Kathrein: Ein Museum zum 60. Geburtstag

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Firmenchef Anton Kathrein mit einem UKW-Empfänger von 1948. Die Antenne stammt, wie könnte es anders sein, aus dem Hause Kathrein. Begonnen hat die Firmengeschichte mit der Produktion von Blitzableitern (Bild rechts oben). Deshalb zierte lange ein stilisierter "Blitzfänger" das Firmenlogo, wie das historische Bierfilzl zeigt. Fotos reisner

Rosenheim - Ein eigenes Museum, dieses Projekt spukte dem Unternehmer Professor Dr. Anton Kathrein schon lange im Kopf herum. Und da verwundert es nicht, dass es pünktlich zu seinem 60. Geburtstag endlich soweit sein soll.**NEUE FOTOS**

Nach jahrelangem Sammeln von Geräten, Bauteilen und Dokumenten wurde jetzt im Dachgeschoss der Obermühle auf dem Firmengelände in der Anton-Kathrein-Straße ein großer Ausstellungsraum eingerichtet. 440 Exponate erzählen nicht nur von der Historie des Rosenheimer Unternehmens, sondern machen auch ein spannendes Stück Technikgeschichte lebendig.

Ein Faksimile der Gewerbeanmeldung, mit der Anton Kathrein, der Vater des heutigen Firmenchefs, im Jahr 1919 seine Ein-Mann-Kellerwerkstatt bei der Stadt Rosenheim bekannt gab, eine Büste des Firmengründers, ein Messeausweis für die Berliner Funkausstellung 1933 oder eine mechanische Schreibmaschine, in die ein Kathrein-Bestellschein aus den 50er-Jahren eingespannt ist: Insgesamt 440 Exponate sind im eigens renovierten Dachgeschoss der historischen Obermühle auf dem Gelände des Kathrein-Werks I zu sehen. Doch erzählt wird mehr als die Geschichte eines Rosenheimer Unternehmens. Ob Blitzableiter, UKW-Antennen oder Satelliten-Empfänger: Die Firma Kathrein hat mit ihren Produkten Technikgeschichte geschrieben.

Zu den ältesten Exponaten gehört ein Glockenblitzableiter von 1921, dessen Isoliergehäuse noch aus Porzellan besteht. Den Überspannschutz, das erste Produkt des Unternehmens, hat sich Firmengründer Anton Kathrein patentieren lassen. Das Porzellan wurde kurze Zeit später durch den Kunststoff Bakelit ersetzt. Eine Bakelit-Maschine, mit der solche Bauteile produziert werden konnten, hatte Kathrein von einer Amerika-Reise mit nach Rosenheim gebracht. "Das war die erste Bakelit-Produktion in Deutschland", so der heutige Firmenchef.

Als am 28. Februar 1949 mit der ersten UKW-Übertragung deutsche Rundfunkgeschichte geschrieben wurde, war Kathrein ebenfalls dabei. Ausgestellt ist nämlich auch ein UKW-Rundfunkempfänger, der von der Firma Rohde und Schwarz eigens für diesen Anlass entwickelt wurde. Die Bakelit-Drehknöpfe stammen - natürlich - aus dem Hause Kathrein. Ein Ausstellungsstück, auf das der Unternehmer besonders stolz ist: "Von dem Gerät gibt es heute nur noch wenige Exemplare. Nicht einmal Rohde und Schwarz hat noch einen der Apparate." Die 150 damals gefertigten Radioempfänger wurden übrigens verschenkt, um der neuen Technik zum Durchbruch zu verhelfen. Denn eigentlich wollte Rohde und Schwarz keine Radios, sondern Sender verkaufen. Empfangsantennen für den neuen Radio-Standard wurden dagegen von Kathrein produziert, so die erste industriell gefertigte UKW-Antenne.

Putzlappen setzte Satellit außer Gefecht

An einen weiteren Meilenstein in der Kommunikationstechnik hat Anton Kathrein ganz besondere Erinnerungen. "Das war 1987, als der TV-Sat1 ins All geschossen wurde, um erstmals Fernsehsignale via Satellit an Privathaushalte zu übertragen." Wieder einmal war die Rosenheimer Firma vorne dabei und hatte Satellitenschüsseln produziert, um der erwarteten Nachfrage Herr zu werden. "Doch wegen eines Putzlappens, der vergessen wurde, ließ sich ein Solar-Panel nicht ausfahren und der Satellit konnte nicht senden", erinnert sich Kathrein. "Damals wurde in der Branche erzählt, ich habe mich aus dem siebten Stock unseres Werks gestürzt. Mir sei aber nichts passiert, weil der Lagerbestand so hoch gewesen wäre." Spätestens als TV-Sat2 auf Sendung ging, fanden die Satellitenschüsseln aber doch noch Abnehmer.

Ein Gang durch den Museumsraum macht deutlich: Die Firma Kathrein stand seit ihrer Gründung 1919 immer an der Spitze der technischen Entwicklung. Daran hat sich bis heute nichts geändert. "50 Prozent unseres Umsatzes machen wir mit Produkten, die jünger sind als zwei Jahre", berichtet Kathrein und man merkt ihm den Stolz darauf an. "Qualität macht eben ihren Weg" meint er. Ein Satz, der für das Haus Kathrein ganz besonders gilt: Gegründet 1919 als Ein-Mann-Werkstatt in Rosenheim, gehören zu der Firmengruppe heute 60 Unternehmen mit über 6000 Mitarbeitern weltweit. Sie erwirtschafteten 2010 einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro.

Ein klein wenig ist das Museum, das am Freitag eröffnet wird, wohl auch ein Geschenk, das sich Anton Kathrein selbst gemacht hat: Der Unternehmer feiert nämlich heute seinen 60. Geburtstag. Einziger Wermutstropfen: Der Ausstellungsraum dient in erster Linie internen Zwecken. 5000 Fachhändlern, die jedes Jahr in Rosenheim geschult werden, soll das Museum die Tradition des Unternehmens näher bringen. Im Rahmen des jährlichen Tags der Museen oder bei Führungen für Schulklassen soll das Museum auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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