Streit um Nazi-Grab auf Fraueninsel

"Verbrecher-Schandmal" soll weg - keine Einigung wegen Jodl

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Wolfram Kastner zeigt ein Bild vom modifizierten Grabstein auf der Fraueninsel.
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München/Chiemsee - Der Streit um das Grabkreuz für den Nazi-Kriegsverbrecher Alfred Jodl auf dem Friedhof der Fraueninsel geht in die nächste Runde. Am Donnerstag wurde der Prozess vor dem Oberlandesgericht München vertagt:

Der Künstler Wolfram Kastner wehrt sich gegen eine einstweilige Verfügung eines Nachkommens Jodls, der weitere künstlerische Aktionen an der Grabstätte verhindern will. Zudem wollte Kastner, dass das "Verbrecher-Schandmal" entfernt wird: "Das Ding muss weg!" In der Zivilverhandlung am Landgericht hat der Richter am Donnerstag keine Entscheidung verkündet und hierfür einen neuen Termin angesetzt. Eine gütliche Einigung der beiden Parteien um das Grabkreuz kam nicht zustande. 

Annäherung der Parteien

Kastner erklärte sich in der Verhandlung bereit, auf weitere künstlerische Aktionen zu verzichten, sofern die Nachfahren Jodls eine "dezente Hinweistafel" mit einem Erklärtext zu dem Kriegsverbrecher an dem Grabkreuz anbringen würden. Der Nachkomme lehnte dies ab und fand dies "kontraproduktiv". Er erkenne die schwere Schuld seines Vorfahren voll an, wolle aber verhindern, durch ein Schild zusätzliche Aufmerksamkeit auf das Grabkreuz zu lenken, sagte sein Anwalt. Die Familie würde dadurch unter „eine Art Sippenhaft“ gestellt werden.

Einen zweiten Gütevorschlag Kastners, nämlich Namen und Funktion Alfred Jodls von dem Grabkreuz zu entfernen, lehnte der Nachkomme schließlich nicht ab, bat aber darum, sich mit Verwandten besprechen zu können. Zudem will er dafür nicht die Kosten übernehmen 

Der Richter vertagte daraufhin die Entscheidungsverkündung um zwei Wochen. Allerdings hatte dieser dabei zuvor schon klargestellt, dass Jodl schlimme Verbrechen begangen habe: "Das ist unstrittig!"

Hintergrund:

Kastner hatte das Denkmal für Jodl auf der Fraueninsel im Chiemsee unter anderem mit einer Hinweistafel („Keine Ehre dem Kriegsverbrecher“) und mit roter Farbe als Symbol für das vergossene Blut versehen. Das Gedenkkreuz für Jodl sei ein Ärgernis für viele Bewohner der Fraueninsel und zugleich ein Anziehungspunkt für Rechtsextreme, sagte der Künstler.

Alfred Jodl war Chef des Wehrmachtsführungsamtes und wurde im Nürnberger Prozess 1946 als Hauptkriegsverbrecher zum Tode verurteilt. Nach der Hinrichtung wurde der Leichnam verbrannt und die Asche Jodls in der Isar verstreut. In dem Grab auf der Fraueninsel sind Angehörige von ihm begraben. Auf einem Kreuz steht sein Name.

Quelle: chiemgau24.de

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