"Musik hält jung"

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Unter den Schülern der Musikschule Kellner finden sich immer mehr Senioren. Sehr zur Freude von Musikschulenleiter Herbert Kellner (rechts), der das generationenübergreifende Miteinander als Bereicherung für Jung und Alt empfindet.

Rosenheim - "Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an", sang Udo Jürgens bereits vor über 30 Jahren. Heute ist dieses Lied so aktuell wie nie zuvor. Im Ruhestand werden viele Menschen erst so richtig aktiv.

Sie engagieren sich in Ehrenämtern, fangen noch einmal an zu studieren und versuchen es mit ganz neuen Hobbys. Besonders beliebt ist dabei laut Musikschule Kellner der musische Bereich. Ein Viertel der Schüler seien Senioren. Tendenz steigend.

Zum "alten Eisen" zählt sich Peter Stichaner noch lange nicht. "Ruhestand" hat für den 67-Jährigen nur wenig mit "Ruhe" zu tun. Er engagiert sich in vielen Ehrenämtern und hat Hobbies. Seine große Leidenschaft ist die Musik. Regelmäßig besucht er seit einigen Jahren die Musikschule, schult Stimme und sein Talent, Gitarre zu spielen.

"Das Alter ermöglicht viele Dinge", sagt der ehemalige Lehrer. Er genieße seinen Ruhestand in vollen Zügen. Für vieles habe man in jüngeren Jahren keine Zeit und oft auch nicht das nötige Kleingeld: "Da kann man als Senior einiges nachholen."

Ähnlich sehen das Christa Rein (64) und die 63-jährige Heidemarie Wittmann. Die zwei Rosenheimerinnen sind seit Jahren befreundet und fassten vor zehn Jahren den Entschluss, zur Musikschule zu gehen. Einige Jahre beschränken sie sich auf die Stimmbildung und schließlich wollten sie auch Gitarre lernen. "Natürlich fällt das Lernen nicht mehr so einfach wie in jungen Jahren. Aber es macht viel Spaß", sind sich die beiden einig. Außerdem bringe der Musikunterricht noch andere Vorteile. Man komme unter Leute, lerne Gleichgesinnte kennen und stärke das Selbstwertgefühl.

Letzteres stellt auch Musikschulleiter Herbert Kellner immer wieder fest. "Manche kommen als schüchterne Mäuschen bei uns an und leben dann so richtig auf", berichtet er.

Nicht selten würde Senioren die musikalische Schulung auch dazu anregen, sich darüber hinaus zu engagieren. "Einige unterhalten mit ihrem neuen Können andere Menschen und treten beispielsweise in Altenheimen auf." Wichtig ist Kellner das generationsübergreifende Arbeiten. Kleinkinder proben oft zusammen mit Jugendlichen, Eltern und Großeltern. Das Erlernte wird dann miteinander bei Bühnenauftritten der Öffentlichkeit präsentiert.

Immer wieder komme es vor, dass Großeltern zusammen mit ihren Enkeln beginnen, ein Instrument zu lernen. "Eine Oma hat sich zum Beispiel entschlossen, ihren Enkel in unsere Musikschule zu begleiten, um ihm auch Zuhause beim Musizieren helfen zu können. Mittlerweile ist der Enkel schon besser als die Oma und hilft ihr", erzählt Kellner. Viele Musikschüler halten der Musikschule seit Jahrzehnten die Treue. Es gibt aber laut Kellner auch immer mehr, die sich erst im Erwachsenen- oder Seniorenalter entscheiden, mit diesem Hobby zu starten. Allerdings sei es schwieriger, ältere Menschen zu begeistern. "Da muss man immer wieder aufs Neue motivieren", so der Musikschulleiter. Kellner ist sicher, der Anteil der Senioren wird zumindest in seiner Musikschule noch weiter steigen: "Musik hält eben jung."

wu/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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