Nebenkläger fordern Schuldspruch für Demjanjuk

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John Demjanjuk wird von Polizisten zur Gerichtsverhandlung gebracht.

München - Der mutmaßliche KZ-Wachmann John Demjanuk soll schuldig gesprochen werden. In ihren Schlussvorträgen vor dem Münchner Landgericht bekräftigten die Angehörigen ermordeter Juden ihre Forderung.

Eindringlich haben Angehörige ermordeter Juden am Donnerstag vor dem Münchner Landgericht die Verurteilung des mutmaßlichen KZ-Wachmanns John Demjanjuk verlangt. Es könne nur ein Urteil geben: “Schuldig“, sagte Nebenklagevertreter Cornelius Nestler, der rund ein Dutzend Opferangehörige vertritt. “Das Gericht wird mit dem Urteil nicht nur Recht sprechen, es wird Gerechtigkeit herstellen.“ An die 20 Nebenkläger hatten am Mittwoch und Donnerstag teils persönlich, teils in von ihren Anwälten verlesenen Erklärungen einen Schuldspruch für den 91-jährigen Angeklagten verlangt.

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Eindringlich haben Angehörige ermordeter Juden am Donnerstag vor dem Münchner Landgericht die Verurteilung des mutmaßlichen KZ-Wachmanns John Demjanjuk verlangt. Es könne nur ein Urteil geben: “Schuldig“, sagte Nebenklagevertreter Cornelius Nestler, der rund ein Dutzend Opferangehörige vertritt. “Das Gericht wird mit dem Urteil nicht nur Recht sprechen, es wird Gerechtigkeit herstellen.“ An die 20 Nebenkläger hatten am Mittwoch und Donnerstag teils persönlich, teils in von ihren Anwälten verlesenen Erklärungen einen Schuldspruch für den 91-jährigen Angeklagten verlangt.

Die meisten überließen das Strafmaß dem Gericht. Erneut gab es aber auch die Forderung nach der Höchststrafe - das wären 15 Jahre Haft. Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre Haft verlangt.

Der gebürtige Ukrainer soll 1943 als Wachmann im Vernichtungslager Sobibor an der Ermordung von mindestens 27 900 Juden beteiligt gewesen sein. Er soll wie andere Wachmänner geholfen haben, die Juden in die Gaskammern zu treiben.

Die Anklage wie auch die Nebenklage hält es für erwiesen, dass Demjanjuk in Sobibor war. Da das Lager ausschließlich der Vernichtung von Juden diente, habe sich jeder am Massenmord beteiligt, der dort arbeitete. Eine Verurteilung ohne konkrete Einzeltat sei kein juristisches Novum in Deutschland, betonte Nestler. Schon im Sobibor-Prozess gegen deutsche Verantwortliche in den 1960-er Jahren sei dies so gesehen worden. Nestler nannte mehrere Gründe, warum Demjanjuk erst jetzt in Deutschland vor Gericht steht. Unter anderem habe das Augenmerk der Ermittler zunächst auf hochrangigen NS-Verbrechern gelegen.

Demjanjuk verfolgt das Verfahren seit fast 17 Monaten liegend von einem Krankenbett aus, eine Sonnenbrille verdeckt seine Augen. In schriftlichen Erklärungen bezeichnete er das Verfahren als “politischen Schauprozess“ und “Verhöhnung der Gerechtigkeit“. Selbst hat er nie im Gerichtssaal ein Wort gesprochen.

“Der Einzige, von dem wir die ganze Zeit nichts hörten, war der Angeklagte“, sagte der Niederländer Paul Hellmann. “Trotzdem hätte er einige Worte sagen sollen. Sieben oder acht hätten gereicht: Es tut mir leid, es tut mir sehr leid, was ich getan habe.“

Sie setze weiterhin ihre Hoffnung darauf, dass Demjanjuk gestehen und Reue zeigen werde, heißt es in einer Erklärung der fast 90-jährigen Charlotte Huffener-Veffer aus Jerusalem, die ihre Eltern und ihre jüngere Schwester in Sobibor verlor. Es sei vielleicht die letzte Gelegenheit, dass die Welt hören könne, was wirklich in Sobibor geschah.

lby

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