Nach FuG-Wegzug: Folgen weitere Betriebe?

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Die Zufahrt zum Gewerbegebiet Süd bei Weko. Nur das Schild steht, das Gewerbegebiet selbst wurde nach Ansiedelung des Möbelhauses nicht weiterentwickelt.

Rosenheim - Die Firma FuG geht nach Schechen, weil sie in Rosenheim kein passendes Gewerbegrundstück für ihren Neubau gefunden hat. Wie sieht die Zukunft für andere Unternehmen aus?

Der Weggang des Hochtechnologieunternehmens und hervorragenden Gewerbesteuerzahlers ist ein herber Verlust für die Stadt, die verhindern will, dass weitere Betriebe weglaufen.

Wie sieht in Rosenheim die Zukunft aus für Unternehmen, die sich neu ansiedeln oder erweitern wollen? Das Oberbayerische Volksblatt sprach darüber mit dem städtischen Wirtschaftsdezernenten Thoma Bugl.

Welche Angebote hat die Stadt für Interessenten?

Wir müssen eingestehen, dass wir seitens der Stadt an echten Gewerbeflächen, wenn wir alles zusammenzählen, maximal 20.000 Quadratmeter zusammenbringen, zum Beispiel in Westerndorf St. Peter und im künftigen Gewerbegebiet Süd/Am Oberfeld in Autobahnnähe an der B15.

Warum hat die Stadt nicht mehr zu bieten?

Rosenheim ist mit 37 Quadratkilometern die zweitkleinste kreisfreie Stadt in Bayern nach Schweinfurt und hat im Verhältnis sehr viel schützenswerten Naturraum. Das macht es für die städtische Wirtschaftsförderung noch schwieriger, überhaupt geeignete Flächen zu finden, die man als Gewerbeflächen entwickeln kann

Tatsächlich gibt es ja ausgewiesene Gewerbeflächen, wenn sie auch nicht der Stadt gehören.

Es gibt sogar relativ viel ausgewiesenen Gewerbegrund. Aber wenn etwa im Aichergelände die Eigentümer nicht bereit sind, über eine Aufwertung der Gewerbeflächen mit sich reden zu lassen, sind uns als Stadt die Hände gebunden.

Was bedeutet Aufwertung?

Beispielsweise aus einem Gebrauchtwagenhandel einen Produktionsbetrieb zu machen. Ich wäre ein großer Freund davon, statt neue Flächen auszuweisen, zunächst die bestehenen Flächen auf diese Weise zu recyceln.

Sind Sie mit den Grundstückseigentümern im Gespräch?

Wir sind in sehr regelmäßigem Kontakt. Weil aber dieses Flächenrecyling an Grenzen stößt, bleibt uns ab und an gar nichts anderes übrig, als in die Entwicklung neuer Flächen zu gehen, wie zuletzt in der Schwaig und jetzt am Oberfeld.

Eine intensivere Nutzung der Gewerbegrundstücke wird im Aichergelände sicher verlockend, wenn die Westtangente gebaut ist. Dort gibt es dann praktisch einen direkten Autobahnanschluss.

Insofern besteht dort tatsächlich im Moment für die Eigentümer kein Handlungsbedarf. Ich persönlich bin optimistisch, dass wir den Baubeginn für die Westtangente 2013 haben werden, allein schon, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass der Bundesverkehrsminister, der aus Bayern kommt, seinen Nachbarbundeswahlkreis an dieser Stelle hängen lässt. Aber da regiert auch das Prinzip Hoffnung. Man muss allerdings mit einer Bauzeit von zehn Jahren rechnen, wenn nicht von beiden Seiten gleichzeitig angefangen werden kann.

Also eine sehr langfristige Perspektive. Wo gibt es derzeit noch Gewerbegrundstücke?

Im Gewerbegebiet Chiemseestraße und beim Wertstoffhof. Wir haben ja dahinten eine sehr positive Entwicklung mit der Ausweitung verschiedener Firmen. Zum Beispiel hat sich die Esmo AG, ein Spitzentechnologie-Unternehmen, großartig entwickelt. Da müssen wir schauen, dass wir vor allem Flächen finden für Stellplätze. Im Hof geht nichts mehr.

Damit Esmo nicht der nächste ist, der nach Schechen geht.

