Nikolaus kommt nicht

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Weder rotes Kostüm, noch Zipfelmütze oder dicker Bauch: Die seriöse Darstellung des Niklaus hat mit der Werbefigur nur wenig zu tun. In Rosenheim gibt es nur noch wenige Personen, die den "Heiligen" auf diese Weise verkörpern.

Rosenheim - Schokoladen-Nikolause gibt es im Überfluss. Aber die "Echten" werden rar. Bei immer weniger Kindern in der Stadt klopft der Nikolaus am 5. oder 6. Dezember an der Tür.

Nikolausdienste gibt es nur noch wenige und auch Privatpersonen überlegen es sich heutzutage gut, ob sie dieses arbeitsreiche und wenig lukrative Amt übernehmen sollen.

Früher fungierten Studenten gerne einmal als Nikolause und besserten so die Kasse der Studentenverbindung auf. Doch damit ist schon lange Schluss. "Traditionen halten sich an einer Einrichtung wie der Hochschule meist nicht ewig. Studenten wechseln und mit ihnen kommen und gehen Ideen und Projekte", meint dazu die Hochschul-Pressesprecherin.

Auch die Pfarrei St. Nikolaus bietet seit einigen Jahren keinen Nikolausdienst mehr an. Nach Meinung von Pfarrer Andreas Maria Zach passt das heutige Nikolaus-Bild nicht mehr unbedingt zum katholischen Glauben. "Da geht es doch meistens nur noch um Kommerz", ärgert sich Zach. Viele Nikolause würden heutzutage nur noch als "Geschenke-Service mit Vorerzählung" fungieren. Mit der eigentlichen Botschaft der katholischen Kirche habe diese "Kinderbelustigung mit Lebkuchenkasperl" oftmals "rein gar nichts" zu tun.

Allerdings - Pfarrer Zach schlüpft heuer selbst zumindest einmal in das Kostüm des Nikolaus und besucht den Kastenauer Kindergarten. "Ich kann nur zu einem Kindergarten gehen, bei dem mich die Kinder nicht so oft sehen. Sonst wissen sie gleich, wer sich unter dem Bart versteckt", schmunzelt Zach.

Dieser Auftritt würde ihn viel Freude bereiten. Denn in vielen Kindergärten würde man die Buben und Mädchen noch abseits des Kommerzgedankens an die Geschichte dieses Heiligen und seine Bedeutung heranführen.

Die Katholische Landjugend bietet im Gebiet der Stadtteilkirche "Am Wasen" heuer wieder einen Nikolausdienst an und stellt damit eine große Ausnahme dar. Denn "Vermittlungsstellen" für das Kommen des "Heiligen Mannes" gibt es mittlerweile im Stadtgebiet kaum noch.

Neben Zach gibt es derzeit in Rosenheim noch ein paar Privatpersonen, die dieses Amt wirklich ernst nehmen. Einer davon besucht schon seit 30 Jahren Buben und Mädchen an den Nikolaustagen. Seinen Namen will er in der Öffentlichkeit aber keinesfalls preisgeben: "In der Weihnachtszeit bin ich der Nikolaus. Da habe ich keinen anderen Namen." Höchsten Wert leg er bei seinem "himmlischen Amt" auf Seriosität. Bei ersten Gesprächen mit den Eltern und auf seiner Nikolaus-Internetseite betone er immer wieder, dass die Geschenke nicht zu groß ausfallen sollen - Weihnachten kommt ja bald danach. Viel schöner sei es, eine Familienfeier auszurichten, die dann mit dem Erscheinen des Nikolaus zu einem unvergesslichen Erlebnis werde.

Der 64-jährige sieht den Nikolaus auch in der heutigen Zeit noch als wichtig für das Kinderleben an: "Sein Erscheinen bereitet die Kleinen auf das Leben vor." Die Buben und Mädchen würden dadurch schon frühzeitig lernen, mit Autoritäten zurecht zu kommen - "In diesem Fall sogar mit Himmel und Hölle". Im Grunde, so die Erfahrung des Rosenheimers, glaube jedes Kind im tiefsten Herzen immer noch gerne an den Nikolaus. "Das Bedürfnis nach dem Geheimnisvollen gibt es nach wie vor."

Nur für Erwachsene: Sexy Nikolaus-Grotte:

Nur für Erwachsene: Sexy Nikolaus-"Grotte"

Zusammen mit dem "Kramperl" erlebt er bei seinen Besuchen viel Lustiges. Zwölfjährige, die ihm zu Ehren spontan mit Tränen in den Augen Schuhplatteln gehören ebenso dazu wie Väter, die ihre fast erwachsenen Töchter nicht an deren Freund verlieren wollen und dabei auf die Hilfe des "Heiligen" zählen. "Der aber in diesem Fall auch nicht helfen kann", schmunzelt der Rosenheimer Nikolaus. Besonders schön seien die Augenblicke, in denen die Kinder stolz etwas vortragen, oder wenn der Nikolaus ängstliche Kinder schließlich doch zu einem Gespräch ermutigen kann und diese dann am Schluss sogar den Krampus mit "Pfüati, wann kimnst`n wieder?" verabschieden.

Wie lange er in der Weihnachtszeit noch als Nikolaus auftreten wird, weiß der 64-jährige nicht. "Wohl nicht mehr all zu viele Jahre", meint er. Dieses Amt sei körperlich und psychisch sehr anstrengend: "Nach einem Nikolaus-Tag ist man völlig geschafft. Schlafen kann man trotzdem nicht. Die Eindrücke sind einfach zu viel."

Bis dato freue er sich aber jedes Jahr auf seine "Verwandlung": "Wenn die Augen der Kleinen nach meinem Besuch glücklich leuchten, weiß ich, dass ich das Richtige mache".

wu/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser