Rosenheim

"Motor der Sanierung"

Marina Triltsch im Gespräch mit (von links) Claudia Bultje-Herterich, Heike Skok, Florian Ludwig und Christian Ehinger zur Umgestaltung des Ludwigsplatzes. Foto : heuser

Als "Impulsprojekt und Motor der erweiterten Altstadtsanierung" bezeichnete Dagmar Voss, Geschäftsführerin der Landesgartenschau Rosenheim 2010 GmbH, die kommende Großveranstaltung.

Es gehe nicht ums Grün, sondern um Stadtentwicklung an sich, um Belebung von Brachflächen und Vernetzung von Grünstrukturen. Bei der Städtebauförderung-Jahrestagung der Regierung von Oberbayern im Ballhaus-Stucksaal vor über 200 Vertretern oberbayerischer Kommunen, die am Förderproramm teilnehmen, betonte sie den Effekt wegweisender Stadtsanierungen, seit Bayern 1980 mit Landesgartenschauen im zweijährigen Turnus begonnen habe. Voss präsentierte Vorher-Nachher-Bilder vergangener Gartenschauen und auch aktuelle aus Rosenheim, die deutlich machten, wie sehr sich die Stadt nun verändere und zu den Flüssen öffne. "Das ist die erste Gartenschau, in der acht Brücken gebaut wurden", hob sie hervor.Baudezernent Helmut Cybulska würdigte in seinem Vortrag die Landesgartenschau als "Jahrhundertchance der Rosenheimer Stadtentwicklung". Die mit 37 Quadratkilometern sehr kleine Stadtfläche bedinge eine Bewohnerdichte von 1600 Personen pro Quadratkilometer, vergleichbar mit Großstädten wie Augsburg oder Nürnberg. Nach Bändigung der Hochwassergefahr habe sich zwischen Altstadt und den Flüssen ein Sperriegel von Gewerbebauten und entwickelt. Die Schubkraft der Landesgartenschau mache nun aus Lagerflächen und Parkplätzen einen neuen Stadtteil. Ab 2011 werde verstärkt das rund 54 Hektar große Gebiet um den Bahnhof weiterentwickelt.


Über die Neuordnung der Altstadt Ost referierte Dr. Hans-Peter Dürsch aus München, der städtebauliche Projektleiter für dieses Vorhaben, eine "kommunale Initiative im Spannungsfeld öffentlicher und privater Investitionen und sozialer Aufgaben". Dürsch organisiert die Zusammenarbeit aller Akteure, darunter Stadt und GRWS, Wasserwirtschaftsamt, Klinikum, Planer oder private Bauherren. "Es ist ein gut angelegtes Team, in dem wir arbeiten", so Dürsch. Am Anfang habe eine straffe Organisationsstruktur und das Projekthandbuch gestanden, in dem Aufgaben und Ablauf festgeschrieben wurden. Das Maßnahmepaket werde nun danach abgearbeitet.

Private Initiativen erwünscht


Dürsch hob auch die privaten Initiativen im Gebiet hervor, beginnend mit dem Hofbräu-Komplex über Künstlerhof und Möbel Spanrad bis zur Burgermühle. "Der Stadtteil entwickelt Dynamik", so Dürsch, der anmerkte, dass ohne die Landesgartenschau die Sanierung des Bahnhofs vermutlich noch nicht in die Gänge gekommen wäre.

In einem Podiumsgespräch befragten Claudia Bultje-Herterich und Stadtmarketing-Leiter Christian Ehinger zwei Bürger zu ihren Erwartungen in Bezug auf die Altstadt Ost. Marina Triltsch ist mit ihrem Modegeschäft "Raphael" in das ehemalige Fröschlhaus umgezogen, das ihr Mann erworben und umgebaut hatte. Den Umbau des Ludwigsplatzes hat sie als eine Zeit voller Lärm, Staub und Nervenanspannung in Erinnerung. Dank vieler Stammkunden hätte sich der Umsatzeinbruch noch in Grenzen gehalten.

"Das Ambiente ist jetzt viel schöner geworden", würdigte die Geschäftsfrau die Platzsanierung und hofft nun auf einen attraktiven Grünen Markt, "der aber schon bis 17 Uhr betrieben werden sollte". Jetzt sei der Platz ab 14 Uhr eine "Steinwüste", und den Kunden sei es schlecht vermittelbar, warum sie dort zum Abholen nicht zehn Minuten parken könnten. Sie freue sich auch darauf, in der Mittagspause ab nächstes Jahr in den Mangfallpark gehen zu können.

Studienrat Florian Ludwig ist vor zweinhalb Jahren in den Binderweg gezogen und schätzt die Nähe zum Karolinen-Gymnasium wie auch zur Innenstadt. Dazu komme jetzt noch durch den entstehenden Park, dass er es zum Joggen bald noch näher habe, so der junge CSU-Stadtrat. Durch die Verlegung des Hubschrauberlandeplatzes gebe es weniger Lärm, und er könne es sich gut vorstellen, hier Wohnungseigentum zu erwerben.

"Stadtteil im Umbruch"

Die Soziologin Heike Skok vom Quartiersbüro der Altstadt Ost, das seit eineinhalb Jahren existiert, berichtete über ihre Arbeit in diesem "Stadtteil im Umbruch", in der eine Aufgabe sei, Konflikte zwischen eingesessenen Anwohnern und neuen Nutzungen abzubauen. Hierzu merkte Ludwig an, dass es wohl dazu kommen werde, dass um drei Uhr Sperrstunde sei. hh

Quelle: rosenheim24.de

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