Mehrere Ärzte und Pfleger in Mühldorf mit Coronavirus infiziert

Oberärzte berichten: So ist die Lage in den Kliniken im Kreis Mühldorf

Oberärzte der CoVid Klinik Mühldorf und des Klinikum Haag im Interview nach Corona-Fällen unter Mitarbeitern
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Oberarzt Dr. Daniel Heidenkummer, Pandemiebeauftragter Arzt und Klinischer Risikomanager und Oberarzt Dr. Thomas Parnitzke, Pandemiebeauftragter Arzt und Krankenhaushygieniker berichten im Interview mit innsalzach24.de über die Lage der Mitarbeiter der CoVid-Klinik in Mühldorf und der Klinik in Haag. In Mühldorf war Ende der vergangenen Woche bei mehreren Ärzten und Pflegekräften eine Infektion mit dem Coronavirus festgestellt worden.

Mühldorf am Inn - Im Gespräch mit innsalzach24.de berichten zwei Oberärzte wie in der Corona-Krise derzeit die Lage in den beiden Krankenhäusern im Landkreis Mühldorf ist.

Ende der vergangenen Woche sorgte ein Bericht des ZDF für Aufsehen, wonach sich etliche Mitarbeiter des InnKlinikum Mühldorf mit dem Coronavirus infiziert haben. Zudem beklagten Ärzte des Klinikums im Gespräch mit dem Fernsehsender knapp werdende Schutzausrüstung. Es ist nicht der erste Fall dieser Art in der Region. Bereits Mitte März wurde das Virus bei einem Arzt in der Kreisklinik Burghausen nachgewiesen. In Ruhpolding musste, weil sich Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert haben, das Klinikum vorübergehend sogar komplett "vom Netz genommen" werden.


Auch im Juli beschäftigt die Corona-Krise das Innklinikum weiter. Es musste erhebliche finanzielle Belastungen schultern und fordert, dass Bund und Freistaat ihm nun unter die Arme greifen.

Im Gespräch mit innsalzach24.de berichten Oberarzt Dr. Thomas Parnitzke, Pandemiebeauftragter Arzt und Krankenhaushygieniker und Oberarzt Dr. Daniel Heidenkummer, Pandemiebeauftragter Arzt und Klinischer Risikomanager über die Lage der Mitarbeiter der CoVid-Klinik in Mühldorf und der Klinik in Haag.


Wie geht es den infizierten Mitarbeitern?

Dr. Thomas Parnitzke: "Die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befinden sich in häuslicher Quarantäne. Etwa ein Drittel davon hat milde bis mittelschwere Symptome, der Rest ist nahezu symptomfrei. Zwei Mitarbeiter waren vorübergehend in stationärer Behandlung."

Weiß man schon, wie sie sich infiziert haben? 

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Dr. Thomas Parnitzke: "Nur ein sehr geringer Teil der Mitarbeiter hat sich bei unseren Patienten infiziert. Ein Teil der Infektionen dürfte im Kollegenpreis passiert sein. Es kann leider vorkommen, dass ein Mitarbeiter der erkrankt ist aber keine Symptome zeigt, andere Mitarbeiter ansteckt. Erst wenn diese dann symptomatisch werden, erkennt man bei der Rückverfolgung der Infektionskette den Ursprung. Aus diesem Grund haben wir sicherheitshalber auch am 4. April in unserem CoVid-Haus in Mühldorf eine Station vorübergehend evakuiert. Eine nicht unerhebliche Rolle spielen natürlich auch Infektionen im privaten Umfeld."

Welche Rollen im Klinikum haben die infizierten Mitarbeiter? 

Dr. Thomas Parnitzke: "Es handelt sich um Pflegekräfte, Ärzte und Medizinische Fachangestellte." 

Wie steht die Zahl der Infizierten in Relation zum Gesamtpersonal? 

Dr. Daniel Heidenkummer: "Das entspricht einem Prozentsatz von rund 2,3 Prozent aller Mitarbeiter der Kliniken in Mühldorf und Haag." 

Hat ihr Ausfall eine Auswirkung auf den Betrieb? 

Dr. Daniel Heidenkummer: "Die ohnehin knappen Personalressourcen bei der Pflege könnten sich weiter verschärfen. Allerdings kommen auch geheilte Mitarbeiter zurück an den Arbeitsplatz. Dennoch werden generell künftig mehr Pflegekräfte, insbesondere im Intensivbereich benötigt."

Konnten eventuell auf Grund dieses Falls neue Abläufe oder Lehren für das künftige Vorgehen gezogen werden? Muss möglicherweise davon ausgegangen werden, dass so etwas nun öfters passieren wird? 

Dr. Thomas Parnitzke: "Die persönlichen Schutzmaßnahmen wurden trotz Materialknappheit erneut verbessert. Und die regelmäßigen Schulungen des persönlichen Hygieneverhaltens noch einmal intensiviert. Mit besserer personeller Ausstattung im Bereich der Pflege und einer ausreichenden Versorgung mit persönlicher Schutzausrüstung ist das Risiko reduziert aber nie ganz ausgeschlossen." 

Im ZDF-Beitrag war die Rede von einer Knappheit an Ausrüstung, wie ist dabei der aktuelle Stand? 

Dr. Daniel Heidenkummer: "Der größte Mangel besteht gegenwärtig im Bereich der Schutzkittel aber wir vertrauen hier auf unsere Spezialisten vom Einkauf, die es bisher immer geschafft haben, uns in Zeiten der größten Knappheit mit Material zu versorgen."

hs

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