestellt wurde. Das bedeutet, dass der 26-Jährige die Spuren nicht vor seinem Gefängnisaufenthalt 2013 hinterlassen haben kann.

Zwar hat er bereits ausgesagt, dass er danach erneut in der Wohnung des Rentners gewesen sei, doch es war keine Rede davon, dass er die Essigflasche angefasst habe. An diesem Montag ging es nun erneut um die Frage, ob der Deckel mit den DNA-Spuren auch definitiv zu der Flasche gehört.

Ein Mitarbeiter der Firma, die für die Produktion der Verschlüsse zuständig ist, sagte aus, dass man den Deckel nicht eindeutig der Flasche zuordnen könne. "Es ist nur sicher, dass diese Verschlüsse seit 2011 geliefert werden." Näher eingrenzen konnte der Zeuge es nicht.

Vorbericht:

Der Prozess gegen einen 26-jährigen Mann aus Niedersachsen geht weiter. Ihm wird angelastet, einen 61-jährigen Traunreuter in dessen Wohnung erstochen zu haben. Der Beschuldigte schweigt bislang zu den Tatvorwürfen. Dafür übernahm sein Verteidiger Axel Kampf das Reden und beantragte gleich am ersten Verhandlungstag, die polizeilichen Vernehmungs-Protokolle seines Mandanten auszuschließen. Der vorsitzende Richter Erich Fuchs lehnte diesen Antrag allerdings am zweiten Prozesstag ab, mit der Begründung, dass der Beschuldigte von der Polizei korrekt belehrt worden sei und die Dauer der Vernehmungen ihn nicht in seinem Willen beeinträchtigt hätten.

Die Prozesstage drei und vier dienten in erster Linie dazu, den Todeszeitpunkt des Rentners genauer einzugrenzen. Doch sowohl die Befragungen der Einsatzkräfte, als auch die Aussagen der Nachbarn und Bekannten des Opfers, erbrachten dabei keine entscheidenden Hinweise auf den Zeitraum des Todes. Einzig eine 23-jährige Bekannte des Opfers gab an, den 61-Jährigen mit dem Beschuldigten am Donnerstag (15. Mai 2014) noch gesehen zu haben. "Sie standen zusammen an den Mülltonnen bei der Traunpassage." Die Leiche des Rentners war am Samstag (17. Mai 2014) gefunden worden. Somit käme der Donnerstag als Tatzeitpunkt durchaus in Betracht. Das Problem an der Aussage der Zeugin: Der Beschuldigte ist nachweislich an diesem Tag von Beamten in Norddeutschland wegen eines Fahrraddiebstahls vernommen worden.

Bislang konnte das Gericht somit noch nicht eindeutig nachweisen, dass sich der Beschuldigte - im Zeitraum des Mordes - in Traunreut befunden hat. Zudem gibt es auch wenig Indizien, die auf den 25-Jährigen als Täter hindeuten: Das Tatmesser wies keine Spuren auf, da es nach dem Mord bei 60 Grad in der Waschmaschine gewaschen wurde. Fehlanzeige auch in der Wohnung, in der gewischt und anschließend Kaffeepulver, Mehl, Zucker und Essigessenz verteilt wurde.

Am fünften Verhandlungstag brachte Verteidiger Kampf nun eine ganze Reihe anderer Tatverdächtige ins Spiel: In acht Beweisanträgen stellte er die Behauptung auf, dass das Opfer teils für Liebesdienste bezahlt habe, was finanzielle Verpflichtungen nach sich gezogen habe und somit ein Tatmotiv für eine dieser Frauen ergebe. Aber auch ein Hundezüchter, dem das Opfer Geld geschuldet haben soll, hätte ein Motiv gehabt, erklärte der Verteidiger.

Quelle: chiemgau24.de

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