Nein, nein, das passiert hoffentlich nicht! Aber das muss ich schon sagen, es hat mir persönlich weh getan, FuG zu verlieren. Da könnte man sich angenehmere Dinge vorstellen als Wirtschaftsförderer.

Das Gebiet, wo heute das Möbelhaus Weko steht, wurde wegen der Grundwasserproblematik nicht weiterentwickelt und auch, weil die Zusammenarbeit mit Raubling im Zuge der Auseinandersetzung um den Standort des Möbelhauses geplatzt war.

Stattdessen wurde dann neben der B 15 in Autobahnnähe das Gewerbegebiet Süd/Am Oberfeld ausgewiesen.

Aber das zieht sich ungemein. Im Dezember 2001 hat der Stadtrat die Umlegung nach Baugesetzbuch angeordnet. Inzwischen ist gerade mal die Zufahrt fertig.

Als ich 2007 nach Rosenheim gekommen bin, habe ich auch zunächst nicht begriffen, warum das so lange geht. In Landshut gibt es "den Umlegungspapst" in Bayern. Der meint, normalerweise müsse nach zwei Jahren so eine Sache rum sein.

War sie aber nicht.

Gemeinsam mit dem Baudezernten haben wir dann versucht, uns eine Zeitschiene vorzugeben für die einzelnen Verfahrensschritte. Das hat letztendlich dazu geführt, dass wir soweit sind.

Soweit? Das Gebiet steht doch immer noch nicht zur Verfügung.

Sind die Eigentümer einverstanden mit den ermittelten Wertgrundlagen ihrer neuen Flächen? Da hängen wir jetzt. Im Rahmen des Umlegunsverfahrens werden wir noch im Mai in die letzte Runde gehen.

Wirklich die letzte?

Ich bin optimistisch, wir kriegen es hin, dasss wir im Herbst auch mit der inneren Erschließung anfangen können. Natürlich haben die einzelnen Grundstücksbesitzer die Möglichkeit, Rechtsmittel beim Verwaltungsgericht einzulegen.

Deshalb war das auch keine Option für die Firma FuG.

Das ist der Punkt. Es stand fest, dass der Firmeninhaber von FuG im Herbst zwingend Baurecht haben musste. Das war für das Gebiet Am Oberfeld nicht zu garantieren.

Gibt es andere Betriebe, die in den Startlöchtern sitzen?

Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir eine sehr dynamische Entwicklung bei unseren Rosenheimer Gewerbebetrieben haben. Deshalb gibt es auch schon eine ganze Reihe von Interessenten.

Wenn diese 60.000 Quadratmeter auf den Markt kommen, ist erst einmal der Dampf draußen.

Ja, einige Betriebe werden dann ihre bisherige Produktionsstätten verlagern und sich vergrößern.

Ist sichergestellt, dass auf keinen Fall großflächiger Einzelhandel Einzug hält?

Der Bebauungsplan sieht Gewerbe und Dienstleistung vor, keinen Einzelhandel, keine Tankstellen, keine Bordelle, keine Vergnügungsstätten, kein Hotel.

Wird das eigentliche Gewerbegebiet Süd bei Weko weiterentwickelt?

Die Frage wird sein, ob wir mittelfristig diese Überlegung wieder aufgreifen, wenn der Druck auf eine gewerbliche Weiterentwicklung stärker wird. Das geht aber nur zusammen mit Raubling. Man hört ja auch, dass Hiendl-Flächen in Raubling für eine kombinierte Nutzung aus Wellness, Fitness und Gesundheit genutzt werden sollen.

Das ist doch genau das, was auch auf dem Bahnhofsgelände stattfinden soll. Schon wieder ein Streitpunkt?

Das ist ein großer struktureller Trend im Moment angesichts der demografischen Entwicklung. Auch in Rosenheim werden wir im Durchschnitt deutlich älter in den nächsten 15 bis 20 Jahren. Die Gesundheitswirtschaft geht davon aus, speziell an einem Standort wie Rosenheim, der insgesamt noch wächst, dass sich mehrere solcher Zentren wirtschaftlich rentieren. Also kein Streitpunkt.

Gibt es danach Bedarf für weitere Gewerbeflächen in Rosenheim?

