Video: Verteidiger des 21-jährigen Altenmarkters im Interview

Die Mutter getötet und vergraben: Täter zu langer Haftstrafe verurteilt

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Verteidiger Adam Ahmed (links) und der Angeklagte aus Altenmarkt. Wegen der Tötung seiner Mutter muss er für acht Jahre ins Gefängnis. Die anderthalb Jahre Untersuchungshaft werden ihm angerechnet. Das Landgericht Traunstein urteilte am Freitag Totschlag und nicht Mord.
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Traunstein/Altenmarkt - Nach monatelanger Verhandlung ist am Freitag, 29. März, das Urteil gegen einen 21-Jährigen gefallen: Er wurde wegen Totschlags nach Jugendstrafrecht zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.

UPDATE, 12.18 Uhr - Keines der drei Mordmerkmale sei erfüllt

Das Urteil ist gefallen: Das Landgericht Traunstein hat den 21-jährigen Altenmarkter zu acht Jahren Haft verurteilt. Er ist schuldig des Totschlags an seiner Mutter. Angeklagt war der junge Mann ursprünglich wegen Mordes, doch davon rückte das Gericht ab. Keines der drei Mordmerkmale – Heimtücke, niedrige Beweggründe, Verdeckungsabsicht – sei erfüllt. Das Urteil – acht Jahre Haft – liegt damit nahe an der Forderung der Staatsanwaltschaft, den Altenmarkter zu neun Jahren Gefängnis zu verurteilen. Die Verteidigung forderte dagegen fünf Jahre Haft.

Was am 15. September 2017 im Haus in Altenmarkt passierte, darüber herrscht Einigkeit: Ein Streit zwischen Mutter und Sohn entgleiste – es ging wohl um Geld. Im Gerangel biss er ihr ein Stück der Lippe ab, die Mutter wollte flüchten, doch der Angeklagte holte sie ein. Er würgte die Mutter und wollte ihr das Genick brechen. Das gelang nicht, doch die Mutter wurde bewusstlos. Nach einer Pause griff der 21-Jährige dann zu einem Zimmererhammer und schlug auf den Kopf der Mutter ein. Später verpackte er mit Hilfe eines Freundes die Leiche in Plastiksäcke. Die beiden fuhren mit der toten Mutter in ein Waldstück bei Altenöd, nahe Schnaitsee und vergruben dort den Leichnam.

“Er wollte sie erlösen, weil die Mutter durch die Bissverletzung an der Lippe entstellt war und er nicht mehr mit ihr zusammenleben wollte”, so der vorsitzende Richter Klaus Weidmann: “Indizien deuten auf eine psychische Erkrankung der Mutter hin. Sie hat sich immer mehr mit irrationalen Dingen beschäftigt, das hat den Angeklagten zunehmend genervt und führte zu Spannungen in der Familie.” Nach Zeugenaussagen teilte die Mutter Menschen in “gut” und “böse” ein und entwickelte einen immer stärkeren Hang zur Esoterik.

Richter Weidmann richtete auch an den Angeklagten noch einige Worte: "Ich wünsche ihm, dass er irgendwann zur Ruhe kommt und mit diesem tragischem Problem zurechtkommt. Der Muttermord ist etwas Schreckliches, aber ein Stoff, der die Menschheit schon seit tausenden Jahren beschäftigt. Wenn Sie im Strafvollzug aktiv mitwirken und sich nichts zu schulden kommen lassen, könnte es auch eine frühere Entlassung geben.” 

Im Gespräch mit chiemgau24.de sagte Anwalt Adam Ahmed, dass die Verteidigung "höchstwahrscheinlich" nicht in Revision gehen werde.

UPDATE, 11.35 Uhr - Urteil gefallen

Der 21-jähriger Altenmarkter stand vor Gericht, weil er seine Mutter, damals 53 Jahre alt, mit einem Hammer getötet hat. Nach 15 Prozesstagen fiel am Freitag, den 29. März, das Urteil am Landgericht Traunstein.

Das Gericht unter dem Vorsitzenden Richter Klaus Weidmann verurteilte den Mann zu einer Haftstrafe von acht Jahren. Der 21-Jährige wurde des Totschlags für schuldig befunden. Die Verurteilung erfolgte nach Jugendstrafrecht.

Ausführliche Informationen zum Urteil folgen in Kürze!

Erstmeldung

Es waren 15 Prozesstage am Traunsteiner Landgericht, am heutigen Freitag fällt gegen 11 Uhr das Urteil: Der Altenmarkter soll am 15. September 2017 seine Mutter, damals 53 Jahre alt, nach einem Streit zuhause gewürgt und ihr die Unterlippe abgebissen haben. Dann habe er zu einem Hammer gegriffen und damit auf den Schädel der Mutter eingeschlagen, um sie zu töten. Mit einem Freund verpackte er dann laut Staatsanwaltschaft die Leiche und vergrub sie in einem Waldstück bei Schnaitsee.

Welche Strafe droht dem jungen Mann? Er wurde wegen Mordes angeklagt, doch davon ist inzwischen auch die Staatsanwaltschaft abgerückt. Keines der Mordmerkmale habe letztendlich zugetroffen. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung plädierten, den 21-Jährigen wegen Totschlags zu verurteilen. Nach Jugendstrafrecht, das wohl zur Anwendung kommt, drohen ihm dann maximal zehn Jahre Haft. Die Staatsanwaltschaft forderte neun Jahre Gefängnis, die Anwälte des Altenmarkters fünf Jahre

Der Angeklagte äußerte sich vor Gericht nicht zur Tat, gegenüber der ermittelnden Kriminalpolizei war er jedoch offen und geständig. "Was gelaufen ist, ist noch immer realitätsfern für mich. Ich würde es gerne rückgängig machen", waren die letzten Worte des 21-Jährigen nach den Plädoyers.

Das Urteil wird gegen 11 Uhr verkündet. chiemgau24.de berichtet gleich im Anschluss.

Aus dem Archiv

Bilder: Polizeieinsatz bei Schnaitsee

xe

Quelle: chiemgau24.de

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