Über die touristische Zukunft der Alpen:

"Kunstschnee finanziert durch Steuergelder"

Rosenheim/Schmirn - Bei der Grünen-Alpenkonferenz in Tirol am vergangenen Wochenende waren sich die Teilnehmer einig. Die Bergregionen müssen zukunftsfähig bleiben. Wie das erreicht werden soll: 

Die Alpen sind, weit über die Hochgebirgsregionen hinaus, ein identitätsstiftender Lebens- und Kulturraum im Herzen Europas. Jedoch stellen Globalisierung, Klimawandel, Massentourismus und der zunehmende Transitverkehr den Alpenraum vor neuen Herausforderungen: So zeigt sich die Abwanderung von BewohnerInnen für viele strukturschwache Täler als ein massives Problem, aber auch die zunehmende Verstädterung von touristischen Ballungszentren, die agrarische und touristische Kleinstrukturen zerstört, gilt es kritisch zu betrachten. Daher sind kreative und energische politische Weichenstellungen gefordert.

100 Teilnehmer aus der Alpenregion

Um zukunftsfähige, länderübergreifende Strategien für den Alpenraum zu entwickeln, haben am vergangenen Wochenende rund 100 TeilnehmerInnen aus Bayern, Liechtenstein, der Schweiz, Südtirol und Österreich unter der organisatorischen Leitung der Grünen Bildungswerkstatt Österreich im Tiroler Bergsteigerdorf Schmirn (Wipptal) gemeinsam über die Themen Mobilität, Tourismus, Kultur und (Land-)Wirtschaft diskutiert. Zu Gast waren dabei auch die beiden Landeshauptmannstellvertreterinnen Ingrid Felipe (Tirol) und Astrid Rössler (Salzburg) sowie der Vorarlberger Landesrat Johannes Rauch.

In Vorträgen, Workshops und Exkursionen wurden sowohl gesamtheitliche, theoretische Perspektiven beleuchtet als auch konkrete Lösungsvorschläge für einzelne Probleme erarbeitet. Die Vielfalt der Themen spiegelte die Diversität der TeilnehmerInnen wieder: Während Werner Bätzing die Folgen eines Zerrbildes der Alpen thematisierte, nahm Gerlind Weber in ihrer demografischen Analyse die Abwanderung von jungen Frauen aus den Dörfern in den Fokus und machte auf die ebenso bedenkliche Situation der meisten Gemeinden durch Überalterung und Unterjüngung aufmerksam. Eine Möglichkeit der Abwanderung von Frauen zu begegnen sah Josef Hechenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Tirol, in einer Umkehrung des traditionellen Rollenbildes: oft wäre es praktikabler, wenn die Frauen auspendeln und die Männer stattdessen die Höfe führen würden. Deutlich wurde aber auch, wie wichtig transparente Entscheidungsprozesse über die üblichen Diskussionen in den politischen Gremien hinaus sind.

Zusammenarbeit aller Ebenen gefordert

Das breite Spektrum der Tagung wurde nochmals in der abschließenden Podiumsdiskussion erfahrbar, wo die verschiedenen Themen leidenschaftlich aber konstruktiv diskutiert wurden; trotz der oftmals unterschiedlichen Sichtweisen waren sich am Ende alle einig: für eine gute Zukunft des Alpenraumes ist eine verstärkte Zusammenarbeit von BewohnerInnen, Experten, PolitikerInnen und Institutionen in den Entscheidungszentren von immenser Bedeutung.

Grüne sind in allen Alpenländern (teilweise sogar sehr stark) politisch vertreten und durch ihren gemeinsamen Willen geeint, die Bergregionen als zukunftsfähigen Kultur- und Wirtschaftsraum zu erhalten. Dieses Potential gilt es zu nützen: Alpenweite Probleme können nur über Grenzen hinweg angegangen und in der europäischen Politik nur mit einer geeinten Stimme hörbar werden. 

Mit dabei im beschaulichen Schmirn war auch Claudia Stamm, MdL und haushaltspolitische Sprecherin der GRÜNEN im bayerischen Landtag: “Wir müssen uns ernsthaft die Frage stellen wie viel neue und immer größere Skigebiete die Alpen noch benötigen und vertragen. Auch in unserer bayerischen Bergwelt wird in wenigen Wochen wieder mit Kunstschnee und Speicherseen gefördert von Steuergeldern nachgeholfen, um die SportlerInnen anzulocken. Und mancherorts ist soviel Geld in den teuren Wintersportanlagen gebunden und die Dimensionen einer langjährigen Fehlentwicklung gar nicht mehr rückgängig zu machen. Entscheidend ist jetzt, dass wir schnellstmöglich ein zentrales Abkommen erarbeiten, um die Lebensgrundlagen der Alpenregion zu sichern – und zwar auf allen politischen Ebenen."

Pressemeldung: Abgeordnetenbüro Claudia Stamm

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa/dpa

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