Angesichts des Vorlaufs, den uns das Oberfeld gekostet hat, sind wir in der Verpflichtung, auch für die Generation, die nach uns kommt, Sorge zu tragen, dass Gewerbeflächen in der Stadt zur Verfügung stehen.

Die Stadt hat auch eine Verantwortung für die Preisentwicklung. Je kleiner das Angebot, desto mehr müssen die Betriebe für die Grundstücke zahlen.

Das ist richtig. Aber es sind ja auch noch große Flächen in der Entwicklung, die schöner nicht sein könnten, im nördlichen Bahnhofsgelände gut 37 Hektar und im Süden des Bahnhofs einschließlich der angrenzenden Areale rund 100 Hektar Nettobauland. Das ist ein Pfund, mit dem man wuchern kann.

Geht dort die Verwertung schneller als beim Oberfeld?

Dafür muss man kurz zurückschauen. Die Oberbürgermeisterin hat sich im Nachgang zum Votum des Stadtrats, man möge doch den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen, im November letzten Jahres an Otto Wiesheu gewandt. Der war zwar nicht mehr Bahnvorstand, hatte aber noch alle Kontakte. Und der erste Pulverdampf darüber, dass alle bis dahin geführten Verhandlungen nichts gebracht hatten, war verraucht. Wiesheu hat dann den Kontakt direkt zu dem zuständigen Bahnvorstand hergestellt, mit dem wir bis dahin persönlich nie verhandelt hatten. Der wusste nur, dass es hakte, obwohl es dreimal grünes Licht gegeben hatte und es dann viermal hieß, es geht doch nicht. Mitte Dezember ist Frau Bauer mit einigen Mitarbeitern nach Berlin geflogen. Dort haben wir weitgehend eine Lösung entwickelt. Dann haben sich noch einmal die Gutachter zusammengesetzt.

Wo hatte es denn gehakt?

Gehakt hat es bei dem Gutachten über Altlasten und Kampfmittel und das dummerweise in der Endphase der ursprünglichen Verhandlungen. Die Kosten waren plötzlich wesentlich höher als zuerst angegeben.

Und wie hat man sich geeinigt?

Wir haben uns schnell auf einen gemeinsamen Nenner verständigt. Jetzt liegt es am Stadtrat. Wir haben für die Stadt ein paar Schmankerl mitverhandelt, die den Kauf noch attraktiver machen als beim letzten Mal.

Wer muss für die Entsorgung der Altlasten zahlen?

Das haben wir uns geteilt, mit einem bestimmten Schlüssel.

Wie geht es weiter, wenn die Kaufverträge unterschrieben sind?

Wir wollen am 27. Juli den Stadtrat abschließend über die Rahmenplanung für das Bahnhofsareal entscheiden lassen. Dann kann man in die Verwertung und Weiterentwicklung des Areals gehen. Ich gehe davon aus, dass wir 2012 die ersten Ausschreibungen für diese Flächen sehen werden.

Die Stadt nimmt für den Kauf einen Kredit in Höhe von 3,4 Millionen Euro auf. Die Entwicklung muss also schnell gehen, damit das Geld durch den Verkauf der Grundstücke bald wieder hereinkommt.

Ich sehe, wenn alles gut geht, 2012 die ersten Bagger rollen. Wir werden sicher nicht das gesamte Areal auf einen Zug entwickeln. Es ist auch der ausdrückliche Wunsch der Oberbürgermeisterin, schrittweise und mit einer entsprechenden langfristigen Entwicklungsperspektive zu arbeiten und nicht schnell das Ganze vollzupflastern. Es soll sich ja etwas Sinnvolles und Nachhaltiges entwickeln. Aber es gibt erste ganz konkrete Vorstellungen und erste ganz konkrete Gespräche mit Investoren.

Investoren, die was genau machen möchten?

Die speziell etwas machen möchten im Bereich Gesundheit und medizinische Dienstleistung. Sie halten dies für einen idealen Standort, auch im Hinblick auf die verkehrliche Anbindung. Mehr kann ich dazu im Moment nicht sagen.

Wie sieht es aus mit einem Hotel?

Wir haben den möglichen Standort schon einer Reihe von Investoren vorgestellt und haben sehr positive Reaktionen, auch von großen namhaften Hotelbetreibern bekommen. Die wollen sich das hier ganz intensiv anschauen.

Interview: re/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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