Neunte Zwangsräumung löst Drama aus

Rosenheim - Fünf Stunden lang versuchte es die Polizei mit Zureden - umsonst. Dann schlug das SEK zu und stürmte die Hochhauswohnung im sechsten Stock, in der sich ein Mann (42) verschanzt hatte.

Es war das spektakuläre Ende eines Großeinsatzes, der am Freitag in Rosenheim Anwohner und Rettungskräfte in Atem hielt.

Im Leben von Hans L. (Name geändert) ist viel schief gelaufen. Familie, Verwandte, Bekannte, falsche Freunde, Rechtsanwälte, Notare, Richter - sie alle hätten ihm übel mitgespielt, ihn um Existenz, Geld, Nerven und Gesundheit gebracht, klagt der 42-Jährige, der seit längerem suizidgefährdet ist. Acht Zwangsräumungen hat er schon hinter sich: in Mühldorf, Töging, Ampfing, Rosenheim und Schliersee. Als gestern Morgen erneut der Möbelwagen kam, verbarrikadierte er sich in seiner Wohnung im sechsten Stock und drohte mit einer Verzweiflungstat: Er habe Benzinkanister besorgt und werde "alles anzünden", sobald sich das Räumkommando an seiner Tür zu schaffen macht.

Sofort rückte ein Großaufgebot von Polizei- und Rettungskräften zu dem siebenstöckigen Haus an, holte die Bewohner der oberen Geschosse aus ihren Wohnungen und postierte sich 200 Meter vom Einsatzort entfernt auf der anderen Seite der Äußeren Münchener Straße. Stundenlang "verhandelten" psychologisch geschulte Beamte telefonisch mit dem Mann, aber er lenkte nicht ein. Auch sein Anwalt konnte ihn nicht zur Aufgabe bewegen. Der Jurist redete von einem benachbarten Balkon aus auf seinen Mandanten ein.

Als dem 42-Jährigen gegen 13 Uhr ein neuer Bescheid gezeigt wurde, der einen Aufschub der Zwangsräumung bescheinigt, ging es blitzschnell: SEK-Beamte seilten sich vom Balkon darüber ab, drangen durchs Fenster in die Wohnung ein und überwältigten den Mann. Dabei kam niemand zu Schaden. Der Verzweiflungstäter wurde in Gewahrsam genommen und soll jetzt psychiatrisch untersucht werden.

ls/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © Reisner

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