Neuer Auschwitz-Prozess in Bayern?

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Die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau

Ludwigsburg/Weiden - Seit mehr als einem halben Jahrhundert ermitteln in Ludwigsburg Juristen gegen mögliche NS-Verbrecher. Noch immer trägt ihre Arbeit Früchte. Jetzt könnte es einen Prozess in Bayern geben.

Fast 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges könnte einem Wachmann aus dem Konzentrationslager Auschwitz noch in Bayern der Prozess gemacht werden. Vorermittlungen gegen den mutmaßlichen NS-Verbrecher seien abgeschlossen und der Staatsanwaltschaft in Weiden in der Oberpfalz übergeben worden, teilte die Zentrale Stelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg mit. Der Mann war demnach 1942 freiwillig in die Waffen-SS eingetreten und wurde dort zum Wachmann ausgebildet. Der 87-Jährige wird beschuldigt, im Jahr 1944 im Lager Auschwitz-Birkenau zur Vergasung von mindestens 344 000 deportierten Menschen, mehrheitlich ungarischen Juden, “wesentlich“ beigetragen zu haben.

Der Mann habe spätestens von April 1944 an beim Absperren der Rampe, beim Wachdienst um das Lager und dem Dienst auf Wachtürmen im Lager Birkenau die Vernichtung der Menschen “gefördert“. Er habe einen “kausalen Beitrag zu den als Mord zu qualifizierenden Tötungsverbrechen geleistet“, heißt es in den Ermittlungsergebnissen der Zentralen Stelle weiter. Aus Sicht der Ermittler ist dem Beschuldigten seine Beteiligung nachzuweisen, weil er zu einer bestimmten Einheit gehörte.

Der Beschuldigte lebt heute im Ausland. Ob ein Auslieferungsersuchen gestellt wird, hat die nunmehr befasste Staatsanwaltschaft Weiden zu entscheiden.

Die drei letzten großen Auschwitz-Prozesse fanden in den 1960er Jahren in Frankfurt statt. 1976 endete nach Angaben der Zentralen Stelle das letzte größere Verfahren gegen einen Auschwitz-Aufseher mit einem Freispruch.

Im vergangenen Jahr war der früheren KZ-Wachmann John Demjanjuk in München wegen Beihilfe zum Mord an mindestens 28 060 Juden 1943 im Vernichtungslager Sobibor zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. “Das Verfahren war für uns Anlass, dass wir nochmals Wachmannschaften verschiedener Vernichtungslager genau angesehen haben“, sagte der Leiter der Zentralen Stelle, Kurt Schrimm. Eines der Resultate waren die Ermittlungen im aktuellen Fall.

dpa

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