Nahversorgungszentrum: Gewisse Skepsis bleibt

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Schwarz umrandet ist der Bereich, der im Flächennutzungsplan mit "Nördlich der Fachhochschule" bezeichnet ist. Auf der freien Fläche sind Lebensmittelmärkte und ein Café geplant, an der Marienberger Straße zudem eine Kinderkrippe (unten verläuft quer im Bild die Ebersberger Straße).

Rosenheim - Werden neue Geschäfte im Norden andere vom Markt drängen? Verträgt die Westerndorfer Straße wenige Meter entfernt von der Einmündung der Ebersberger Straße eine weitere Zufahrt?

In vielen Sitzungen hatte der Stadtrat darüber diskutiert und letztendlich zugestimmt. In Westerndorf St. Peter aber bleibt gewisse Skepsis.

Das Nahversorgungszentrum entsteht westlich der Westerndorfer Straße, mit 2000 Quadratmetern Verkaufsfläche für einen Frischemarkt, 1100 Quadratmetern für Aldi, der seinen Standort innerhalb von Westerndorfer St. Peter wechselt und 700 Quadratmetern für einen Drogeriemarkt. Geplant sind derzeit außerdem ein Café mit Bäckereifiliale, unabhängig davon eine Kinderkrippe an der Marienberger Straße, südlich vom Kindergarten an der Hailerstraße, und zusätzliche Parkplätze für Fachoberschule und Berufsoberschule.

Zwei Ampelanlagen im Abstand von rund 100 Metern - Bürger von Westerndorf St. Peter befürchten noch mehr Stau. Vom Bauamt heißt es dazu, aus Untersuchungen gehe zwar hervor, dass die Situation angespannt sei, vor allem im morgendlichen Berufsverkehr. Die Einmündungen Schlößlstraße und Ebersberger Straße blieben in der Morgenspitze ausgelastet und überbelastet. Doch das Nahversorgungszentrum habe darauf keinen Einfluss: Morgens sind die Geschäfte noch nicht offen. Eine zusätzliche Belastung für die weniger kritische Abendspitze wird hingegen nicht abgestritten.

Noch vor den Sommerferien hat der Stadtrat einer Änderung des Flächennutzungsplans und dem Bebauungsplan für den Bereich nördlich der Fachhochschule zugestimmt. Die Verwaltung konnte die grundsätzlichen Bedenken nicht komplett ausräumen. Bei 43 Abstimmungsberechtigten gab es 14 Gegenstimmen quer durch die Fraktionen. CSU-Stadtrat Georg Soyer hatte im gesamten Planungsprozess Zweifel geäußert und stimmte auch zum Schluss dagegen. Grünen-Stadträtin Anna Rutza glaubt nicht, dass das, was entsteht, tatsächlich den Namen Nahverkehrszentrum verdient: "Ich möchte die Leute sehen, die da zu Fuß hingehen." Zudem vermisst ihr Fraktionskollege Franz Lukas, genauso wie Dr. Beate Burkl von den Freien Wählern/UP und Republikaner Hans Rass, den sparsamen Umgang mit der Natur.

Tatsächlich hatte die Stadtplanung bisher Wert auf eine Grünzäsur zwischen Westerndorf und der Fachoberschule gelegt. Beim Abwägen zwischen diesen beiden Dingen habe man sich für die Kinderkrippe entschieden, sagt Baudezernent Helmut Cybulska. Außerdem wachse auf der anderen Seite der Bahn die Bebauung ohnehin schon in die Grünzone hinein.

Lange diskutierten die Stadträte über die Erschließung des neuen Gebietes. Der Bau eines Verkehrskreisels ist laut Bauamt nicht möglich, weil die dafür notwendigen Grundstücke nicht zur Verfügung stehen. Über den von Franz Baumann, Freie Wähler/UP, vorgeschlagene "Doppelkreisel" mit zwei kleineren Kreiseln, einen an der Einmündung Ebersberger Straße, einen bei der neuen Zufahrt, wurde erst gar nicht diskutiert. Baumann glaubt den Gutachtern nicht, die keine größeren Schwierigkeiten für den Verkehr sehen. "Nicht aus dem Bauch heraus gegen alle Daten und Fakten der Gutachter anzureden", dazu forderten Andreas Lakowski, SPD, und Robert Multrus von den Freien Wählern/UP ihn und andere Skeptiker auf.

Rudolf Hötzel, Sprecher der Republikaner, versteht nicht, warum an dieser Stelle ein Nahversorgungszentrum entstehen soll. Er ist überzeugt, dass auf dem nahen Bahnhofsareal etwas Ähnliches gebaut wird.

Keine eindeutige Antwort gibt die Rewe-Zentrale Deutschland darauf, wie sie die Entwicklung ihres Marktes an der Ebersberger Straße sieht. Wird er erweitert, um dessen Überleben zu sichern? Dazu heißt es von der Zentrale: "Ob das Nahversorgungszentrum in der Nähe des Rewe-Marktes an der Ebersberger Straße Auswirkungen haben könnte, ist zum jetzigen Zeitpunkt spekulativ. Ein Rewe-Markt in der Größe hat eine Nahversorgungsfunktion und ist attraktiv für Menschen, die nicht zwingend mit dem Auto zum Einkaufen fahren wollen." Der Rewe-Markt an der Hofmillerstraße sei jüngst erst deutlich erweitert und modernisiert worden und finde hohen Zuspruch bei den Kunden.

Nach Auskunft von Baudezernent Helmut Cybulska kann im Frühjahr nächsten Jahres mit dem Bau der Zufahrtsstraße zu den neuen Läden begonnen werden. Sobald der Unterbau für die Baufahrzeuge vorhanden ist, sei alles startklar. Dann können die Investoren ihre Gebäude hinstellen - und dann wird sich zeigen, ob die Skepsis der Westerndorfer berechtigt war.

re/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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