Mühlthalquellen als Notfall-Versorgungsquelle

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Bei den Mühlthalquellen auf Pruttinger Gemeindegebiet wollen die Stadtwerke eine Notfallversorgung für Trinkwasser aufbauen. Von der Planung am Hofstätter See haben sie sich wegen "hoher Emotionalisierung" verabschiedet.

Rosenheim - Das Grundwasser unter dem Hofstätter See kommt für die Stadtwerke Rosenheim als Notfall-Versorgungsquelle nicht mehr in Frage. Das sagte nun Stadtwerke-Chef Dr. Götz Brühl.

Stattdessen haben die Werke ein wasserrechtliches Verfahren für die in der Nähe liegenden Mühlthalquellen eingeleitet.

Die Forderung des Umweltministeriums, eine Notversorgung aufzubauen, ist alt. Der Versuch der Stadtwerke, dafür das Grundwasser unter dem Hofstätter See zu nutzen, verlief jedoch im Sande. Die Gegner des Vorhabens hätten so getan, als wäre der Hofstätter See selbst betroffen gewesen, beklagte Brühl gestern in einem Pressegespräch. Tatsächlich sei es um das um 15 Meter unter dem Seespiegel liegende Grundwasser gegangen. Um in der Sache voranzukommen, haben die Stadtwerke inzwischen ein wasserrechtliches Verfahren für die Mühlthaler Quellen am Inn eingeleitet. Sie liegen auf der östlichen Innseite, auf Pruttinger Gemeindegebiet. Die Rechte haben sich die Stadtwerke bereits gesichert.

Am Tag zuvor hatte CSU-Stadtrat Dr. Wolfgang Bergmüller im Haupt- und Finanzausschuss des Stadtrats bereits gefordert, der Sicherung der Notversorgung sei höchste Priorität einzuräumen. Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer stimmte dem nachdrücklich zu, wies aber gleichzeitig darauf hin, dass es sich in Schutzgebiet Willing um ein sogenanntes 200-jährliches Regenereignis gehandelt habe, um einen absoluten Ausnahmefall.

Bürger forderten schon 2004 einen Gülle-Stopp

Schon 2004 hatte eine Gruppe besorgter Bürger auf die aus ihrer Sicht mangelhafte Trinkwasserschutzverordnung für das Willinger Gebiet hingewiesen und gefordert, das Ausbringen von Gülle in der engeren Schutzzone zu verhindern. Einer der Sprecher der Interessengemeinschaft "Schutz des Rosenheimer Trinkwassers" war Wasserwirtschafts-Ingenieur Klaus Klöpper. Er notierte damals, bei einer Besprechung habe der in jener Zeit zuständige Sachbearbeiter des Gesundheitsamtes erklärt, es sei bei wöchentlichen Untersuchungen innerhalb von fünf Jahren keine E-coli-Belastung festgestellt worden. Es bestehe also keine Gefährdung des Grundwassers. Die Stadt habe danach allerdings langwierige Gespräche mit einzelnen Landwirten über vertragliche Regelungen zur Unterlassung der Gülleausbringung geführt.

Die Schutzzone in Willing ist in zwei Zonen eingeteilt. Nur in der inneren Zone ist das Ausbringen von Gülle untersagt, in der äußeren nicht. Starker Regen hatte den Boden jetzt so durchlässig gemacht, dass die von den Landwirten vorher verspritzte Gülle in das Grundwasser geraten ist, das rund 80.000 Menschen im Versorgungsgebiet der Stadtwerke als Trinkwasser dient. Dass die Deckschicht sehr knapp ist, darauf machte schon früher die Interessengemeinschaft aufmerksam. Dies räumte auch Brühl bei der Schilderung der jüngsten Ereignisse ein: "Es gibt Gänge von Wühlmäusen und Kaninchen und die ansonsten filternden Schichten sind ohnehin dünn."

Brühl erklärte, die in den Proben letzte Woche entdeckten koliformen Keime, Stoffe aus dem Verdauungstrakt, seien im Prinzip unbedenklich: "Nicht schlimmer, als wenn Sie den Finger in den Mund stecken, um eine Seite umzublättern." E-coli-Bakterien können hingegen Durchfallerkrankungen auslösen. Insgesamt zwei e-coli-Bakterien waren in 150 Proben mit je 100 Milliliter festgestellt worden.

Dass in Zone B des Schutzgebietes Gülle ausgebracht werden darf, war immer ein Kompromiss. Nach der Verunreinigung des Wassers wird nun an eine Erweiterung der güllefreien Zone gedacht. Die Umsetzung wäre Sache des Landkreises. Nach den Worten von Brühl gibt es beim Landratsamt auch Überlegungen, das Ausbringen von Gülle im Umkreis der Brunnen kurzfristig ganz zu untersagen.

Auf freiwilliger Basis haben einige Landwirte schon bisher darauf verzichtet, aber eben nicht alle. Brühl spricht von einer schwierigen Situation. Es gebe nun einmal viel Landwirtschaft in diesem Gebiet, und die Landwirte würden sich fragen: "Wohin mit der Gülle?"

Für die Stadtwerke stelle sich nun die Frage, ob sie mehr Grundstücke kaufen müssen. Diese würden ihnen jedoch selten angeboten. Unabhängig davon gibt es bei den Stadtwerken schon länger die Planung, möglicherweise einen Brunnen in Willing stillzulegen und einen neuen weiter südlich zu bauen, eventuell mit einer neuen Art der Entkeimung. Zusätzlich wird das wasserrechtliche Verfahren für die Mühlthalquellen vorangetrieben, um in einem Fall, wie er jetzt eingetreten ist, die Bevölkerung weiter mit einwandfreiem und ungechlortem Trinkwasser versorgen zu können.

Zugesetzt werden derzeit 0,6 Milligramm Chlor pro Liter. Wenn die Verbraucher den Wasserhahn aufdrehen, müssen mindestens noch 0,2 Milliliter ankommen. Für morgen hoffen die Stadtwerke auf eine Aufhebung des Abkochverbots. Chlor ist gesundheitlich unbedenklich, aber es riecht und schmeckt unangenehm. Damit werden sich die Kunden der Stadtwerke nach den Worten Brühls noch mindestens zwei Wochen nach der Entwarnung abfinden müssen. Eine Verordnung des Gesundheitsamts sieht 30 Tage vor.

re/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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