Moorstation Nicklheim eingeweiht

Raubling – In Raubling wurde am Mittwochvormittag die neue Moorstation Nicklheim eingeweiht. Auf dem rund anderthalb Hektar großen Gelände wird die Entstehungsgeschichte der Moore gezeigt.

Die Nicklheimer Moorstation wird zu einem Erlebnis der besonderen Art. Sie ermöglicht Erholungssuchenden und Schulklassen eine intensive Begegnung mit der Moorlandschaft. Ob auf Wanderwegen oder mit der Moorbahn – die Einrichtung eröffnet den ungehinderten Zugang für Jung und Alt. Die Bayerischen Staatsforste haben mit dem Forstbetrieb Schliersee die Flächen unentgeltlich zur Verfügung gestellt.

Bürgermeister Olaf Kalsberger und Landrat Josef Neiderhell haben das Projekt gemeinsam mit Forstbetriebsleiter Stefan Pratsch unter Anwesenheit von vielen weiteren Ehrengästen offiziell der neuen Bestimmung übergeben.

Mit der Wiedervernässung der Kollerfilzen bei Nickelheim wurde mit rund 130 Hektar eine der größten Renaturierungsvorhaben der letzten Jahrzehnte in Bayern durch die Bayerischen Staatsforste erfolgreich eingeleitet. Moore haben eine hohe landeskulturelle Bedeutung: sie sind jahrhundertealte Biotope die in menschenüberschaubarer Zeit nicht neu entstehen können. Wohl aber gelingt es in nur kurzer Zeit die Voraussetzung zu schaffen, dass Moore ihre ihnen typische Dynamik wieder entfalten können, so Pratsch. Wurde einst trockengelegt – so haben wir heute längst erkannt, dass es höchste Zeit ist den „Schalter umzulegen“ und durch Wiedervernässungsprojekte den Schritt zur Renaturierung zu gehen.“, so der Forstmann.

Angrenzend zu den Hochrunstfilzen wurde nun im Rahmen des Lifeprojektes die Moorstation geschaffen. Pratsch ist von dem pädagogischen Ansatz an der Moorstation begeistert. Auf der einen Seite eröffnen spielerische Akzente den Zugang zur Natur und auf der anderen Seite kann das Naturschauspiel in Ruhe beobachtet werden.

Die Bayerischen Staatsforsten haben es sich zu einer der zentralen Aufgaben gemacht, die Moorrenaturierung im Bereich der Rosenheimer Stammbeckenmoore in großen Schritten voran zu bringen.

Dank intensiver Unterstützung durch Landratsamt, Life-Projekt und die Unterstützung der Gemeinden Bad Feilnbach und Raubling konnte für das reiche Naturerbe an Mooren in der Region bereits viel getan werden.

Die Moorflächen sind in der Vergangenheit durch diverse Nutzungen stark zurückgegangen. Allein in Bayern sind die Flächen in den vergangenen fünf Jahrzehnten von 200.000 Hektar auf rund 120.000 Hektar geschrumpft. Vollständig ungestörte Moore gibt es nicht mehr. Hochmoore wurden außerhalb großer Waldgebiete in siedlungsnahen Räumen meist zur Torfgewinnung entwässert und abgetorft.

90 Prozent der Niedermoore in Bayern sind nach wie vor renaturierungsbedürftig und rund drei bis fünf Prozent der Hochmoore sind noch einigermaßen intakt.

Die Moorflächen hier im Landkreis Rosenheim waren ehemals ein zusammenhängendes offenes Moorgebiet – die sogenannten Stammbeckenmoore. Seit den 20er-Jahren rückten intensive Entwässerungs- und Abbauvorhaben den Mooren zu Leibe. Einen Höhepunkt erlitten die Moore in den Nachkriegsjahren durch den Brenntorfabbau –maschinell wie auch durch Hand.

Auch die anderen Moore im Rosenheimer Stammbecken: die Nicklheimer-, die Eulenauer, die Roten Filze und Pangerfilze wie auch die Kollerfilze litten darunter.

Die Bayerische Staatsforstverwaltung hatte bereits in den 70er-Jahren mit der Renaturierung der Moore in ihrem Besitz begonnen. Seit 1990 ist dies fester Bestandteil in der so genannten Forsteinrichtung, der Betriebsplanung der Forstbetriebe.

Neben der eigentlichen Moorrenaturierung setzen die Bayerischen Staatsforsten zudem einen erhöhten Stellenwert auf die pflegerische Begleitung der Randbereiche. In so genannten Moorrandwäldern und Bruchwäldern wirken als Pufferzonen für die Moore selbst. So ist eine besondere forstliche Aufgabe diese Schutzfunktionen zu stärken. Die Moorrandbereiche tragen dazu bei die Moorflächen möglichst rein zu halten und das Einschwemmen von Fremdstoffen, z. B. Düngemitteln, zu reduzieren. Waldbestände können Stickstoffe und Schadstoffe binden. Ertragsüberlegungen treten für uns im Moorrandwald zurück, sagt Pratsch. Alle Maßnahmen sind zurückhaltend und vorsichtig und dienen der Walderhaltung, der Alterdifferenzierung und Strukturverbesserung.

Moore sind Kohlenstoff und Nährstoffsenken. Sie reduzieren die für uns klimarelevanten Gase wie CO2, Methan und Stickoxide. So werden in wachsenden Mooren rund 25 Gramm Kohlenstoff je Quadratmeter und Jahr festgelegt. Das klingt zunächst vielleicht noch wenig: So lagern die Moore Bayerns aber insgesamt 25 Millionen Tonnen Kohlenstoff ein.

Moore sind aber auch Wasserspeicher und Starkregenpuffer zugleich. So kann ein Moor rund 80 mm Wassersäule speichern ohne, dass es zu einem Oberflächenabfluss kommt. „Moorschutz ist somit Hochwasserschutz!“. Ein Kubikmeter Torf kann bis zu 950 Liter Wasser speichern.

Die Renaturierung der Moore im Landkreis Rosenheim ist ein Musterbeispiel dafür, dass durch gemeinsame Zusammenarbeit Großes entstehen kann, lobt Pratsch die Zusammenarbeit im Landkreis.

Pressemeldung Forstbetrieb Schliersee

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser