Nahrung für Körper und Seele

Rosenheim – Vor zehn Jahren rief das Diakonische Werk die „Rosenheimer Tafel“ ins Leben. Nach Feiern ist den Verantwortlichen aber nicht zu Mute.

"Diese Einrichtung wird mehr gebraucht denn je. Die Zahl der bedürftigen Mitbürger nimmt ständig zu. Das ist kein Anlass zur Freude", sind sich Peter Selensky, Vorstandsvorsitzender der Diakonie, und Elisabeth Bartl, Leiterin der Tafel, einig. Darum beschränkten sich die Feierlichkeiten am vergangenen Samstag auf eine öffentlichkeitswirksame Aktion in der Fußgängerzone. Es war eine lange Tafel aufgebaut, und die Mitarbeiter verteilten verschiedene Lebensmittel an Passanten. Wer wollte, konnte sich am Stand über die Arbeit und Notwendigkeit der Tafel informieren.

Die "Tafeln" gibt es heutzutage in ganz Deutschland. Bartl und Selensky können sich noch gut an die ersten Anfänge in Rosenheim vor zehn Jahren erinnern. "Damals diskutierten wir noch darüber, ob wirklich eine Notwendigkeit für ein derartiges Angebot besteht. Wir wussten nicht, ob wir dafür genügend Lebensmittel auftreiben können und ob diese wirklich von Bedürftigen in Anspruch genommen werden."

Diese Sorgen erwiesen sich als völlig unbegründet. Heute versorgt die Rosenheimer Tafel in zwei Läden rund 500 Personen pro Woche. Vertreten sind alle Altersgruppen. Alleinerziehende Mütter nehmen dieses Angebot ebenso an wie viele ältere Menschen mit geringer Rente.

Selensky findet an der Idee "Tafel" aber nicht nur die Tatsache wichtig, dass damit Bedürftige mit Lebensmitteln versorgt werden: Für ihn ist das auch der richtige Weg, um abgelaufene, aber dennoch wertvolle Lebensmittel vor ihrer Vernichtung zu bewahren.

Brot der heimischen Bäckereien geht bei der Tafel ebenso über die Theke wie viele Produkte der Molkereibetriebe aus der Region, außerdem Obst, Gemüse und manchmal sogar Leckereien wie Lachs oder Schinken von Lebensmittelketten. Insgesamt arbeitet die Rosenheimer Tafel derzeit mit rund 30 Lieferanten zusammen. Auch Privatpersonen tragen immer wieder dazu bei, das Nahrungsangebot von bedürftigen Menschen aufzubessern, etwa, wenn sie im Rahmen der Aktion "Kauf zwei" ein Teil mehr kaufen und der Tafel spenden.

Die Tafel in der Tannenbergstraße hat jeden Dienstag von 10 bis 12 Uhr geöffnet, die Tafel in der Westermayerstraße jeden Donnerstag von 10.30 bis 14 Uhr.

Meistens stehen die Menschen schon lange Zeit vor der Öffnung vor den Türen. Oftmals fehlt es ihnen auch an "seelischer Nahrung", stellen Selensky und Bartl immer wieder fest: "Es gibt viele Bedürftige, für die ist dieser Tag die einzige Möglichkeit, unter Leute zu kommen und sich unterhalten zu können."

Dieser Erkenntnis wollen die Mitarbeiter des Diakonischen Werkes in Zukunft noch stärker Rechnung tragen. Geplant ist etwa ein "Kaffee sorgenfrei" in den Räumlichkeiten der beiden Tafeln. Dadurch wollen die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter noch intensiver mit ihren Kunden ins Gespräch kommen und bei Bedarf auch an Beratungsangebote weitervermitteln. Wann es so weit ist, steht aber bis jetzt noch nicht fest.

wu/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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