Samerstraße: So urteilte das Gericht

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Der 43-jährige Angeklagte.

Traunstein/Rosenheim – Der 43-jährige Angeklagte hatte seine Ex-Frau im Februar 2011 brutal umgebracht. Doch war es Mord oder Totschlag? Am Freitag fiel nun das Urteil.

Ohne Zweifel hat der Angeklagte seine Frau im Februar 2011 auf brutalste Weise umgebracht. Zuerst schlug er sie mehrmals mit einem Stock ins Gesicht, stach anschließend einige Male mit einem Küchenmesser auf sie ein und drosselte sie dann noch mit einer Strumpfhose. Zum Schluss zog er das schwerst verletzte Opfer unter ein geparktes Auto und deckte es mit einer Plane zu. Doch hat er sich damit des Mordes oder des Totschlages schuldig gemacht? Dieser Frage musste das Gericht an diesem Freitag auf den Grund gehen, weil das erste Urteil, das auf Mord gelautet hatte, wegen eines formellen Fehlers keinen Bestand hat.

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Staatsanwalt Ingo Handlanger machte in seinem Plädoyer klar, dass “der Angeklagte sich auch weiterhin des Mordes schuldig gemacht hat”. Er habe mit einem Tötungsvorsatz gehandelt, das sei aus den Aussagen des 43-Jährigen bei der polizeilichen Vernehmung ersichtlich. “Die Beamten haben zwar bei dieser Vernehmung den Angeklagten nicht über den Zustand des Opfers belehrt.” Doch trotzdem seien die Aussagen zulässig, weil der Angeklagte nach Meinung des Staatsanwalt, bereits gewusst habe, dass seine Ex-Frau tot war. Dafür spreche, dass er sein Opfer nach der Tat zugedeckt hatte. Darüber hinaus habe der 43-Jährige auch heimtückisch gehandelt. “Nach eigenen Angaben bei der polizeilichen Vernehmung hat er ausgesagt, dass er seiner Ex-Frau sofort, nachdem sie aus dem Auto ausgestiegen war, mit dem Stock auf den Kopf geschlagen hat.” Somit sei das Opfer in diesem Moment arglos und damit auch wehrlos gewesen. Die spätere Aussage des Angeklagten, dass es vor dem ersten Schlag ein Streitgespräch gegeben habe und er so zur Tat provoziert worden sei, sei konstuiert worden, um den Punkt der Heimtücke zu widerlegen. “Ich glaube ihm dabei kein Wort”, so Handlanger. Er fordert daher eine Verurteilung wegen Mordes und damit eine lebenslange Haftstrafe für den Angeklagten.

Verteidiger Peter Dürr:

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Der Anwalt der Verteidigung, Peter Dürr, sieht hingegen weder das Mordmerkmal der Heimtücke, noch das der niedrigen Beweggründe als erfüllt. Nach seiner Auffassung habe der Angeklagte sein Opfer entführen wollen. “Die Situation ist dann völlig aus dem Ruder gelaufen. Der Angeklagte hatte das aber nicht beabsichtigt”, so Dürr. Zudem sei das Opfer auch nicht arglos gewesen, weil dem ersten Schlag durch den Angeklagten ein Streit vorausgegangen sei. Das belege auch die Aussage einer Zeugin, die einen lauten Streit gehört hatte. Nach Meinung der Staatsanwaltschaft sei es aber nicht vor, sondern während der Tat zu diesem Streitgespräch gekommen. Der Verteidiger beantragte den 43-Jährigen wegen Totschlags zu verurteilen. Die Bemessung der zeitlichen Gesamtstrafe überließ er dabei dem Ermessen des Gerichts.

Definition für Heimtücke:

Das bewusste Ausnutzen der auf Arglosigkeit beruhenden Wehrlosigkeit des Opfers in feindseliger Willensrichtung.

Nach einer Beratungspause verkündete dann der vorsitzende Richter Dr. Klaus Weidmann das Urteil: “Der Angeklagte ist schuldig des Mordes. Er wird zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt und trägt die Kosten des Verfahrens.” Zur Begründung meinte Weidmann, dass bei dem Fall das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt sei, weil das Opfer sowohl arglos, als auch wehrlos gewesen sei. Die spätere Aussage des Angeklagten, dass es vorher zu einem Streit zwischen Opfer und Täter gekommen sei, hielt das Gericht nicht für glaubwürdig. Die Kammer sah auch keinen Anlass, ein Verwertungsverbot für das Geständnis des Täters bei der polizeilichen Vernehmung auszusprechen. “Er hatte von sich aus den Drang, seine Situation bei der Vernehmung genau zu schildern. Und auch auf die ausdrückliche Frage der Beamten, meinte er, er wolle keinen Anwalt”, erklärte Weidmann. Daher sei, nach Auffassung des Gerichts, seine Aussage zulässig.

Auf Nachfrage von rosenheim24.de meinte Rechtsanwalt Peter Dürr, dass die Verteidigung Rechtsmittel einlegen werde.

Dazu hat er jetzt eine Woche Zeit, allerdings wird er zur abschließenden Bewertung auch die schriftliche Begründung des Gerichts abwarten müssen. Dieses hat nun sieben Wochen Zeit. Die Revision wird aber definitiv eingelegt, so Dürr gegenüber Radio Charivari.

red/ps

Quelle: rosenheim24.de

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